Endlich wieder vor Publikum? „maju“ trainiert für Turniersaison 2022

Die Regionalligaformation „maju“ trainiert für Turniersaison 2022

Saisonabbruch in 2020 – Komplette Turnier Absage in 2021. Saison 2022? Noch ungewiss. Dorsten-Online ist zu Gast beim Training der Regionalligaformation ,,maju“ des TSZ Royal Wulfen, spricht mit den Tänzerinnen über die zwei zurückliegenden, dramatischen Jahre für den Turniersport und erfährt, wie die Gruppe sich trotz alledem motiviert, was sie ausmacht und zusammen hält.

Die Regionalligaformation maju des TSZ Royal Wulfen
Die Regionalligaformation maju des TSZ Royal Wulfen

Es gehört schon eine ordentliche Portion an Eigenmotivation, Liebe und Disziplin dazu. Die neue Choreografie wartet seit ihrer Vereinspräsentation im Februar 2020 auf die große Bühne. Das letzte Turnier wurde im Frühling 2019 getanzt. Über eine mögliche Absage der Tanzturniere für 2022 möchte keine der Tänzerinnen sprechen, nicht einmal darüber nachdenken.

Saisonabbruch 2020

,,Wir fanden unsere Choreo richtig gut. Wir waren wirklich „on fire“ vor dem ersten Turnier. Waren richtig gut vorbereitet. Wir dachten dieses Jahr wird unser Jahr“, erinnert sich Lynn Deckers (Tänzerin und Trainerin der Kinderformation „Joy“) an den Saisonauftakt 2020 zurück. Dann kam der Saisonabbruch, noch bevor sie ihren ersten Auftritt hatten. Die Kinderliga hatte bereits gestartet.

Sandra Scholtyssek tanzt seit über 20 Jahren beim TSZ Royal Wulfen.
Sandra Scholtyssek tanzt seit über 20 Jahren beim TSZ Royal Wulfen.

Hochmotiviert in die neue Saison

Die zurückliegenden zwei Jahre wirken nach. Auch wenn das Training zurzeit vor Ort stattfinden kann, ist es weiterhin alles andere als normal. Und dennoch keine herunterhängenden Köpfe, keine niedergeschlagene Truppe in der Sporthalle an der Agatha Schule. ,,maju“ ist hoch motiviert und trainiert weiter. Die Turniere im Frühling 2022 fest im Blick. Sie werden mit der „alten“ Choreografie, die für die Saison 2020 vorgesehen war, antreten. Sie trainieren diese bereits zum dritten Mal. „Die Choreo kam bei der Vereinspräsentation gut an. Wir haben gutes Feedback bekommen. Es wäre zu schade sie einfach wegzuschmeißen“, erklärt Lynn. Rückblickend war es aber auch eine weise Entscheidung an dem bereits Gelernten festzuhalten.

Hanna Vorholt (links) und Lynn Deckers (rechts) sind nicht nur Tänzerinnen bei maju. Sie trainieren auch die Kinderformation Joy.

Die Zeit ist knapp

 Der lange Lockdown, das unregelmäßige Training, die vielen Ausfälle durch Impfungen oder bei kleinsten Anzeichen von Erkältungen. Unter diesen Voraussetzungen eine neue Choreografie zu erarbeiten wäre kaum möglich gewesen, so Lynn. Allein den Trainingsrückstand wieder einzuholen brauche Zeit. Und die sei denkbar knapp. ,,Es ist anders als sonst“, fast  Lynn zusammen. Im normalen Saisonverlauf haben sie ein dreiviertel Jahr um etwas zu erarbeiten.

Zu jeder Trainingseinheit zählen WarmUp, Sprünge, Technik und Workout.

