
Weltoffen und der Zeit angepasst, das Leben der Ursulinen hat sich grundlegend geändert. Durften die Schwestern vor 50 Jahren nicht einmal allein ein Krankenhaus aufsuchen, um dort eine Ordensschwester zu besuchen, so stehen ihnen heute alle Wege offen. Gab es vor 50 Jahren für die Nonnen keine Privatsphäre, so bewohnt jetzt jede Schwester eine eigene Wohnung innerhalb des Klosters.
Schwester Teresa und Schwester Barbara blicken zurück
Leiterin Schwester Teresa hatte bis heute keinen Zweifel an ihrem Entschluss, Nonne zu werden. „Ich war 22 Jahre alt, als ich ins Kloster ging. Ich erinnere mich noch genau daran, dass es kein fließendes Wasser für uns gab und die Strümpfe schrecklich kratzten. Wir hatten zudem auch keinen Kontakt nach außen. Der Zahnarzt kam zu uns und noch bis vor 40 Jahren wurde selbst die Wahlurne ins Haus gebracht.“ Dennoch blieb die sympathische Lehrerin für Mathematik, Chemie und Biologie dem Orden treu. „Ich habe zwar eine Musikstunde gegeben, aber selber gesungen habe ich nie“, verrät sie schmunzelnd.
Schwester Barbara hat ähnliche Erfahrungen wie ihre Mitschwester gemacht. „Als ich mit 18 Jahren in den Orden eingetreten bin, herrschten sehr strenge Regeln. Privatsphäre gab es nicht, unsere Zellen waren anfangs für eine lange Zeit lediglich durch Planen voneinander getrennt“, erinnert sie sich. Für sie stand schon sehr früh fest, dass sie nicht heiraten wollte, und hat sich daher bereits als junges Mädchen für ein Leben mit Gott entschieden. „Ich wusste, dass ich meine Familie kaum noch sehen würde und das Kloster normalerweise nicht verlassen durfte, aber meine Entscheidung stand.“
Die Ordenstracht
Wie jede Nonne legten auch Schwester Teresa und Schwester Barbara die drei Gelübde „Keuschheit, Armut und Gehorsam“ ab, um in den Orden aufgenommen zu werden. Zudem wurde ihnen, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen, ein neuer Name zugeteilt.
In Zivil gekleidet und alles andere als weltfremd stehen sie noch heute zu ihrem Entschluss, Ordensfrau zu werden. „Wir Schwestern haben uns vor etlichen Jahren dazu entschieden, es jeder Schwester freizustellen, ob sie die Ordenstracht trägt oder nicht“, erklärt Schwester Teresa.
Der Kloster-Neubau
Aber nicht nur die Tracht, die Kleidung der armen Leute, haben die Ursulinen abgelegt, sie haben zudem eine riesige Entwicklung miterlebt. Denn wenn Sie jetzt beim Wort „Kloster“ an alte Gemäuer mit dicken Wänden und etlichen dunklen Gewölben denken, dann irren Sie gewaltig.

Das alte Klausurgebäude wurde bereits 2012 abgerissen und durch einen barrierefreien Neubau ersetzt. Da sich die Anzahl der Nonnen auf ein Fünftel reduziert hat, fiel der Neubau dementsprechend auch kleiner aus, sodass die Schwestern nun freie Sicht auf das Gymnasium St. Ursula haben. Von ehemals 56 Schwestern wohnen zurzeit noch sieben Nonnen zwischen 72 und 92 Jahren ständig hier im Haus, drei Schwestern, die Privatgelübde abgelegt haben, wohnen außerhalb. Eine weitere Frau hat sich angeschlossen und kommt ebenfalls regelmäßig zu den Gottesdiensten, die meistens von den Franziskanermönchen geleitet werden. Gäste sind hierzu übrigens herzlich willkommen.
Gemeinschaft ist hier wichtig
Im Haus sind die Nonnen füreinander da, auf Gemeinsamkeit wird Wert gelegt. So kochen sie zwar nicht gemeinsam, das Essen wird in der Regel von der Caritas geliefert, aber sie essen in Gemeinschaft zu Mittag und verbringen auch tagsüber Zeit miteinander, unter anderem im gemeinsamen Gebet. Allein gelassen wird hier niemand und so ist es für jede Nonne eine Selbstverständlichkeit, auch im Krankheitsfall für ihre Mitschwestern da zu sein.
Führungen durchs Atelier Tisa von Schulenburgs
Geblieben ist trotz des Neubaus das Labyrinth von Gängen und Stockwerken hinunter zum Atelier Tisa von Schulenburgs. Schwester Barbara kennt diese Gänge sehr genau, saß sie doch lange genug an der Schulpforte und nahm auf dem Weg zur Arbeit und zurück genau diese Strecke. Sie führt mich in den Keller und hinter der nächsten Tür stehen wir endlich im Atelier der begnadeten und vielseitigen Künstlerin.
Ihren riesigen künstlerischen Nachlass, verwahrt in zahlreichen Schubladen, verwaltet Schwester Barbara bereits seit 30 Jahren mit viel Bewunderung der Künstlerin gegenüber.
Führungen durch das Atelier können bei ihr unter der Telefonnummer 02362/7852676 angemeldet werden. Gerne führt Schwester Barbara Sie durch die Räume und unterhält sie mit interessantem Wissen über ihre Mitschwester Sr. Paula.




























