Mehr als nur eine historische Begehung war für die Teilnehmer die Führung über den jüdischen Friedhof im „Judenbusch“ an der Hasselbecke, zu der die Ideenfabrik Stadtsfeld am 27. August eingeladen hatte.
Der rund 200 Jahre alte Begräbnisplatz erwies sich dabei als eindrucksvolles Zeugnis jüdischen Lebens und als Mahnung gegen das Vergessen.
Ein Ort von besonderem Wert
Dass der Friedhof trotz der Zerschlagung der jüdischen Gemeinde in Dorsten während der NS-Zeit bis heute besteht, hat einen besonderen Grund. Im jüdischen Glauben gelten Begräbnisstätten als „Haus der Ewigkeit“ oder „guter Ort“. Diese Orte sollen nicht aufgegeben werden, sondern dauerhaft Bestand haben. „Ein jüdischer Friedhof hat einen noch höheren religiösen Stellenwert als eine Synagoge“, erklärte Elisabeth Schulte-Huxel vom Jüdischen Museum Westfalen, die gemeinsam mit Walter Schiffer durch die Anlage führte.

Die Besucherinnen und Besucher erfuhren nicht nur von religiösen Bräuchen und Symbolen. Auch die kulturhistorische Bedeutung des Friedhofs wurde deutlich. Grabsteine, Inschriften und Anordnungen bilden ein steinernes Archiv, das Einblicke in das Leben, Wirken und Sterben der jüdischen Gemeinde gibt. Gerade dort, wo schriftliche Dokumente zerstört wurden, bleibt der Friedhof als Quelle erhalten.
Geschichten, die bewegen
Besonders eindrucksvoll war die Erzählung über eine Inschrift, in der das deutsche Wort „Eisenbahnunglück“ in hebräischen Buchstaben auftaucht. Sie erinnert an den jungen Elijahu, Sohn des David, der 1926 bei einem Anschlag auf den Schnellzug Berlin–Köln ums Leben kam. „Solche Geschichten machen deutlich, dass hinter jedem Stein ein Schicksal steckt“, betonte Schiffer.

Auch andere Grabmale gaben Aufschluss über persönliche Schicksale und die Lebenswirklichkeit der jüdischen Gemeinde in Dorsten. So wurde deutlich, dass der Friedhof weit mehr ist als ein Ort des stillen Gedenkens. Er erzählt Geschichten, die den Besucherinnen und Besuchern den jüdischen Alltag vor Augen führen.
Gelungener Termin mit großem Interesse
Die Führung war mit zwanzig Personen ausgebucht. Viele nutzten die Gelegenheit, den beiden fachkundigen Referenten Fragen zu stellen. Das rege Interesse zeigte, dass es ein starkes Bedürfnis gibt, sich mit der jüdischen Geschichte Dorstens auseinanderzusetzen. Am Ende stand der Eindruck eines rundum gelungenen Termins, der Wissen vermittelte und zugleich zum Nachdenken anregte.

Der Nachmittag im „Judenbusch“ war mehr als ein Spaziergang durch ein Stück Geschichte. Er war eine eindrucksvolle Reise in die Erinnerung. Der Friedhof bleibt damit ein guter Ort, ein Ort des Lebens, des Gedenkens und der Verantwortung für die Zukunft.




























