StartGeschichteGedenken an die Novemberpogrome: Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft

Gedenken an die Novemberpogrome: Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft

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Dr. Kathrin Pieren und Bürgermeister Tobias Stockhoff beim Gedenken. Foto: Alexander Fichtner

Am Sonntagmorgen versammelten sich zahlreiche Menschen im Jüdischen Museum, um an die Opfer der Novemberpogrome von 1938 zu erinnern. Dr. Kathrin Pieren, die Leiterin des Museums, eröffnete die Veranstaltung mit einer eindrücklichen Rede, die nicht nur die Erinnerung an die Ereignisse vor 85 Jahren wachhielt, sondern auch die Bedeutung einer aktiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit betonte.

Dr. Pieren ging zunächst darauf ein, warum es heute noch von Bedeutung ist, sich in Gedenken zu versammeln. „Vielleicht haben Sie sich heute Morgen gefragt, was es bringt, wenn wir uns hier in einer kleinen Gruppe zum Gedenken treffen“, begann sie. Angesichts zunehmender antidemokratischer Tendenzen in vielen Teilen der Welt sei es wichtiger denn je, die Vergangenheit nicht zu vergessen. Sie zitierte den israelischen Autor und Friedensaktivisten David Grossmann, der darauf hinwies, dass wir uns nicht von einer Welt verändern lassen sollten, die Werte der Menschlichkeit missachtet. Die Lektion aus dieser Aussage sei klar: Nur durch das Erinnern an das Geschehene können wir verhindern, dass die Werte, für die wir stehen, ausgehöhlt werden.

Dr. Pieren schilderte die brutalen Ereignisse. Foto: Alexander Fichtner

Die Gräueltaten der Novemberpogrome

Dr. Pieren schilderte die brutalen Ereignisse der Novemberpogrome von 1938. Die gewaltsamen Angriffe auf jüdische Wohnungen, Geschäfte und Synagogen sowie die Verhaftung und Misshandlung jüdischer Männer zeigten die unfassbare Gewalt, die damals gegenüber der jüdischen Bevölkerung entfesselt wurde. Auch die Folgen für die jüdische Presse erwähnte sie: Viele Zeitungen mussten ihren Betrieb einstellen, so auch die „Jüdische Rundschau“, die Juden in Deutschland zuvor Orientierung und Unterstützung geboten hatte.

Dr. Pieren bei ihrer Ansprache im Garten des Jüdischen Museums. Foto: Alexander Fichtner

Gedenken als Mahnung und Verpflichtung

In ihrer Rede rief Dr. Pieren dazu auf, sich nicht nur an die Ereignisse von damals zu erinnern, sondern aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus in der heutigen Zeit Stellung zu beziehen. „Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Menschen als weniger als menschlich behandelt werden“, betonte sie und erinnerte an die Grundwerte des deutschen Grundgesetzes. Der Appell „Jeder und jede ist jemand“ stand als Mahnung, dass jeder Mensch mit Respekt und Würde behandelt werden muss. Dr. Pieren forderte die Anwesenden auf, sich gegen diskriminierende Äußerungen, Graffiti oder Witze zu wehren und damit ein Zeichen für Menschlichkeit zu setzen.

Zahlreiche Besucher gedenken der Prognome. Foto: Alexander Fichtner

Mahnung zur Menschlichkeit

Zum Abschluss sprach Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff. Der das Engagement all jener hervor, die sich täglich für die Werte des Grundgesetzes und die Menschenwürde einsetzen. Der Kranz, den die Anwesenden nach der Rede niederlegten, symbolisierte nicht nur das Gedenken an die Opfer der NS-Verfolgung. Sondern ist er zugleich ein Aufruf an die Gesellschaft, die Lehren aus der Geschichte zu bewahren. Sich aktiv für eine respektvolle, friedliche und gerechte Gesellschaft einzusetzen.

Stilles Gedenken. Foto: Alexander Fichtner

Musikalisch-literarische Vertiefung: „Zerbrechlich und Wortgewaltig“

Caroline Vongries und Josefin Rabehl. Foto: Alexander Fichtner

Im Anschluss an das Gedenken der Novemberpogrome ging das Programm musikalisch und literarisch weiter, aber nicht weniger nachdenklich. Es begann im Jüdischen Museum die Veranstaltung „Zerbrechlich und Wortgewaltig oder: Nachrichten aus dem Nirgendland“. Die Journalistin und Autorin Caroline Vongries präsentierte Gedichte von bedeutenden deutsch-jüdischen Dichterinnen wie Mascha Kaléko, Nelly Sachs und Rose Ausländer. Ihre Worte, die von Trauer, Hoffnung und Stärke zeugen, fesselten das Publikum und luden zum Nachdenken ein. Begleitet wurde die Lesung von Josefin Rabehl, die mit Gitarrenspiel und Gesang die literarischen Texte eindrucksvoll vertiefte. Dabei spielte sie auch eigene Stücke. Die einfühlsamen Lieder schufen eine tiefgründige und nachdenkliche Atmosphäre.

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Die vorgelesenen Gedichte der jüdischen Autorinnen standen im Dialog mit Werken arabischer und persischer Dichterinnen. Die Dichterinnen die eine zentrale Rolle in der aktuellen Frauenbewegung im Iran spielen.

Josefin Rabehl spielt zur Lesung von Caroline Vongries. Foto: Alexander Fichtner

Diese Lesung war eine gemeinsame Veranstaltung des Jüdischen Museums Westfalen, der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Stadt Dorsten. Dies ermöglichte es den Anwesenden, ohne Eintritt tiefer in die Schicksale und Geschichten der jüdischen und persischen Frauen einzutauchen. Wie im Jahr zuvor ist das Gedenken eine wichtige Vernstaltung für Demokratie in Dorsten und auch ganz Deutschland.

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