Mit Wohnzimmer Choreos durch den Lockdown

Vor allem der monatelange Lockdown machte maju zu schaffen. ,,Zehn Monate im online Training waren anstrengend“, blickt Trainerin Martina Buschmann zurück, ,,eine Durststrecke“. Sie konnte mit ihren Tänzerinnen nur kleinere „Wohnzimmer-Choreos“ erarbeiten und habe viel auf Techniktraining zurück greifen müssen. „Es ist nicht das gleiche, wie in der Halle, wo man sich richtig bewegen und springen kann“, beschreibt Lynn das Ersatz-Training, ,,Online hatten wir viel Ballett und Techniktraining. Das auch wichtig ist, aber es ist schon was anderes. Es war wirklich schön, als es wieder vorbei war.“

Maju trainiert zweimal die Woche in der Sporthalle der Agatha Schule

Turniere sind das Highlight

Nun stehen die Tänzerinnen wieder in der Halle und blicken mit viel Hoffnung und Freude dem Saisonauftakt entgegen. „Die Turniere sind das Highlight des Jahres“, schwärmt Tänzerin & Mannschaftskapitän Sandra Scholtyssek.  ,,Man arbeitet lange an einer Choreo. Ein halbes Jahr oder länger und wenn man als Mannschaft das zusammen Erarbeitete dann präsentiert, die Musik angeht und man jemanden mitnehmen kann. Diese Gefühl in der Gruppe, wenn man merkt, man ist synchron. Der Fluss in der Gemeinschaft. Der Applaus.“ Das alles zieht Sandra in den Bann. Der Grund, warum sie so gerne auf der Bühne steht.

Im Februar präsentiert sich der TSZ Royal Wulfen mit allen Formationen dem Publikum

TSZ Royal verzichtet auf Auditions

Doch nicht alle Teammitglieder wollen sich den Turnieren stellen und das ist beim TSZ Royal Wulfen kein Problem. Wer Spaß am Tanzen in der Formation hat, sich dem Leistungsdruck von Turnieren aber entziehen möchte, wird genauso wertschätzend in der Formation willkommen geheißen. ,,Wir haben auch Tänzer in der Mannschaft die keine Turniere mittanzen wollen, aber dabei sind und anfeuern“, erklärt Sandra. Auch auf ein Casting oder eine Audition für die Turnierformationen, wie es bei manchen Tanzschulen und –vereinen so üblich ist, verzichtet  das Tanzsportzentrum gänzlich: ,,Der TSZ Royal macht das tatsächlich nicht. Hier darf jeder tanzen wo er möchte und wo er Spaß hat.  Hier kann man ausprobieren und Mannschaften tauschen. Hier ist der Sinn von Familie und Freunde“, führt Sandra weiter aus. Gewiss einer der Gründe, warum viele Tänzer*innen, die einmal beim TSZ Royal Wulfen angefangen haben, den Verein so schnell nicht wieder verlassen. ,,Es ist wichtig, dass wir zusammen sind und etwas auf die Beine bringen“, so Sandra.

Hanna Vorholt
Hanna Vorholt (links) und Lynn Deckers (rechts) sind nicht nur Tänzerinnen bei maju. Sie trainieren auch die Kinderformation Joy.

Mit dem Herzen dabei

Doch gerade das Zusammensein war in den zurückliegenden zwei Jahren kaum möglich. ,,Die Zeit des harten Lockdowns war schwierig“, schildert Lynn, „man vermisst die anderen und es fehlt das Auspowern“. Das Training gibt ihr den so wichtigen Ausgleich zum Alltag. Man könne auch Workouts oder anderen Sport machen, aber es gebe einen nicht so viel zurück wie das, was man schon so lange macht, was man so gerne macht und wo man alles reinlegen kann: Das ganze Herz.

Tanzen, nichts anderes

Wie Sandra, tanzt Lynn schon seit rund zwanzig Jahren beim TSZ Royal Wulfen. Angefangen haben beide bereits im Kindesalter. Sandra ist damals einfach mal mit einer Freundin mitgegangen und konnte seitdem, wie sie selbst sagt, ,,nicht mehr damit aufhören.“ Für Lynn war schon mit 5 Jahren klar, dass Tanzen ihr Ding ist: ,,Ich wollte das unbedingt machen. Ich habe immer gesagt Mama, tanzen, unbedingt! Ich habe ein, zwei Freundinnen mitgenommen und wir sind immer noch da. Warum ich das so lange mache? Mir macht es einfach Spaß. Es ist einfach toll. Es ist schön. Man kann alles da reinlegen. Kann so vielseitig sein. Langsam, schnell, immer was anderes. Martina ist sehr vielseitig. Wir machen jedes Jahr was anderes. Es ist immer spannend.“  Eine jahrzehntelange Tanzerfahrung ist aber kein Muss. ,,Wer bei maju mitmachen möchte, ist gerne willkommen. Man muss nicht 20 Jahre getanzt haben“, betont Sandra. Der Spaß am Tanzen steht im Vordergrund und verbindet.

