Emotional, herzlich und mit spürbarer Verbundenheit: So erlebten die Besucherinnen und Besucher das Benefizkonzert des Blasorchesters Erler Jäger in der Aula der St. Ursula-Realschule Dorsten. Für Dirigent Oliver Göttlich war es ein ganz besonderer Auftritt, denn nach rund elf Jahren an der Spitze des Orchesters verabschiedete er sich von seiner „Mannschaft“ und dem Publikum.
Ein Nachmittag voller Begegnungen
Zahlreiche Gäste aus Erle, Dorsten und Raesfeld kamen, um diesen besonderen Moment mitzuerleben. Unter ihnen befanden sich der designierte Raesfelder Bürgermeister Dirk Kuhmann, Pastor Dr. Fabian Tilling von der Kirchengemeinde St. Martin, Andreas Grotendorst sowie Norbert Holz von der Mr. Trucker Kinderhilfe Dorsten. Auch viele langjährige Fans reisten eigens aus Erle an.

Ein Programm voller Klangfarben und Gänsehautmomente
Das Publikum bekam musikalisch ein hochwertiges Konzert zu hören. Auf dem Programm standen unter anderem klassische und moderne Werke wie das Concerto No. 1 d-Moll von Ludwig August Lebrun, Filmmusik aus The Rock und The Greatest Showman sowie gefühlvolle Poparrangements wie Seven Years von Lukas Graham oder Coldplay in Symphony. Auch das A-Cappella-Ensemble GinFis, Pianist Alex Bach und das Blasorchester Erler Jäger zeigten ihr Können und sorgten gemeinsam für ein abwechslungsreiches Musikerlebnis.

Grußwort von Bürgermeister Tobias Stockhoff
Da Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff an diesem Nachmittag aus familiären Gründen verhindert war, Tochter Luise feierte ihren 1. Geburtstag, wurde seine Ansprache per Tonaufnahme eingespielt. In seiner Begrüßung sprach er von der engen Verbindung zwischen Dorsten und Erle, die trotz kommunaler Neugliederung bis heute bestehe. „Erle ist inzwischen ein starker Ortsteil der Gemeinde Raesfeld. Doch jeder weiß, wie eng Erlerinnen und Erler mit Dorsten verbunden bleiben, ob im Sport, im Vereinsleben oder, wie heute, durch die Musik“, sagte Stockhoff.

Er hob die Bedeutung des Orchesters hervor. „Ohne die Erler Jäger wäre manches Schützenfest in Dorsten kaum vorstellbar. Sie sorgen immer wieder für musikalische Höhepunkte, sei es bei Festen, Konzerten oder besonderen Anlässen.“
Zum Abschluss wandte er sich persönlich an den Dirigenten. „Lieber Olli, du hast Dorsten und Erle ein Stück näher zusammengebracht. Deine Musik hat Menschen verbunden und Freude geschenkt. Ich danke dir für dein Engagement und wünsche dir alles Gute für die Zukunft.“

Grußwort von Dirk Kuhmann
Der neue Bürgermeister von Raesfeld, Dirk Kuhmann, griff in seiner Ansprache die Worte seines Dorstener Kollegen Tobias Stockhoff auf. „Mehr als fünfzig Jahre ist die kommunale Neugliederung nun her, und trotzdem hält die Verbindung zwischen Dorsten und Erle bis heute an“, sagte er. „Man merkt das überall, in den Schulen, bei Vereinen und natürlich in der Musik.“

Er ließ den Blick durch den Saal schweifen. „Wenn ich hier so in die Runde schaue, sehe ich eine wunderbare Mischung aus Raesfeldern, Erlern und Dorstenern, die alle gekommen sind, um gemeinsam Musik zu genießen, und natürlich, um euch zu hören.“
Mit einem Lachen fügte er hinzu: „Mein Vater kommt aus Dorsten, meine Mutter aus Raesfeld, da liegt mir diese Verbindung wohl schon im Blut.“ Zum Abschluss meinte Kuhmann: „Musik verbindet Menschen. Sie bringt uns zusammen, auch dort, wo Worte manchmal nicht reichen. Ich wünsche uns allen einen schönen Nachmittag und viel Freude mit den Erler Jägern.“

