StartFreizeitKulturFilmemacher Wayne Graves pendelt zwischen Hollywood und Dorsten

Filmemacher Wayne Graves pendelt zwischen Hollywood und Dorsten

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Roter Teppich und VHS, Hollywoodstars und Statisten, Magie und Realität: Wayne Graves kennt so ziemlich alle Seiten des Showgeschäfts und ich höre ihm interessiert zu als er davon berichtet. Und zu erzählen hat dieser Mann mehr als genug. Nachdem ich mich an sein „Denglisch“ gewöhnt habe, verfliegt die Zeit wie im Nu, allerdings bin ich auch um die Illusion des „magischen Hollywoods“ ärmer.

Bis gerade kannte ich Wayne noch nicht, aber ich bin dafür ja auch kein Maßstab. Im Film- und Musikbusiness in Hollywood und in Deutschland ist er eine bekannte und feste Größe, sei es als Regisseur, Kameramann, Tontechniker oder auch als Produzent.

Geboren wurde er 1965 in Pennsylvania, USA, trat mit 17 Jahren in die Armee ein und wurde unter anderem im Irak und im Kongo eingesetzt. Sein Plattenvertrag bei Sony als Sänger, der Harmoniegesang mit Rap kombinierte, war nach seiner Rückkehr leider hinfällig. Aber Sony entdeckte seine Talente als Produzent und nahm Wayne erneut unter Vertrag.

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Zeitgleich erwarb er seinen Master of Marketing, wurde Vizepräsident einer Finanzfirma und eröffnete ein erfolgreiches Möbelunternehmen.

Die Musik erschien Wayne jedoch wichtiger. Er produzierte weltweit zahlreiche CDs unter dem Sony-Label und knüpfte Kontakte zu MTV, später auch zur Filmbranche. „Durch einen Freund bin ich ins Show-Business gekommen. Er brauchte dringend einen Tontechniker, und so landete ich unerwartet am Set mit Clint Eastwood.“

Von Amerika nach Deutschland

1999 erhielt er von MTV das Angebot, ein Jahr lang in Essen Filmstars filmisch zu begleiten und deutsche Produzenten zu beraten. Somit hat Wayne quasi die Anfänge des Reality-TV mitgestaltet. Nach der Zusammenarbeit mit MTV blieb Wayne jedoch in Deutschland und machte sich in Gelsenkirchen und Essen als Musikproduzent selbstständig. „Ich blieb aber nicht ausschließlich bei der Musik, sondern pendelte immer wieder zwischen ihr und dem Film, und damit zwischen Deutschland und den USA.“

Die Liste der Stars, mit denen Wayne als Tontechniker, Kameramann, Regisseur, Produzent oder auch selbst als Schauspieler am Set gearbeitet hatte, wurde immer länger: David Prowse, „Darth Vader“ aus Star Wars, Dan Aykroyd, bekannt durch „Blues Brothers“ und „Ghostbusters“, sowie Matthias Hues, der in Star Trek VI mitwirkte und inzwischen zu Waynes gutem Freund geworden ist. Es geht weiter mit deutschen Stars wie Radost Bokel, bekannt geworden mit „Momo“ oder mit Helge Schneider und seinem „Klimperclown“.

Wayne mit David Prowse. Foto: privat

Als Produzent „mit einem Bein im Grab“

2024 produzierte Wayne mit „The Last Kumite“ eine erfolgreiche Hommage an die Actionfilme der 80er und 90er Jahre. 12 Wochen lang lief der Film in Deutschland auf Platz eins und gehörte damit zu Top-48-Kinofilmen. Insgesamt erschien er in 100 Ländern und war in den USA, England und Spanien unter den zehn bestplatzierten Filmen zu finden.

