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Frauenhaus Dorsten wird 40: Hilfe im Verborgenen

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Foto: Borgwardt

Das Frauenhaus Dorsten feiert am 8. März sein 40-jähriges Jubiläum. Weit über 5000 Frauen und Kindern hat es, oft unbeachtet von der Öffentlichkeit, zur Seite gestanden. Zum Jubiläum gibt es unter anderem eine Ausstellung.

„Dem rutscht schon mal die Hand aus“, „Meist ist es doch schön“, „Stell dich nicht so an“, „Du hast ihn bestimmt gereizt“ – solche oder ähnliche Sprüche mussten sich misshandelte Frauen schon vor 40 Jahren anhören. Wiederkehrende Schläge bis hin zu regelmäßen Prügeln, psychische Gewalt, Schreien und Drohen, und sogar die Vergewaltigung in der Ehe galten in den 70er und 80er Jahren noch immer als verzeihbare Ausrutscher oder sogar als ein Zeichen, dass der Mann in der Ehe das Sagen hatte. Damit wollten sich Londoner Frauen 1971 nicht mehr abfinden – und schufen die erste Zufluchtsstätte für andere Frauen in Not – der Urahn auch für das Frauenhaus Dorsten.

Studentinnen gründeten die ersten deutschen Frauenhäuser

In Westdeutschland waren es die Studentinnen, die Anfang der 70er Jahre die ersten Frauenhäuser gründeten. Unter dem Motto „Das Private ist politisch“ kritisierten sie die Männer der Studentenbewegung, die zwar öffentlich revolutionäre Reden schwingen würden, aber in Beziehungen alte Rollenmuster behalten wollten. Die Frauen organisierten sich abseits der Männer selbst, und neben Gesprächskreisen und Hilfsgruppen entstanden ab 1976 auch die ersten deutschen Frauenhäuser. Hier fanden von ihren Partnern bedrohte und misshandelte Frauen Schutz und Hilfe. Das Beispiel machte schnell Schule: 1983 rief der Verein „Frauen helfen Frauen“ in Dorsten dann das erste Frauenhaus im Kreis Recklinghausen ins Leben.

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Bescheidene Anfänge

„Der Verein hatte damals eine Wohnung angemietet mit nur vier Zimmern“, erklärt Barbara Klaus-Krämer. Zusammen mit Nadine Kötters, Lina Kania und Sabine Fortmann gehört sie zur „zweiten Generation“ im Dorstener Frauenhaus. Von den letzten aktiven Gründerinnen hatten sie noch erfahren, wie schnell sich das neue Frauenhaus füllte. Schon 1987 zog die Einrichtung in ein Haus mit sechs Zimmern um, das über 30 Jahre lang als Heimstätte des Vereins diente. Seit 2020 befindet sich das Frauenhaus in einer neuen schönen Immobilie mit einem großen Garten.

Dass sich die Einrichtung all die Jahre bewähren konnte, ist auch das Verdienst der Gründerinnen. „Sie haben sich vieles erkämpfen müssen“, betont Barbara Klaus-Krämer. Nach dem Tod der letzten Gründerin 2021 ist Klaus-Krämer mit rund 25 Jahren Mitgliedschaft die erfahrenste Frauenhaus-Mitarbeiterin. Sie kann sich gut an die Zeiten erinnern, wo noch ernsthaft im Bundestag darüber debattiert wurde, ob Vergewaltigung in der Ehe strafbar sein sollte. „Inzwischen hat sich zum Glück viel verändert“, sagt sie.

Nacht und Nebel

Dennoch gibt es leider immer noch viel zu tun. Noch immer müssen Frauen vor ihren Partnern fliehen, weil diese gewalttätig werden. Und sehr oft sind auch Kinder davon betroffen. Nicht selten müssen sie die Gewalttaten mit ansehen oder werden selbst zu direkten Opfern. Manche Frauen ertragen diese Misshandlungen jahrelang, aber irgendwann kommt der Punkt, wo sie nicht mehr können. Dann müssen die Frauen raus aus der Situation und dem Haushalt. Das kann zu jeder Uhrzeit passieren, und daher sind Nacht-und-Nebel-Einsätze den Mitarbeiterinnen des Frauenhaus Dorsten nicht fremd. „Unser Telefon ist rund um die Uhr besetzt. Jederzeit“, betont Nadine Kötters, die schon seit fünf Jahren dabei ist.