Moderator Fritz Schaefer verbindet Humor und Nachdenklichkeit
Für gute Stimmung sorgte Fritz Schaefer, Radiomoderator und Autor aus Dorsten. Mit seiner unkomplizierten und humorvollen Art führte er unterhaltsam durch das Programm, ohne dabei die stilleren Momente zu übergehen. Besonders eindrucksvoll wurde es, als er den Song Seven Years von Lukas Graham ankündigte.

„1997 mal 60 bin … Hat jemand Oh gemacht?“, begann er augenzwinkernd. „Okay, ja, Emotionen – das wollte ich eigentlich erreichen.“ Dann wurde sein Ton nachdenklicher. „Wenn ich mal 60 bin, wie werde ich dann auf die Welt blicken? Werde ich sagen, was für eine kalte Welt, oder habe ich Kinder, die mich wärmen?“
Schaefer erzählte, dass er Lukas Graham durch seine Arbeit beim Radio einmal persönlich getroffen habe. „Ein nachdenklicher Mensch, und das hört man in diesem Lied deutlich“, sagte er. Mit einem Lachen fügte er hinzu. „Hier bin ich geboren, hier war ich auf der Grundschule, und auf genau dieser Bühne habe ich mein Abitur gemacht. Zweierschnitt, Mathe war schuld.“

Das Publikum lachte herzlich und applaudierte, bevor er zum nächsten Programmpunkt überleitete. „Jetzt hören Sie Seven Years – gespielt vom Orchester der Erler Jäger und unserem Nachwuchs, der uns wärmt, wenn die Welt eine kalte ist.“
Emotionen und Dankbarkeit
Nach dem letzten Stück ergriff Oliver Göttlich das Mikrofon. „Bevor ich zu sentimental werde, spielen wir noch ein wunderbares Stück“, sagte er und lächelte in Richtung seiner Musikerinnen und Musiker. Er dankte seinem Orchester für viele gemeinsame Jahre. „Wir haben klein angefangen und sind zu dem gewachsen, was Sie heute hören. Danke, dass ich mit euch diesen Weg gehen durfte.“

Göttlich erinnerte an die Anfangszeit mit Hanna Nießing und lobte die Arbeit von Tim Heistermann und dem gesamten Vorstand. „Solche Menschen braucht ein Verein, die einen unterstützen, mitdenken und mit anpacken.“ Mit Blick auf den Konzertabend sagte er: „Dieses Programm war besonders. Klassik, Chor, Piano, Barock, alles dabei. Und am Ende war es einfach schön, das noch einmal mit euch erleben zu dürfen.“

Die letzte Zugabe
Zum Abschluss wandte sich Göttlich ein letztes Mal ans Publikum. „Ich freue mich gleich, mit dem wichtigsten Part meines Lebens meine Freunde nicht zu vergessen“, sagte er augenzwinkernd. „Jetzt aber noch einmal gemeinsam, mit dem Orchester, mit GinFis, mit allen und mit dir, Fritz. Wenn du willst, sing mit. Irgendwie kriegst du das schon hin.“

Dann kündigte er das letzte Stück an: „Thank You for the Music – wenn das nicht passt. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Abend. Machen Sie es gut und danke.“
Trotz lautstarker Rufe nach einer weiteren Zugabe blieb Göttlich konsequent: „Ende, aus.“
Ein stiller, aber würdiger Moment, und ein emotionaler Abschied für einen Dirigenten, der das Orchester über ein Jahrzehnt geprägt hat.

Der Erlös des Benefizkonzertes geht zu gleichen Teilen an den Erler Verein TrauerHalt und an die Mr. Trucker Kinderhilfe in Dorsten.




























