Dorsten. „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ Die wahlweise weibliche oder männliche Stimme Ihres Navis hat Sie während Ihrer Autofahrt gut begleitet. Aber wie erkennt das Navigationsgerät, dass Sie zwei Straßen vorher nicht links abbiegen oder nicht schneller als 50 km/h fahren dürfen? Für die korrekten Angaben ist Eric Oeder aus Rhade zuständig.

Unser erster Kontakt kam zustande, da ich mit meinen angegebenen GPS-Angaben in der Stadtteilserie der Lokallust über Rhade mein Ziel nicht erreicht hätte. Zumindest nicht das in Dorsten-Rhade.

Dem 53-jährigen Verkehrsplaner fiel natürlich sofort auf, dass die ersten beiden Ziffern „53“ der Koordinaten zu Rhade in Niedersachsen gehören und nicht zu unserem nördlichen Stadtteil. Eric wies mich ganz freundlich darauf hin und es ergab sich daraufhin ein wirklich interessantes Gespräch über seine Arbeit, bei der ihm sogar jeder Bürger helfen und sich einbringen kann. Dazu aber später mehr.
 

Die Anfänge der Navigationssysteme

Der Diplom-Geograf mit Spezialisierung auf Verkehrs- und Stadtplanung arbeitet bei HERE im Regionalbüro in Essen, einem der drei weltweit tätigen Unternehmen, Google und TomTom, die Karten für Navigationssysteme herstellen.

Verkehrsplaner Eric Oeder aus Rhade

„Ich kenn die Feldarbeit in den neunziger Jahren noch aus eigener Erfahrung, als ich mit meinem Beifahrer, gewappnet mit Kartierwerkzeug und Plots mit den vorgegebenen Straßen, Weg für Weg abfuhr und anschließend die ermittelten neuen Daten in unsere Systeme nachtrug“, beschreibt Eric die Anfänge der Navigationssysteme.

Jeder neue Kreisverkehr, jede Geschwindigkeitsänderung, jedes Neubaugebiet wurde und wird akribisch neben weiteren etwa 400 möglichen Navigations-Attributen, wie der Anzahl der Fahrspuren, dem Hinweis, ob die Straße asphaltiert ist, ob durchgezogene Linien vorhanden sind, es ein Überholverbot oder Tempobeschränkungen gibt oder die Straße für Lkws oder Fußgänger gesperrt ist, aufgenommen.

Zeitalter der digitalen Navigation

„Durch meine frühere Arbeit vor Ort habe ich in Europa fast jedes Land gesehen. Außerdem flog ich aufgrund meiner Tätigkeiten nach Brasilien, Australien oder auch Thailand. Somit habe ich dazu beigetragen, dass mittlerweile über 200 Länder kartiert sind“, erinnert sich Eric nicht ohne Stolz.

Eric, der Mountainbiker, der im Team Lembeck mitfährt, kann selbst in seiner Freizeit nicht von seinem Faible für Koordinaten lassen. Bei seinen Rundfahrten durch Hohe Mark, Hohe Haardt oder dem Weseler Wald läuft seine Trackinguhr stets mit. Auf diese Weise hat er im letzten Jahr 6000 Kilometer nebenbei bereits viele Radwege „kontrolliert“. Aber nicht nur durch das Datensammeln aufgrund von Fahrten wird die Streckenführung auf standgehalten. Auch User der Community steuern Änderungen bei.

Zwei Fahrer sind nun nicht mehr mit Klemmbrett und Stift unterwegs. Mittlerweile fährt eine Flotte von Messfahrzeugen mit Multi-Kamera-Systemen und Laserscannern auf dem Dach die Wege ab. Sie speichert die Daten direkt auf Festplatten, deren Daten dann anschließend codiert werden.

