Dorsten. Der Schädel brummt, der Magen grummelt und die Nacht war kurz. Viele Menschen haben nach einer durchzechten Nacht an Neujahr einen Kater.

Wir haben bei Ernährungsberaterin und Ökotrophologin Elisabeth Schmelting-Finke nachgefragt, was hilft.

Tipp 1: Nicht auf nüchternen Magen trinken – diese Regel ist bekannt. Aber was essen? Schmelting-Finke empfiehlt fetthaltigere Speisen, da diese länger im Magen bleiben und Alkohol langsamer ins Blut gelangt: Spiegelei mit Bratkartoffeln, Strammer Max, Eintopf, eine deftige Gulaschsuppe oder Pastagerichte.

Tipp 2: Während der Feier eignen sich salzige Snack wie Salzstangen, Chips und Nüsse. Ein Glas Wasser hilft, den Flüssigkeitsverlust zu regulieren und den Wasserhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Das beugt dem Kopfweh vor.

Tipp 3: Wein, dunkler Rum, Cognac und Whiskey enthalten Fuselalkohole. Das sind Begleitalkohole wie Methanol und Isobutanol. Oft werden sie mit verantwortlich gemacht für den Kater. Wenig Fuselalkohol ist in Wodka enthalten.

Gefahr des Durcheinandertrinkens: Je größer der Mix alkoholischer Getränke desto größer ist die Gefahr Fuselalkohole aufzunehmen. Daher besser bei einem oder zwei alkoholischen Getränken bleiben.

Tipp 4: Bei zuckerhaltigen, warmen alkoholischen Getränke wie Bowle oder Glühwein lauert Gefahr: Wird Acetaldehyd nicht richtig abgebaut entsteht ein Kater. Denn aus dem Ethanol wird Acetaldehyd, was selber ein Abbauprodukt des Alkohols ist. Kohlensäurehaltiger Alkohol wie Sekt geht schneller ins Blut. Durch den „frischen Geschmack“ besteht die Gefahr, schneller zu trinken. Und desto schneller ist auch die Wirkung zu spüren.

Tipp 5: Kurz vor dem Schlafengehen nochmal Wasser trinken, auch gerne noch was essen. Ein belegtes Brot zum Beispiel. Von Schmerztabletten rät die Ernährungsexpertin ab, da sonst Wechselwirkungen mit dem Alkohol eintreten können. Falls nötig: Die Schmerztablette erst am nächsten Morgen nehmen. Nur das wiederum kann ein empfindlicher Magen dem Körper „übel nehmen“. Das beste Rezept: Keinen Alkohol trinken.

Der nächste Morgen meldet sich mit einem Kater? Da hilft nur noch ausschlafen und viel stilles Wasser trinken. Vitamin B6, in Avocados und Bananen enthalten, mildert den Kater ab.

Bei einem Kater ist das Gleichgewicht der Mineralstoffe ist durcheinander geraten: Kalium, Natrium, Magnesium und Calcium wirbeln im Körper umher. Ein Katerfrühstück kann das ausgleichen: Leicht bekömmliche Speisen, fein gemahlenes Vollkornbrot oder Flocken, frisches Obst, etwas Deftiges wie Rollmops und saure Gurke helfen. Vor allem viel trinken. Tee, Wasser, Apfelschorle oder einen O-Saft.

Kaffeefreunde sollten bei Übelkeit keinen Kaffee trinken. Besser eignen sich ein Tomatensaft oder eine Gemüsebrühe. Bei Übelkeit hilft Ingwertee mit Zitrone, zur Beruhigung des Magens ein Kamillentee.

Eigener Forschungszweig: Was ihr über den Kater wissen solltet

Habt ihr es gewusst? Mittlerweile gibt es einen eigenen Forschungszweig, der sich dem Phänomen des Katers widmet: Die Crupologie. Das Wort kommt aus der medizinischen Fachsprache: „crapula“, heißt auf Latein „Rausch“.

Es ist eine Randwissenschaft, mit der Forscher herausfinden wollen, worin genau die Ursachen für einen Kater liegen. Noch hat die Humanmedizin der Crupologie nicht alles gänzlich geklärt.

So viel sei verraten: Bekannt ist, dass Alkohol dem Körper Wasser entzieht, wodurch die Ausschüttung des Hormons Vasopressin gehemmt wird.

Dieses steuert den Wasserhaushalt der Niere und hilft dem Körper so, nicht auszutrocknen. Eine zu geringe Ausschüttung des Hormons sorgt dafür, dass die Niere Wasser ausscheidet.

Ein verstärkter Harndrang und der ständige Gang zum Klo sind die Folge. Hinzu kommt ein Mineralstoffmangel, da der Körper Nährstoffe von Natrium, Kalzium und Kalium bis hin zu Magnesium durch den Alkohol nicht mehr richtig aufnehmen kann.

Die wichtigen Stoffe werden dem Körper entzogen. Zudem ist Methanol in jedem alkoholischen Getränk enthalten. Es fließt direkt in die Nervenbahnen und beeinträchtigt sie.

Das erklärt, warum Betrunkene oftmals keine Koordination mehr haben. Und auch, warum ihr Reaktionsvermögen eingeschränkt ist.

Da der Organismus nicht richtig versorgt wird, sendet er Warnsignale an den Körper und teilt ihm mit, dass er unterversorgt ist, was sich durch die Symptome beim Kater äußert.

Woher kommt der Begriff?
Das Wort „Kater“ geht aus den Zeiten Goethes hervor. Trinkgelage benutzten das Wort „Kotzen-Jammer“, was später in Katzenjammer/Kater umgetauft wurde.

Das Wort soll vom griechischen Wort „Ka-tarrh“ abstammen, der medizinischen Bezeichnung für Schleimhautentzündungen.

Allerdings hat der Kater in diesem Fall weniger mit einer Entzündung zutun. Vielmehr mit zu viel Alkoholkonsum.

Elisabeth Schmelting-Finke

Elisabeth Schmelting-Finke weiß, was gegen den Kater hilft. Ihr Diplom hat die als Ökotrophologin 1988 an der FH-Münster abgeschlossen und sich 2001 selbstständig gemacht. Sie ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), dem Berufsverband Oecotrophologie und dem Deutschen Allergie-und Asthmabund (DAAB). Weitere Infos zur Person gibt‘s unter: https://ernaehrungsberatung-borken.de

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Marie-Therese Gewert
Hallo, ich bin Marie. Schon während meines Studiums in Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule schlug mein Herz für die Geschichten der Menschen. Als freie Mitarbeiterin war ich während meines Studiums stets für die WAZ Dorsten unterwegs. Danach zog es mich nach Kassel zum Volontariat bei der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen, kurz HNA. Im Dezember 2017 wurde ich in einer Kommunikationsagentur in Düsseldorf tätig. Im Mai 2018 entschied ich mich für die Selbstständigkeit. Seither arbeite ich für verschiedene Auftraggeber, journalistisch und beratend. Ich schreibe für dorsten-online.de, weil die Plattform von Menschen aus der Heimat für Menschen aus der Heimat gemacht wird. Ich freue mich, Sie mit Beiträgen und Informationen aus der Region versorgen zu dürfen. Anregungen, Fragen und Hinweise nehme ich gerne entgegen. Marie-Therese Gewert

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