Dank Martina durch den Lockdown

Martina hat es geschafft ihre Tänzerinnen motiviert zu halten und maju ohne Verluste durch Lockdowns, sich stetig verändernden Corona Regeln und zwei ausgefallene Turnier Saisons zu bringen. Nicht wenige Formationen haben sich zwischenzeitlich aufgelöst. ,,Martina hat uns gerettet“, bringt Lynn auf den Punkt. Die Tänzerinnen sind begeistert von ihrer Vielfalt und Kreativität. Nicht wenige tanzen bereits seit zehn Jahren unter ihrer Leitung.

Eine Bühne zum Saisonabschluss

Ihre Ideenvielfalt zeigte Martina ganz besonders zum Saisonabschluss 2021. Da die Turniere erneut ausfallen mussten, hat sie sich etwas einfallen lassen: ,,Wir haben ein kleines Videoprojekt gemacht und unsere „Wohnzimmer“- Choreo im Amphitheater gefilmt“. Martina gab ihren Tänzerinnen so die Chance ihre erarbeitete Choreografie doch noch einem Publikum zu präsentieren. Einen Trailer zum Film ist auf den social media Kanälen des Vereins zu finden (Link unten).

Turnier Choreo sorgt für Spannung und Herzklopfen

Mit der Choreo für die Saison 2022 probiert Martina wieder etwas Neues aus. ,,Wir haben das erste Mal mit einer Geschichte gearbeitet, was wir sonst nicht machen“, verrät sie uns, ,,Sonst arbeite ich gerne mit Emotionen. Meistens nur mit einem Wort, was ein Gefühl auslöst. Jeder interpretiert das ja auch anders und das soll ja auch so sein.“ Wenn Martina Choreografien entwickelt beginnt es meistens mit einem Lied. Das Lied gibt ihr den Impuls. Wenn es sie berührt folgen die Ideen und die Choreo beginnt sich zusammen zu fügen. Nicht selten kommen ihr die Ideen im Auto, auf der Fahrt von ihrem Wohnsitz in Köln zum Training nach Dorsten. Die aktuelle Choreo ist anstrengend und konditionell sehr fordernd. ,,Eine gute Mischung und modern von der Musik her“, so Martina. Die Geschichte, die sie erzählt, handelt von Aufbruch, aber auch von Verlust. Sie sorgt für Herzklopfen und Spannung. Und Martina gelingt es diese bis zum letzten Moment hoch zu halten. Im Februar präsentiert maju zusammen mit allen weiteren Formationen ihre aktuelle Choreo bei der großen Vereinspräsentation des TSZ Royal Wulfen.

Turniersaison 2022 bleibt ungewiss

Spannend bleibt es auch bei der Frage, ob die Turniere 2022 überhaupt stattfinden können. Bisher ist noch nichts entschieden worden. Bei gleichbleibend hoher Inzidenz könnte eine online Variante oder eine Austragung ohne Publikum vor Ort in Betracht gezogen werden. Vermutlich wird hier erst kurzfristig entschieden. Es bleibt zu hoffen und maju zu wünschen, dass sie ihr Choreo endlich vor breitem Publikum zeigen und den verdienten Applaus einholen können. Denn was ist ein*e Künstler*in schon ohne sein/ihr Publikum?

Links: Video zum Saisonabschluss Watch | Facebook

Termine Tanzturniere 2022 auf dorsten-online: Tanzsport: Nach 2 Jahren Zwangspause – Die Tanzturniere sind zurück (dorsten-online.de)

Tanzsportzentrum Royal Wulfen: TSZ Royal Wulfen (tsz-wulfen.de)

Info Kasten:

  • maju (indonesisch)= aufwärts, fortgeschritten
  • Tanzformation des TSZ Royal Wulfen
  • Tanzstil: Jazz, Modern Dance & Contemporary
  • Trainerin & Choreografin: Martina Buschmann
  • Gründungsjahr: 2011
  • Größe: 16 Tänzerinnen
  • Altersdurchschnitt: Mitte 20
  • Altersgrenze : Keine
  • Liga: Regionalliga
  • Trainingszeiten: Fr und So, je 2,5h