Gerade in der Coronakrise fühlen sich Kinder und Jugendliche mit ihren Interessen oft nicht gehört. Dabei können sie gerade in Dorsten politisch viel bewirken – im Jugendgremium. Gerade werden wieder Kandidaten gesucht.
Rund 5000 Jugendliche leben in den Dorstener Gemeinden. Gegenüber den Älteren mag ihre Zahl überschaubar klingen, aber auch sie haben oft Ideen oder Wünsche, die sie einbringen möchten. Genau dafür gibt es in Dorsten das Jugendgremium „Jugend in Aktion“.
„Wie eine SV für ganz Dorsten“
„Man kann sich das wie eine SV für ganz Dorsten vorstellen“, erklärt Charlotte Brozio. Die 16 Jahre junge Wulfenerin engagiert sich seit drei Jahren für das Jugendgremium. Genau wie eine Schülervertretung die Stimme der Schülerinnen und Schüler an einer Lehranstalt sei, so stehe das Jugendgremium für die Interessen der Jugendlichen in der Stadt ein. „Auf Bundesebene kann man als Einzelne oft nicht so viel bewirken“, betont Brozio, „aber hier in Dorsten hat man beim Gremium wirklich das Gefühl, etwas tun zu können und gehört zu werden.“

„Gremium wird sehr ernst genommen“
„Das Jugendgremium gibt es bereits seit 2010“, erklärt der Leiter des Jugendamtes, Stefan Breuer. „Es wird in die politische Ausschussarbeit mit einbezogen und auch von allen Parteien sehr ernst genommen.“ Eden Fähnrich, Leiterin der Abteilung Jugendförderung, pflichtet bei: „Das Gremium gibt der Stimme der Jugendlichen ein großes Gewicht bei allen Vorhaben, die junge Menschen betreffen. Viele Teilnehmer engagieren sich auch nach ihrer aktiven Zeit noch politisch.“
Moderne Ansprache
Dabei spricht das Gremium die Kinder und Jugendlichen direkt an. „Die sozialen Medien sind dabei nicht erst seit Corona ein ganz wichtiges Instrument“, betont Tim Skowronek von der Dorstener Jugendförderung. So sei man etwa auf Instagram stark vertreten und bemühe sich um eine moderne Ansprache, um möglichst viele junge Menschen in ihrer Lebenswelt zu erreichen.

Mitmachen erwünscht – Kandidaten gesucht
Wer in Dorsten lebt und zwischen 13 und 20 Jahren alt ist, kann sich für das Jugendgremium bewerben. Zu den zehn „alten“ Mitgliedern sollen nach den bald anstehenden Wahlen 15 neue junge Menschen in das Gremium einziehen. Wer sich für die politische Arbeit in seiner Heimatstadt interessiert, kann sich in einem einfachen Bewerbungsformular (hier der Link) kurz vorstellen. Dabei wird zum Beispiel nach Alter, Stadtteil oder Schule gefragt – aber auch nach der Motivation und einer kurzen persönlichen Beschreibung. Noch bis zum 11. Februar ist die Kandidatur möglich.
Die Wahlunterlagen werden an alle rund 5000 Jugendlichen in Dorsten versandt. Vom 21. bis 25. Februar können sie dann ihre Wunschkandidaten auswählen. Die Wahlbriefe werden dann in den Schulen und Jugendeinrichtungen angenommen. Am 4. März werden dann die Wahlscheine ausgewertet und die neuen Gremiumsmitglieder wenige Tage später bekannt gegeben.
Das erwartet die neuen Gremiumsmitglieder
Nach der erfolgreichen Wahl lernen die neuen Mitglieder das Gremium erst einmal kennen. „Als ich mit 13 gewählt wurde, war ich erst einmal etwas nervös“, erinnert sich Charlotte Brozio. „Aber mir wurden absolut keine Steine in den Weg gelegt, im Gegenteil. Ich wurde auch von den älteren Mitgliedern sofort ernst genommen und einbezogen“. Schließlich sei es wichtig, dass man sich als ein Team begreife. „Daher muss auch Spaß dabei sein.“
Die Schule leide unter der zusätzlichen Arbeit nicht, versichert die Wulfenerin. „Oft stecke ich viel Zeit in die Gremiumsarbeit, weil sie mir Spaß macht. In Klausurphasen hingegen ist das deutlich weniger, da konzentriere ich mich auf die Schule.“
„Feste Treffen sind etwa vier bis sechs Mal im Jahr“, erklärt auch Eden Fähnrich. „Dazu gibt es einmal im Quartal eine Sitzung und die Aktionen in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen.“ Dafür können die Mitglieder dann auch viel erleben: So berät man sich etwa mit dem Bürgermeister, nimmt Einfluss auf die Innenstadtgestaltung beim Projekt „Wir machen Mitte“, fühlt Politikern beim „Kandidatengrillen“ auf den Zahn oder betreue einen Stand beim Weltkindertag. Der Austausch beim städteübergreifenden Jugendparlament oder Besuche von Jugendlichen aus den Partnerstädten gehört – je nach Coronalage – auch dazu.
„Ich bin froh, dass ich dabei bin“, freut sich Charlotte Brozio. „Es lohnt sich.“





























