Akteure der Dorstener Kulturlandschaft sprechen mit Politikern über Auswirkungen der Pandemie

Dorsten (pd). „Kultur-Gipfel“. Am Ende des virtuellen Dorstener „Kultur-Gipfels“ äußerte Bürgermeister Tobias Stockhoff einen Wunsch. „Hoffentlich kommen wir in 2021 an vielen verschiedenen Stellen wieder zusammen, um Kultur zu erleben und zu genießen.“

Zuvor hatten sich Politiker und Akteure der Dorstener Kulturlandschaft über zwei Stunden lang sehr intensiv ausgetauscht. Teils emotional, aber zu jeder Zeit respektvoll und konstruktiv.

Existenzängste sind großes Thema beim „Kultur-Gipfel“

Viele Briefe und E-Mails, die Tobias Stockhoff seit Beginn der Corona-Pandemie von Kulturschaffenden erhalten hat, brachten ihn auf die Idee, zu einem „Kultur-Gipfel“ via Videokonferenz einzuladen. Häufig ist in diesen Schreiben von Existenzängsten die Rede. Darüber hinaus werden Vorwürfe und Unverständnis in Richtung der politischen Entscheidungsträger geäußert.

Neben dem auch für Dorsten zuständigen Bundestagsabgeordneten Michael Gerdes nahmen auch die Landtagsabgeordneten Josef Hovenjügen und Michel Hübner teil. Landrat Bodo Klimpel sagte ebenfalls gerne zu, als er die Einladung aus Dorsten erhielt. Für die Bezirksregierung Münster schaltete sich Kulturdezernent Georg Veit am Montagabend in die Konferenz ein.

Sorgen und Befürchtungen äußern

Auf der Seite der Kulturschaffenden bekamen zu großen Teilen diejenigen die Möglichkeit, ihre Sorgen und Befürchtungen zu äußern, die zuvor Kontakt zum Bürgermeister gesucht hatten. Darunter waren Akteure aus den verschiedensten Bereichen der Dorstener Kulturszene. Einige verdienen ihren Lebensunterhalt mit Musik, Kabarett, Tanz oder Events. Anderen nimmt die Corona-Pandemie derzeit ihre große Leidenschaft in Ehrenamt und Freizeit. Etwa das Singen im Chor oder das Musizieren im Orchester.

Darüber hinaus waren auch Christel Briefs, stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Dorsten, sowie Sabine Fischer und Anja Schäfer von der Dorstener Stadtagentur Teilnehmerinnen der Konferenz.

Sehr lebendige Kulturstadt

Christel Briefs bekam Zustimmung von allen Seiten, als sie sagte, dass das Kulturangebot einer Stadt erheblich zur Lebensqualität vor Ort und auch zur Ausstrahlung einer Stadt beitrage. Aus tiefer Überzeugung bezeichnete sie ihre Heimatstadt Dorsten als „sehr lebendige Kulturstadt“.

Der Wunsch aller Teilnehmenden am Montagabend ist, dass Dorsten auch nach der Corona-Pandemie eine lebendige Kulturstadt sein soll. Zweifel gab es allerdings, ob das nach der Pandemie überhaupt noch so sein kann. Eine entscheidende Frage aller Kulturakteure – ob hauptamtlich oder ehrenamtlich: Was passiert, wenn das so weitergeht?

Virus bringt Kultur zum Erliegen

Die Corona-Schutzverordnung lässt so gut wie keinen Spielraum zu: Instrumente sind stumm, Bühnen leer, Einrichtungen geschlossen. Es finden keine Ausstellungen, keine Konzerte, keine Theaterstücke, keine Festivals, keine Stadtfeste und keine Weihnachtsmärkte statt. Das Virus hat die Kultur zum Erliegen gebracht.

Die Angst, dass der Nachwuchs während der Zwangspause den Anschluss verpasst und somit in vielen Bereichen der Kultur die Basis wegbricht, war ebenso ein Thema während der Videokonferenz wie die hohen Hürden bei der Organisation von Pandemie-konformen Veranstaltungen. Von fehlenden sozialen Kontakten, aber auch von fehlenden emotionalen Momenten war die Rede. „Das macht uns alle krank“, sagte eine Teilnehmerin.

Politiker sichern beim „Kultur-Gipfel“ Hilfe zu

Ein weiterer wichtiger Punkt: Bei den Hilfsprogrammen hakt es an vielen Stellen. Ein Teilnehmer berichtete, noch nie so viele schlaflose Nächte wie in diesem Jahr gehabt zu haben. Ein anderer stellt sich derzeit die Frage, ob er sein Unternehmen nun abwickeln muss. An immer mehr Stellen wachsen Existenzängste.

Fakten, die den Politikern sehr wohl bewusst sind. Sie alle bedankten sich herzlich für die sehr persönlichen Einblicke und versicherten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten der individuellen Probleme anzunehmen. Außerdem stellten sie den Akteuren der Dorstener Kulturlandschaft ihre Kontaktdaten zur Verfügung – verbunden mit dem Angebot, sich jederzeit persönlich an sie wenden zu können.

Dass nicht an allen Stellen alles perfekt gelaufen ist, räumten sowohl Abgeordnete als auch Verwaltungsvertreter ein. Allerdings baten sie um Verständnis dafür, dass die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auch sie mit voller Wucht getroffen haben.

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André Elschenbroich
Moin, ich bin André Elschenbroich. Vielen bekannt unter dem Namen Elsch. Der Eine oder Andere verbindet mich noch mit der WAZ, bei der ich 1988 als freiberuflicher Fotojournalist anfing und bis zur Schließung 2013 blieb. Darüber hinaus war ich in ganz Dorsten und der Region gleichzeitig auch für den Stadtspiegel unterwegs. Nachdem die WAZ dicht machte, habe ich es in anderen Städten versucht, doch es war nicht mehr dasselbe. In über 25 Jahren sind mir Dorsten, Schermbeck und Raesfeld mit ihren Menschen ans Herz gewachsen. Als gebürtiger Dorstener Junge merkte ich schnell: Ich möchte nirgendwo anders hin. Hier ist meine Heimat – und so freut es mich, dass ich jetzt als festangestellter Reporter die Heimatmedien mit multimedialen Inhalten aus unserer Heimat bereichern kann.

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