StartKolumneErkundungsgänge (4): Momentaufnahme am Kanal

Erkundungsgänge (4): Momentaufnahme am Kanal

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Die Dorstener Schriftstellerin Dörthe Huth schreibt Bücher rund um die Lebensfreude, Geschichten, Gedichte und mehr. Sie ist eine exzellente Beobachterin und Erzählerin. Für Dorsten-Online macht sie sich auf Erkundungsgänge durch unsere Heimat.

Gleich hinter der Stadtmitte lädt der Wesel-Datteln-Kanal zum Spaziergang ein. Während ich das Ufer auf der gegenüberliegenden Seite der Mercaden entlangschlendere, folgen meine Augen fast schon automatisch der sanften Strömung des Wassers. Es fließt ruhig durch ein von Menschenhand geschaffenes Becken und strahlt dennoch Natürlichkeit aus. Seine Bewegungen sind bedächtig, als hätte es die Zeit vergessen.

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Foto: Dörthe Huth

Der Kanal im Wandel der Zeit

In seiner über 100jährigen Geschichte hat sich der Wessel-Datteln-Kanal verändert. In seiner Blütezeit diente er als wichtige Transportroute für Kohle, Erz und andere Güter, und spielte auch für Dorsten eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Auch heute werden über diese 61 Kilometer lange Wasserstraße, die das Ruhrgebiet und den Niederrhein miteinander verbinden, noch Güter transportiert. Gemächlich zieht gemächlich ein Lastenschiff an mir vorüber. Während meines Spaziergangs bleibt es das einzige.

Foto: Dörthe Huth

Sonne tanken, miteinander ins Gespräch kommen und die Aussicht genießen

Die Wasserstraße ist mit den Jahren ruhiger geworden, der Uferbereich dafür lebendiger. Mit seiner idyllischen Kulisse hat der Kanal über die Zeit an touristischer Bedeutung gewonnen. Radfahrer, Wanderer und Spaziergänger kommen hier auf ihre Kosten.

Foto: Dörthe Huth


Der Kanal verbindet nicht nur Orte, sondern auch Menschen miteinander. Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Man kann etwas Sonne tanken, miteinander ins Gespräch kommen und die Aussicht genießen. Einige Spaziergänger grüßen freundlich, während andere wegsehen. Vor mir suchen zwei Frauen nach der Bezeichnung für die wild wachsenden Blumen auf der Uferböschung und etwas weiter entfernt unterhalten sich zwei Hundebesitzer angeregt miteinander.

Foto: Dörthe Huth

Wasserspiegelungen – flüchtige Momentaufnahmen

Bei genauerem Hinsehen ist die Wasseroberfläche von kleinen Wirbeln durchzogen, die sich plötzlich bilden und genauso schnell wieder verschwinden. Das Wasser lebt, es atmet und ist ständig in Bewegung. Seine Kraft ist in jeder Bewegung spürbar.

Die Oberfläche des Kanals spiegelt die Welt. Die Wolken am Himmel, die Gebäude in Ufernähe und die vor Anker liegenden Boote zeigen sich im Wasser wie auf einer Leinwand. Die Grenzen von Wirklichkeit und Schein verschwimmen. Es sieht so aus, als würde sich unter der Oberfläche eine weitere Welt in die Tiefe erstrecken. Die Spiegelungen sind nicht von Dauer, sie verändern sich mit dem einfallenden Licht und den Bewegungen des Wassers. Die Natur malt ihre eigenen Kunstwerke als flüchtige Momentaufnahmen.

Foto: Dörthe Huth

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