Ein sicherer Hafen für die Frauen

Im Frauenhaus werden die Ankommenden von einem geschulten Team empfangen. „Wir haben Sozialarbeiterinnen, Erzieherinnen und pädagogische Mitarbeiterinnen“, erklärt Sabine Fortmann, die seit zehn Jahren zum Team gehört. Die Frauen und Kinder können zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen. Die ruhige Umgebung und der schöne Garten machten vielen Bewohnerinnen neuen Mut, erzählen die Helferinnen. Von hier aus können die Frauen ihr neues Leben beginnen und haben Hilfe bei den vielen Hürden. „Das fängt leider schon oft bei der Sprache an“, berichtet Nadine Kötters. „Wir haben derzeit 30 Frauen aus zwölf Ländern, und zu Beginn ist die Kommunikation schwierig.“ Es sei aber oftmals erstaunlich, wie rasend schnell die Frauen Deutsch lernten, sobald sie den Kopf dafür frei haben und nicht ständig ums Überleben kämpfen müssten. Bei Amtsgeschäften, der Einschulung der Kinder oder der Suche nach Arbeit steht ihnen das Team immer helfend zur Seite.

Die Arbeit im Frauenhaus ist nicht leicht, aber die Mitglieder von „Frauen helfen Frauen“ sind mit Herzblut dabei. „Es ist für uns sehr erfüllend zu sehen, wie gut sich viele Frauen und Kinder entwickeln“, erklären die Helferinnen. Viele der Frauen ließen sich nach ihrer Zeit im Frauenhaus in Dorsten nieder und kämen wieder auf die Beine. Und besonders die Kinder bekämen endlich Gelegenheit, sich zu entwickeln und in der Schule Erfolge zu erzielen. „Das macht uns sehr stolz“, freut sich das Team.

Arbeit im Verborgenen

Die Arbeit im Frauenhaus Dorsten findet aus gutem Grund sehr diskret und an einem nicht öffentlich bekannten Ort statt. Nur zu gut können sich die Mitarbeiterinnen an die schreckliche Gewalttat vom Dezember 2008 erinnern, bei dem eine Einwohnerin von ihrem Ehemann aufgespürt und in der Dorstener Innenstadt ermordet worden war. „Das hat uns schwer getroffen“, erinnert sich Barbara Klaus-Krämer sichtlich bewegt. „Seitdem sind wir viel vorsichtiger geworden.“ Früher sei man etwa noch mit den Frauen in ihre alte Wohnung gefahren, um ihnen beim Packen zu helfen. Heute überließe man das der Polizei. Allerdings habe die moderne Technik es nicht unbedingt einfacher gemacht, den Aufenthaltsort der bedrängten Frauen geheim zu halten. „Wir müssen vieles beachten, um die Frauen und Kinder so gut wie möglich zu schützen“, berichten die Helferinnen.

Sabine Fortmann, Barbara Klaus-Krämer und Nadine Kötters (v.l.n.r.) Foto: Borgwardt

Zum Jubiläum tritt das Frauenhaus Dorsten an die Öffentlichkeit

Dass der Verein Frauen helfen Frauen und damit auch das Frauenhaus Dorsten nun doch den Schritt in die Öffentlichkeit wagt, haben sich die Helferinnen gut überlegt. „Wir möchten das öffentliche Bewusstsein dafür stärken, dass es uns gibt und dass wir helfen können“, erklären sie. Da sie keine Fotos von der Dorstener Einrichtung zeigen können, haben sie die Künstlerin Brigitte Kraemer eingeladen. Sie wird ihre Ausstellung „Auf der Schwelle – Leben im Frauenhaus“ präsentieren.

Ausstellung in der Vereinten Volksbank

Kraemer hatte verschiedene andere Frauenhäuser besucht und dort sehr eindrückliche und bewegende Fotografien geschaffen. Diese zeigen das Leben im Frauenhaus und auch viele Menschen, die hier leben und arbeiten. So wird eine eigentlich verschlossene Welt auch für Außenstehende zugänglich. Zwar sind keine Fotos aus Dorsten dabei, aber man bekommt ein gutes Bild davon, was die Arbeit im Frauenhaus bedeutet. Die Ausstellung ist vom 1. März bis zum 9. März in der Vereinten Volksbank am Südwall zu sehen.

Kontakt zum Frauenhaus

Wer den Kontakt zum Frauenhaus Dorsten sucht oder die ehrenamtliche Arbeit unterstützen möchte, findet weitere Informationen hier: www.frauenhaus-dorsten.de

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