Die „Big Five“ aus Wulfen

Von Martina Jansen

Fast jeder kennt sie: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard, die sogenannten „Big Five“. Aber diese „Großen Fünf“ gibt es nicht nur in Afrika, sondern auch in Dorsten. Fünf Wulfener sind eng verbunden mit Malawi, dem kleinen Binnenstaat im Südosten Afrikas.

Die fünf Afrikafreunde Peter Brzezinski, Bernhard Heming, Günter Hessing, Ritschi Vadder und Hannes Schürmann. ©Guido Bludau

„William Allan, Krankenhausverwalter und unser Kontaktmann in Muona, nennt und begrüßt uns in Malawi immer mit „Hello Big Five from Germany“, beginnt Richard Vadder, der Vorsitzende der “Afrikafreunde Wulfen e.V.“ und allgemein nur „Ritschi“ genannt, von den Erlebnissen in Afrika zu erzählen.

Ehrenamt für eine der ärmsten Regionen der Welt

Die zunächst ungeplante ehrenamtliche Tätigkeit der fünf Freunde Peter Brzezinski, Bernhard Heming, Günter Hessing, Ritschi Vadder und Hannes Schürmann begann mit einer privaten Reise nach Afrika. Während der Reisevorbereitungen erinnerte sich Ritschi Vadder an seine Zeit als Sternsinger, in der er mit einigen seiner Mitreisenden für Schwester Rita in Malawi sammelte. Die Spenden sollten die vor Ort ansässigen Schwestern in Muona, einer der ärmsten Regionen der Welt, im Süden Malawis gelegen, bei ihrer Arbeit unterstützen.

Gemeinsamer Urlaub 2019 in Südafrika und Botswana. Foto: privat

Die Afrikareisenden beschlossen, sich selber ein Bild davon zu machen, wie die Spenden aus all den Jahren verwendet wurden, und trafen vor Ort die Schwestern des Münsteraner Ordens an, die die Arbeit im Sinne Schwester Ritas fortführen, die sich mittlerweile im wohlverdienten Ruhestand befindet.

Kein Stuhl, kein Tisch, kein Lehrerpult, keine Tafel

Herzlich begrüßten die Schwestern die fünf Wulfener und zeigten ihnen stolz ihre Mädchenschule, die aus Spendengeldern finanziert wird. „Während diese Schule komplett ausgestattet war, saßen die 1000 Schüler der staatlichen Jungenschule auf nacktem Beton: kein Stuhl, kein Tisch, kein Lehrerpult, keine Tafel. Dieses Bild ging uns auch zu Hause nicht mehr aus dem Kopf“, erinnert sich Richard Vadder und die fünf Freunde beschlossen zu helfen.

Aufgrund ihrer Rundreisen durch Afrika, das sie auf eigene Faust erkundeten, hatten die fünf reichlich Fotos und Erlebnisse im Gepäck, um Bildvorträge in Schulen und den umliegenden Kirchengemeinden zu halten und dabei Spenden für eine konkrete Hilfe in Muona zu sammeln.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Wir wollen aber keine kurzfristigen Wohltäter sein, sondern dazu beitragen, dass sich die Bevölkerung selbst hilft“, so Richard Vadder. „Die Menschen vor Ort wissen besser, was sie benötigen und was nicht“, und er berichtet weiter über gespendete Wolldecken, die nicht benötigt werden und von Sterilisationsgeräten, die verrosten, weil es in Malawi kein destilliertes Wasser gibt. So hapert es bei gut gemeinten Ideen und Spenden manchmal an Kleinigkeiten.

Die Schüler und ihr Lehrer freuen sich über die neuen Tische in ihrem Klassenraum. Foto. privat

Das Ziel des ersten Hilfsprojekts der „Afrikafreunde Wulfen“ war es, zumindest einen Klassenraum der Jungenschule in Muona mit Stühlen zu versehen. Die „Blaue Grundschule“ in Barkenberg wurde zwar gerade zu diesem Zeitpunkt geschlossen, aber der Transport der Stühle, die die Ehrenamtler kostenlos erhalten hätten, war per Container nach Afrika einfach zu teuer gewesen. Daraufhin gründete Kontaktmann William Allan im Dezember 2006 die Muona-Foundation, eine Stiftung zur Selbsthilfe, an die die afrikabegeisterten Wulfener das gesammelte Geld überwiesen. Mit diesen Spenden konnte die Bevölkerung vor Ort die Stühle selber bauen und ihren Lebensunterhalt für einige Zeit sichern.

Die Fatima Boys Full Primary School

Das Geld reichte sogar, um drei Klassenräume der „Fatima Boys Full Primary School“ mit dem notwendigen Mobiliar auszustatten. Ende 2007 war das Projekt mit insgesamt 10 Klassenräumen beendet, nachdem sich schottische und holländische Touristen vor Ort ebenfalls für die Idee begeisterten und das Geld für die restlichen Möbel spendeten. Diesen Erfolg konnten die Afrikafreunde im Jahre 2010, dieses Mal gemeinsam mit ihren Ehefrauen, bei ihrem zweiten Besuch in Malawi mit eigenen Augen sehen. Auf ihrer Afrikatour im Oktober und November 2016 ging es zum dritten Mal nach Muona, um den Neubau einer Schule zu besichtigen. Dieser Bau wurde notwendig, da aufgrund einer großen Flutkatastrophe Anfang 2015 etliche Gebäude zerstört wurden.

Durch ihre Vorträge, bei denen sie weiterhin Spenden sammelten und durch die finanzielle Unterstützung zahlreicher Wulfener Geschäftsleute konnten die „Afrikafreunde Wulfen“ alleine bis zum Jahr 2016 mehr als 20.000 Euro an die Foundation übergeben. Davon wurden Bildungs- und Schulprojekte realisiert, aber auch ein Teil als Soforthilfe für die Hungersnot 2016 verwendet. Bis zum heutigen Stand (Ende Juni 2020) sind weitere 35.000 Euro hinzugekommen, durch die Biogasanlagen gebaut, Trinkwasserbrunnen gebohrt oder auch ein Kleintransporter gekauft werden konnten.

Das Biogas-Projekt

Das Brunnenbauprojekt, bei dem Maisfelder bewässert werden können, auch wenn der Regen ausbleibt, oder auch das „Ziegenprojekt“ konnten von den Spendengeldern ermöglicht werden. Hierbei handelt es sich um ein Schneeballsystem zur Selbsthilfe. Den ersten 20 Familien wurden Ziegen überreicht, der nächste Ziegennachwuchs wurde und wird an weitere Familien im Dorf weitergegeben.

Als nächstes Projekt stand der Bau von fünf geplanten Kleinbiogasanlagen an. Biogas ist eine sehr gute Alternative zum Abholzen der Wälder. Statt Brennholz soll nun Viehdung als günstige Energie fürs Kochen verwendet werden. Zwei von fünf geplanten Kleinbiogasanlagen sind bereits realisiert, nach der Corona-Pandemie geht der Bau der restlichen drei Anlagen weiter.

2018 flogen die vier engagierten Wulfener mit ihren Frauen nach Uganda, ein Jahr später bereisten sie Südafrika und Botswana. Die Reise zum 60. Geburtstag Richi Vadders mit seiner Frau nach Malawi, auch um die Baufortschritte der Biogasanlage zu dokumentieren, fällt leider coronabedingt aus. Dennoch haben die Big Five genug Fotomaterial, um auf ihren Vortragsabenden weiterhin Spendengelder für die nächsten Projekte zu sammeln.

Weitere Informationen finden Sie auf www.afrikafreunde-wulfen.beepworld.de

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