Die Polizei Recklinghausen hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2021 veröffentlicht. Neben vielen positiven Entwicklungen gibt es leider auch schlechte Neuigkeiten. Besonders Sexualstraftaten, Gewalt gegen Kinder und Internetkriminalität haben zugenommen. In Dorsten gab es leider einen Anstieg der Fallzahlen.
Polizeipräsidentin Frederike Zurhausen stellte am Montag (21. Februar) die aktuelle Auswertung vor. Dabei gab es gute und schlechte Nachrichten. „Weniger Raubstraftaten, weniger Diebstähle, weniger Wohnungseinbrüche und weniger Gewaltstraftaten im letzten Jahr – das sind gute Nachrichten für die Bürgerinnen und Bürger. Auch die Straßenkriminalität ist weiter zurückgegangen und befindet sich auf dem tiefsten Stand der vergangenen 18 Jahre“, erklärte Zurhausen.
Die negativen Seiten seien dafür umso erschreckender, so die Polizeipräsidentin. So sei ein „deutlicher Anstieg bei den Sexualdelikten und ein Anstieg bei den polizeilich bekannt gewordenen Fällen von Kindesmissbrauch“ registriert worden. „Eine hohe Aufklärungsquote von 82% zeigt, dass hier erfolgreich gearbeitet wurde“, betont Zurhausen. Ein weiterhin großes Dunkelfeld zeige aber auch, dass noch sehr viel Arbeit investiert werden müsse, „um das Leid der betroffenen Kinder zu beenden. Deshalb werden wir auch in diesem Jahr hier einen Schwerpunkt unserer Arbeit setzen.“
Die Entwicklung in Dorsten
In Dorsten kam es leider zu einem deutlichen Anstieg der Gesamtkriminalität: Im Vergleich zu 2020 wurden 573 Fälle mehr registriert. Jeder zweite Fall wurde aufgeklärt.
Gewaltkriminalität gibt es in Dorsten eher weniger, und die Fälle werden meist auch gelöst. Es gab allerdings drei Tötungsdelikte, von denen zwei Versuche blieben. Zwei Fälle konnten aufgeklärt werden. Ebenfalls rückläufig sind die Zahlen bei Raub, Körperverletzung und Straßenkriminalität.
Leider kam es 2021 aber auch in Dorsten zu mehr Sexualdelikten, die aber in rund neun von zehn Fällen aufgeklärt werden konnten. Auch die Zahl der Diebstähle ist deutlich gestiegen. Zudem wurden mehr Einbrüche registriert, allerdings ist die Gesamtzahl im Vergleich der letzten zehn Jahre immer noch eher niedrig.

Die Kriminalitätsfelder des Kreis RE im Einzelnen
Mord und Totschlag
Es kam zu insgesamt 17 Straftaten gegen das Leben, bei acht davon blieb es beim Versuch. Bislang konnten 12 Taten aufgeklärt werden. Im Vorjahr 2020 hatte es noch 31 Tötungsdelikte gegeben, davon 18 Versuche.
Sexualdelikte
Leider sind die Fallzahlen bei den Sexualdelikten deutlich gestiegen. Im Bereich Kinderpornografie deckten Ermittelnde besonders viele Fälle auf. Hier erreichte die Polizei die zweithöchste Aufklärungsquote der vergangenen zehn Jahre.
Raub
Die Fallzahlen bei der Raubkriminalität sind weiter gesunken und nun auf dem niedrigsten Stand der vergangenen 14 Jahre. Mehr als jeder zweite Raub konnte aufgeklärt werden.
Körperverletzung
Die Fallzahlen bei der Körperverletzung sind ebenfalls gesunken und auf dem tiefsten Stand der vergangenen zehn Jahre.
Sonstige Gewaltdelikte
Auch insgesamt sind Gewaltverbrechen (Mord, Totschlag, Geiselnahme etc.) rückläufig und werden besser aufgeklärt. Hier erreichte die Polizei die höchste Aufklärungsquote seit 18 Jahren.
Diebstahl
Auch Diebe haben es derzeit schwer. So meldet die Polizei einen deutlichen Rückgang bei Diebstahlsdelikten. Mit fast 1000 Taten weniger als im Vorjahr erreichen die Fallzahlen den tiefsten Stand der vergangenen 32 Jahre. Auch die Anzahl der Taschendiebstähle ist gesunken und auf dem zweitniedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Allerdings werden Taschendiebstähle nur selten aufgeklärt.
Einbruch
Die Anzahl der Einbruchsdelikte ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 211 Fälle gesunken. Auch bei den Einbrüchen in Wohnungen gab es 45 Fälle weniger, was dem niedrigsten Wert seit 33 Jahren entspricht. Dank besserer Sicherungen blieb jeder zweite Einbruch bereits im Versuch stecken. Auch die Aufklärungsquote ist etwas gestiegen. Allerdings sind im Bereich der Wohnungseinbrüche vor allem überörtlich agierende Banden aktiv, deren Taten schwierig aufzuklären sind.
Betrug
Die Betrugsdelikte haben deutlich zugenommen. Die Polizei verzeichnete 2021 rund 2000 Fälle mehr als im Jahr davor. Darunter hat auch die Aufklärungsquote gelitten, die im Vergleich zum Jahr 2020 schwächer ausfiel.
Gewalt gegen Vollstreckungsbeamte
Weiterhin ein großes Problem sind Gewalttaten gegen Polizeibeamte, Sanitäter und Feuerwehrleute, auch wenn die Delikte etwas weniger geworden sind.
Cyberkriminalität
Während der Pandemie kommt es zu immer mehr Straftaten über das Internet. Immerhin konnte rund die Hälfte der Fälle aufgeklärt werden.
Straßenkriminalität
Im Bereich der Straßenkriminalität (z.B. Fahrraddiebstahl, Exhibitionismus, Autoeinbruch etc.) verzeichnete die Polizei rund 570 Fälle weniger als im Vorjahr. Das ist der tiefste Stand seit 18 Jahren.

Tatverdächtige sind meist Männer
Die ermittelten Tatverdächtigen im Jahr 2021 waren zu etwa drei Vierteln männlich, nur ein Viertel entfiel auf Frauen. Der Anteil der Jugendlichen unter 21 Jahren betrug dabei knapp 19 Prozent – erfreulicherweise der niedrigste Wert seit 2004. Jugendliche zwischen 14 und 17 bilden rund 8 Prozent aller Tatverdächtigen. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ist etwas gesunken und liegt bei rund 28 Prozent.
Gefühlte und tatsächliche Sicherheit
Bei der Veröffentlichung der Kriminalstatistik gehe es um die Darstellung der objektiven Sicherheit, stellte Polizeipräsidentin Frederike Zurhausen heraus. „Mir ist bewusst, dass die Bürgerinnen und Bürger in den Städten oft ein anderes Sicherheitsempfinden haben“, räumte sie ein. „Deshalb ist für mich, neben der Bekämpfung der Kriminalität, auch die polizeiliche Präsenz auf den Straßen ein wichtiges Anliegen.“




























