StartNRWLagebild Clankriminalität NRW 2022 Minister Reul setzt auf Null-Toleranz-Grenze

Lagebild Clankriminalität NRW 2022 Minister Reul setzt auf Null-Toleranz-Grenze

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Foto: NRW

Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA NRW) veröffentlichte das Lagebild Clankriminalität für das Jahr 2022. Dies zeigt eine deutliche Zunahme von Straftaten und Tatverdächtigen mit Clanbezug. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 6.573 clanbezogene Straftaten erfasst – ein Anstieg von 20,3 Prozent im Vergleich zu 2021.

Innenminister Herbert Reul kommentierte: „Clankriminalität lässt sich nicht wegreden […] Unseren Dauerlauf im Kampf gegen Clankriminelle setzen wir fort, die Kondition dafür haben wir.“

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Zunahme bei bestimmten Straftatenarten

Von den erfassten Straftaten waren 30,9 Prozent Rohheitsdelikte, darunter Raub, Bedrohung und Körperverletzung. Auch Straftaten gegen die persönliche Freiheit, wie Freiheitsberaubung, stiegen an. Delikte dieser Art nahm um 32,8 Prozent zu. Des Weiteren waren 14,9 Prozent Vermögens- und Vermögensdelikte, während 14,6 Prozent Diebstähle ausmachten, die um 78,4 Prozent anstiegen.

Profil der Tatverdächtigen

Im Jahr 2022 wurden 4.035 Tatverdächtige mit Clanbezug registriert, was einen Anstieg von 11,2 Prozent gegenüber 2021 bedeutet. Die Mehrheit der Tatverdächtigen war männlich und zwischen 26 und 30 Jahren alt. Über die Hälfte hatte die deutsche Staatsangehörigkeit, während erhebliche Anteile die syrische oder libanesische Staatsangehörigkeit aufwiesen. 672 (16,7 Prozent) der Tatverdächtigen wiesen die syrische Staatsangehörigkeit auf, 550 (13,6 Prozent) Tatverdächtige die libanesische.

Polizeiaktionen und Razzien

Im Laufe des Jahres 2022 führte die nordrhein-westfälische Polizei 615 Razzien durch und kontrollierte dabei über 1.570 Objekte. 220 Shisha-Bars, 60 Restaurants, 30 Spielhallen und 90 Wettbüros. Hiervon wurden 23,2 Prozent von den Behörden unmittelbar geschlossen. Die meisten im Zusammenhang mit Clankriminalität registrierten Straftaten traten im Ruhrgebiet, insbesondere in Essen, Recklinghausen und Gelsenkirchen, auf.

Tumult und Auseinandersetzungen

Besorgniserregende Tumulte wurden auch im Berichtsjahr gemeldet. Ein besonderes Ereignis fand in Essen-Altendorf statt, wo rund 200 Personen, hauptsächlich Angehörige zweier türkisch-arabischer Großfamilien, in einer gewalttätigen Auseinandersetzung gerieten.

Innenminister Herbert Reul betonte erneut die Notwendigkeit staatlicher Autorität: „Das Gewaltmonopol des Staates ist nicht verhandelbar.“

Sicherheitskooperation Ruhr (SiKo-Ruhr) und ihre Erfolge

Die Arbeit der SiKo-Ruhr im Jahr 2022 hat sich als effektiv erwiesen, insbesondere durch behördenübergreifende Vernetzung und Informationsaustausch. Ein bemerkenswerter Ermittlungserfolg betraf die Identifizierung von sieben Tatverdächtigen, die hochwertige Markenstaubsauger im Wert von rund 600.000 Euro gestohlen und weiterverkauft hatten. Die Polizei leitete elf Ermittlungsverfahren gegen 28 Verdächtige ein. Insgesamt ist die Anzahl derartiger Tumultlagen in Nordrhein-Westfalen von 179 im Jahr 2017 auf 37 im Jahr 2022 zurückgegangen.

Polizeiaktionen und regionale Schwerpunkte

Die nordrhein-westfälische Polizei intensivierte 2022 ihre Bemühungen mit 615 Razzien und kontrollierten dabei über 1.570 Objekte. Von diesen wurden 23,2 Prozent sofort geschlossen. Es konnten sieben türkischarabischstämmige Tatverdächtige aus dem Clan-Milieu aus dem Raum Essen, Aachen und Bremen ermittelt werden.

2018 veröffentlichte das LKA NRW erstmalig ein Lagebild Clankriminalität und erstellt dieses seitdem jährlich. Die Lagedarstellung basiert auf den erfassten Straftaten der Polizei, die von Tatverdächtigen mit einem von den Ermittlungsbehörden als clanrelevant definierten Familiennamen begangen wurden. Im Lagebild 2022 werden ausschließlich kriminelle Angehörige türkisch-arabischer Großfamilien erfasst, sofern Bezüge zum Libanon oder zur Bevölkerungsgruppe der Mhallamiye vorliegen.

Betrachtung von Clanstrukturen und Zukunftsausblick

Das LKA NRW arbeitet daran, das Phänomen der Clankriminalität genauer zu definieren und zu erfassen. Dazu gehört auch die Überprüfung, ob andere Clanstrukturen in das Lagebild aufgenommen werden sollten.

Innenminister Reul schloss mit den Worten: „Wer das Phänomen erfolgreich bekämpfen will, muss dranbleiben und Neuerungen im Blick behalten. Und genau das machen wir – ganz sicher auch im nächsten Jahr.“

Mhallamiye

In Deutschland werden sie als libanesische Kurden oder Mhallamiye-Kurden, Mitglieder bestimmter Familien auch als „arabische Familienclans“ bezeichnet.

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