Kindergeschichte: Sami, der Schmetterlings-Opa, erzählt  

Illustration: Claudia Esser 

Da bist du ja wieder. Dich habe ich ja schon gaaanz lange nicht mehr gesehen. Schön, dass du nun die Geschichte über Louis‘ Freund Sami hören möchtest. 

Erinnerst du dich noch an Sami? Das ist der Schmetterlings-Opa mit den grauen Fühlern und den vielen, vielen Falten in seinen Flügeln. Und mit der lustigen Brille. Die ist ihm immer noch vieeeel zu groß und rutscht ihm ständig von seiner kleinen Nase. Er zeigte der lustigen Libelle Luis den Weg zurück zu seinem Teich, als dieser sich verflogen hatte.  

Heute haben sich Samis Enkelkinder bei ihm getroffen, denn sie möchten zum dreihunderteinundvierzigsten Mal die Geschichte hören, wie Oma und Opa sich zum ersten Mal gesehen haben. Das finden sie immer noch ganz, ganz spannend, obwohl sie die Geschichte ja schon auswendig kennen.  
Bevor Sami anfangen kann, trocknet er erst einmal drei weinenden Faltern, die hingefallen sind, die Tränen, er putzt zwei kleine Schniefnasen sauber und schlichtet noch schnell einen Streit. Als er dann nach langer Suche das Schmusetuch seiner jüngsten Enkelin gefunden hat, kann er endlich anfangen zu erzählen. Er räuspert sich noch einmal und schaut in die gespannten Gesichter seiner kleinen Zuhörer. Doch wieeeeder kann er nicht beginnen. Ein kleiner Falter muss noch eben ganz schnell auf die Toilette. Aber dann sitzen alle kleinen Schmetterlinge endlich mit ordentlich zusammengelegten Flügeln auf dem Boden und sehen ihren Opa mit großen Augen an.  
Und Sami beginnt zu erzählen. 

Dass ich früher eine Raupe war, daran erinnere ich mich nicht mehr. Das hat mir mein Opa aber so erzählt. Ich weiß aber noch, dass ich mich riiiichtig doll angestrengt habe, um aus meiner engen Hülle raus zu schlüpfen. Ich sah nun ganz anders aus. Nur noch mein Bauch sah noch aus wie die Raupe, die ich vorher war. Und ich hatte jetzt richtig groooße Flügel.  

Ab da flog ich nur noch durch die Gegend, denn Fliegen macht sooooooo einen großen Spaß. Eines Tages landete ich auf einer sonnengelben Blume. Sie roch so süß und ich hatte Hunger, aber ich wusste nicht, wie ich satt werden sollte. Als Raupe fraß ich ja ständig Blätter, aber hier lockte duftender Blütensaft. Ich probierte, ob ich meinen Rüssel ein wenig bewegen konnte und zack rollte er sich auf. Huch war das lustig. Und wie das kitzelte, als ich den Blütennektar auf meinem Rüssel spürte. Das war sooo lecker. Hier wollte ich nieeee wieder weg. 

Doch dann fiel ich fast von der Blüte. Ein fremder Schmetterling landete neben mir. Er konnte aber wohl noch nicht richtig bremsen und landete mit seinem Kopf direkt an meinem Bauch. Erst wollte ich ihn ausschimpfen, aber dann sah ich, dass der Falter eine hübsche Schmetterlingsdame war, die nach Luft schnappte. „Ent …Ent …puh … Entschuldigung“, japste sie völlig außer Atem. „Das ist heute mein erster Flug und ich übe noch. Ich wusste nicht, dass das Fliegen so anstrengend ist.“ 

„Geht es dir gut?“, fragte ich und die junge Dame nickte. „Ich musste jetzt dringend eine Pause machen“, antwortete sie mir, „und diese Blume lag genau vor mir. Darum bin ich hier gelandet.“  

Ich sah sie mir genauer an. Sie war nicht nur hübsch, sie war wunderschön und hieß Seta. Seitdem versuchte ich jeden Tag sie zu treffen. Der hübsche Schmetterling war natürlich eure Ooooma. Sie verliebte sich auch in mich und wir beschlossen für immer Freunde zu bleiben. 
 

Du möchtest wissen, wie die kleinen Falter auf die Welt gekommen sind? Beim nächsten Mal erzähle ich dir die Geschichte weiter. 

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Hallo, ich bin Martina Jansen. Meine Heimat ist das Monatsmagazin „Lokallust“, aber da wir mit den „Heimatmedien“ eng zusammenarbeiten, richte ich mich seit einiger Zeit nun auch hier als freie Mitarbeiterin häuslich ein. Als nicht gelernte Redakteurin schreibe ich aus dem Bauch heraus und lasse dabei unbewusst, gerne aber auch ganz bewusst, redaktionelle Regeln aus. Soll heißen: Ich schreibe so, dass ich auch verstanden werde. Gerne treffe ich mich mit Menschen aus Dorsten, Schermbeck oder Raesfeld, die ein verrücktes Hobby haben, ehrenamtlich tätig sind oder einfach „gut drauf“ sind, also mit Menschen wie du und ich und bin jedes Mal darauf gespannt, welche Geschichte am Ende dabei herauskommt.