Punkt 10.10 Uhr erfüllte am Sonntagmorgen das Glockenläuten der St. Matthäus Kirche Wulfen. Es war ein Moment, der viele Besucher spürbar bewegte. Genau zu dieser Zeit hatten vor 81 Jahren alliierte Bomber Wulfen angegriffen. Das Gedenken an die Opfer der Bombardierung war in diesem Jahr besonders gut besucht. Die große Resonanz dürfte auch mit der gegenwärtigen weltpolitischen Lage zusammenhängen.
Die Gedenkveranstaltung war in diesem Jahr bewusst breiter angelegt. Das Organisationskomitee um Max Schürmann hatte das Programm erweitert, um historische Erinnerung nicht nur sachlich zu vermitteln, sondern auch emotional erfahrbar zu machen. Neben wiederkehrenden Beteiligten wie der Gesamtschule und der Montessori Schule wirkte auch der Kirchenchor Cantus St. Matthäus mit.

Schürmann führte durch die Veranstaltung und verband die einzelnen Programmpunkte zu einem würdigen und zugleich nachdenklichen Gedenken. Die Beiträge aus Schulen, Musik und historischer Erinnerung verliehen dem Vormittag eine vielschichtige Form.
Das Glockenläuten als eindringliches Signal
Ein zentrales Element des Gedenkens war das Läuten der Glocken um 10.10 Uhr. Es sollte die Situation des Angriffs vor 81 Jahren nachfühlbar machen und den historischen Zeitpunkt in das Bewusstsein der heutigen Besucher rücken. So wurde aus einem symbolischen Akt ein stiller Moment der Mahnung.

Gerade in seiner Schlichtheit entfaltete das Glockenläuten eine besondere Wirkung. Es machte deutlich, dass Erinnerung nicht nur aus Worten besteht, sondern auch aus gemeinsam erlebten Zeichen.
Die Geschichte von Henriette Schwaak berührt
Besonders eindringlich wurde das Gedenken durch die Geschichte von Henriette Schwaak. Sie überlebte den Bombenangriff im Keller eines Nachbarhaus, während das eigne Haus zerstört wurde. Diese persönliche Geschichte verlieh den historischen Ereignissen ein menschliches Gesicht.

Sie zeigte, wie willkürlich Zerstörung und Überleben im Krieg oft nebeneinanderstehen. Aus der abstrakten Zahl der Opfer wurde so das Schicksal eines einzelnen Menschen, das vielen Zuhörern naheging.
Bürgermeister Stockhoff würdigt das Engagement
Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff zeigte sich beeindruckt von der großen Teilnahme und der generationsübergreifenden Anteilnahme. Er sagte: „Ja, ich bin beeindruckt, wie viele Menschen, egal ob jung oder alt, sich hier für das Erinnern, für die Zukunft einsetzen in Wulfen. Die damit auch deutlich machen, dass kein Opfer vergessen ist, kein Opfer von Krieg, Terror und Gewalt und gleichzeitig deutlich machen, dass wir uns in Dorsten für den Frieden in unserer Stadt und in der Welt einsetzen.“

Seine Worte unterstrichen die Botschaft der Veranstaltung: Das Gedenken an die Vergangenheit ist immer auch ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft.
Filmvorführung im Matthäusheim vertieft die Erinnerung
Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung wurde ab 11 Uhr im Matthäusheim der Film „Kriegsende in Dorsten – Zeitzeugen erzählen“ von Sabine Bornemann gezeigt. Der Film entstand 2018 gemeinsam mit Schülern des Ursulinen Gymnasiums und war bereits im Vorjahr als besonders eindrucksvoll wahrgenommen worden.

Die Vorführung bildete das Kernstück der weiteren historischen Einordnung. Im Anschluss waren Gespräche und Wortbeiträge vorgesehen, um die Inhalte gemeinsam zu reflektieren und den Austausch zu vertiefen.
Erinnerung als Auftrag zum Frieden
Das diesjährige Gedenken in Wulfen verband historische Rückschau, persönliche Zeugnisse und gemeinschaftliches Erinnern auf eindrucksvolle Weise. Gerade in einer Zeit, in der Kriege und Gewalt wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken, erhielt die Veranstaltung eine besondere Aktualität.
Sie machte deutlich, dass Erinnerung weit mehr ist als ein Blick zurück. Sie ist Mahnung, Verantwortung und ein gemeinsames Bekenntnis zum Frieden.




