„Natürlich freue ich mich riesig über den Erfolg“, verrät mir Wayne, und fährt fort: „Du darfst aber auch nicht vergessen, dass ich die Verantwortung für 87 Crewmitglieder am Set habe und wir drei Jahre lang gefilmt haben. Ich bin zu dieser Zeit oft bis zu 20 Stunden am Set anzutreffen. So wie die Darsteller, wollen die Crewmitglieder natürlich auch ihren Lohn bekommen. Das ist eine große Herausforderung, denn wir fangen finanziell bei null an und müssen mit dem Geld der Investoren, der Fangemeinde und mit dem Verkauf der Lizenzartikel hinkommen. Da müssen die Verträge schon wasserdicht sein.“ Wayne sieht mich an und lacht. „Als Produzent stehst du mit einem Bein im Grab.“ Vom Glamour Hollywoods ist wirklich nicht viel zu spüren, stelle ich fest.

Wayne Graves
Dan Aykroyd und Wayne Graves. Foto: privat

Eine verlorene Wette

„Nachdem ‚The Last Kumite‘ erschienen war, bekam ich einen Anruf von Nick McKinless, der die Cover der Harry-Potter-Buchreihe zeichnete. Er hat gegen mich gewettet, dass der Film ein Hit wird“, lacht Wayne. So kann man sich halt täuschen.

Ein Jahr später produzierte Wayne „Lion Fist“ mit bekannten Schauspielern wie Mathias Landwehr, bekannt aus „Lasko, die Faust Gottes“, Matthias Hues, der bereits bei Karate Tiger 2 mitgewirkt hatte, sowie Mike Möller, Stuntmann bei Matrix und Chuck Norris‘ Kampftrainer Richard Norton, der 2024 in „Black Creek“ mitspielte. Fans dieses Genres haben zu diesem Namen sicherlich sofort ein Gesicht und können daher auch verstehen, warum Wayne oft zu Filmpremieren eingeladen ist. Er kann den Hype um sich nicht nachvollziehen, aber dennoch nachempfinden, denn auch er hatte Stars, die er bewunderte.

„Running Games“ ist der nächste Film von Wayne Graves

Im kommenden Februar erscheint „Running Games“, sein weiterer Film des Kämpfergenres, jedoch gewürzt mit Humor und eingebettet in eine Liebesgeschichte. „Ich selbst habe dort neben den Darstellern und Stuntmännern aus Hollywood auch eine Rolle, aber natürlich nicht als Action-Double“, lacht Wayne.

Während Wayne in Hollywood auf dem roten Teppich steht, so ist der bodenständig gebliebene 60-Jährige in Dorsten eher als Produzent der „Off Broadway Players“ und diverser Filme mit Kindern beispielsweise zu Themen wie Flucht oder Mobbing bekannt.

Filmpremiere THE LAST KUMITE mit Kurt McKinney und Cirsten Piduhn. Foto: privat

„In den Geier verliebt“

Es gibt noch so viel mehr über Wayne zu erzählen. Angefangen von seinen ersten großen Projekten „Carmen“ und „Aida“ im Schalker Stadion, bis hin zu seinen Musicalproduktionen mit den „Off Broadway Players“, bei denen er seine Cirsten kennenlernte. „Ich habe mich damals in den zweiten Geier verliebt“, schmunzelt Wayne und erklärt daraufhin: „Beim zweiten Musical ‚Dschungelbuch‘ spielte Cirsten nämlich den Geier.“

Cirsten Piduhn sprang 2006 ersatzweise bei Wayne als Texterin des Peter-Pan-Musicals ein und blieb: als Texterin, als Regisseurin und kurz darauf auch als seine Lebensgefährtin. Auch ist ihr die Welt des Glamours als ehemalige PR-Assistentin beim Modelieferanten der britischen königlichen Familie nicht unbekannt. Aufgrund ihres Englischstudiums spricht Cirsten fließend Englisch und ist daher seine Dolmetscherin. Gemeinsam führen sie seitdem Regie bei ihren Musicalproduktionen. „Scrooge, das Musical zu Weihnachten“, wird in diesem Jahr leider nicht von den „Off Broadway Players“ aufgeführt.

Dafür konnten und können sich die Zuschauer im Dezember und Januar mit Cinderella in Weihnachtsstimmung bringen. „Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Familie, bei der häufig mehrere Generationen gemeinsam auf der Bühne stehen. Es ist ein tolles Hobby, aber reich werden wir damit nicht“, sind sich beide lächelnd einig.

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