„In 80 Prozent aller Navis stecken unsere Karten. Wir bieten den Firmen die Rohdaten an, die sie dann für ihre jeweiligen Systeme passend umsetzen“, berichtet der Geograf. Weitere Daten-Quellen sind Behörden oder die Deutsche Post, die Änderungen angeben. Aber auch Handy- oder Sensordaten von fahrenden Autos, die aufgrund vieler Anwendungen heutzutage online sind, werden für die Navigation oder für Warnhinweise verwendet. So meldet Ihr Navi aufgrund der Sensoren am vor Ihnen herfahrenden Auto auch noch zusätzlich Glatteisgefahr oder zeigt Ihnen freie Parkplätze an („Connected Driving“).

Auch auf privaten Fahrten kontrolliert Eric Oeder Radwege

Office: Eine typische Arbeitssituation für Eric Oeders Kollegen

Points of Interest

Auf der Plattform mapcreator.here.com kann sich jeder kostenlos anmelden und mithelfen, die Navigationskarte aktuell zu halten. Ob auf Ihrer Straße seit Neuestem eine Einbahnstraßenregelung gilt oder eine Tempo-30-Zone eingerichtet wurde, mit Ihrem Eintrag, der natürlich nachher geprüft wird, ist ein Update der alten Karte viel schneller möglich.

Also werden Sie doch gleich mal selbst aktiv und tragen Sie Points of Interest ein: Museen, Restaurants, neue Bushaltestellen oder Ihr Lieblingsgeschäft. Auch ich werde demnächst für die Stadtteilserien die GEO-Daten dieses Tools nutzen. Zumal dieses System nicht nur anwendungssicher, sondern auch modern ist.

Aktive Community

Mit seiner Community hält Eric Oeder in den sozialen Medien oder über Webinare Kontakt, berät sie oder hält Vorträge. Ob Einzelpersonen oder Universitäten, Fahrrad- oder Wandervereine, Versicherungen, der ÖPNV oder Start-ups, kurz gesagt: Jeder, der Interesse an diesen Daten hat, ist willkommen.

Zudem können Sie unter studio.here.com selbst Ihre eigenen Karten für alle möglichen Anwendungen erstellen. Für Programmierer stellt HERE das Developer-Portal mit ca. 40 verschiedenen Geo-APIs/SDKs zur Verfügung. Kontakt zu Eric Oeder und seinem Team und auch zu anderen Community-Mitgliedern kann man über den Map Creator aufnehmen.

Die Firma „Here“, in der Eric Oeder arbeitet, stellt mit „Here WeGo“ allen interessierten Usern eine kostenlose Karten- und Navigations-App zur Verfügung. In die können auch Satellitenbilder und sogar Live-Traffic-Daten eingespielt werden.

Eric Oeder im Homeoffice

Zurzeit ist der zweifache Familienvater fast ausschließlich im Homeoffice tätig. Von dort hält er weiterhin den Kontakt über Videokonferenzen, Foren, Chats, Mails, Blogs, etc.

„Ich empfinde dieses Arbeiten momentan als sehr angenehm“, so Eric. „Ich muss jedoch mit meinen beiden Kindern vorher absprechen, dass sie nicht gerade während einer Konferenz ihre Filme streamen. Das hält das Netz wohl nicht aus“, schmunzelt er.

Vorheriger ArtikelOffene Fenster – Wir sind für euch da
Nächster ArtikelImpfberechtigung: Priorisierung von Einzelfallentscheidungen
Hallo, ich bin Martina Jansen. Meine Heimat ist das Monatsmagazin „Lokallust“, aber da wir mit den „Heimatmedien“ eng zusammenarbeiten, richte ich mich seit einiger Zeit nun auch hier als freie Mitarbeiterin häuslich ein. Als nicht gelernte Redakteurin schreibe ich aus dem Bauch heraus und lasse dabei unbewusst, gerne aber auch ganz bewusst, redaktionelle Regeln aus. Soll heißen: Ich schreibe so, dass ich auch verstanden werde. Gerne treffe ich mich mit Menschen aus Dorsten, Schermbeck oder Raesfeld, die ein verrücktes Hobby haben, ehrenamtlich tätig sind oder einfach „gut drauf“ sind, also mit Menschen wie du und ich und bin jedes Mal darauf gespannt, welche Geschichte am Ende dabei herauskommt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.