Am heutigen Sonntagabend zeigte sich in der Gnadenkirche Wulfen, wie tragfähig Live Musik sein kann, wenn Qualität und Nähe zusammenkommen. Trotz winterlichen Wetters war der Kirchenraum bis auf den letzten Platz gefüllt beim Konzert der Lazy Lizzards.
Allein dieser Anblick wirkte wie eine Ansage: Dorsten war bereit, sich auch am Wochenendeausklang auf ein Konzert einzulassen, das nicht auf Lautstärke, sondern auf musikalische Substanz setzte. Der Eintritt war frei, um eine Spende wurde gebeten und die Atmosphäre hatte etwas Gemeinsames, fast Feierliches, ohne steif zu werden.
Die Jazz Kombo Lazy Lizzards spielte populären Jazz aus verschiedenen Epochen und baute daraus ein Programm, das ständig die Perspektive wechselte, ohne beliebig zu wirken. Swingklassiker wie „Satin Doll“ und „Mackie Messer“ gaben dem Abend jenen federnden Grundton, der sofort vertraut klang. Mit „Respect Yourself“ aus den siebziger Jahren rückte die Band in eine modernere, soulige Richtung. Und wenn ein Popsong wie „Big Bad Handsome Man“ auftauchte, wurde deutlich, dass hier nicht Genregrenzen verteidigt, sondern gute Songs in ein Jazz Gewand übersetzt wurden.

Dazwischen lagen Bluesklassiker, die den Raum verdichteten, Tempo herausnahmen und dem Konzert jene Wärme gaben, die man besonders an kalten Abenden zu schätzen wusste.
Klang im Kirchenraum

Gerade die Gnadenkirche erwies sich als starker Resonanzraum für die Lazy Lizzards. Die Akustik trug Melodien weit, ließ Stimmen und Soli leuchten und machte Nuancen hörbar, die in anderen Locations leicht untergehen. Das Publikum reagierte entsprechend konzentriert, hörte zu, blieb bei den leisen Stellen da und ließ sich bei den schwungvollen Nummern mitziehen. Es war ein Abend, an dem man spürte, wie sehr Live Musik von Aufmerksamkeit lebt, und wie sehr Aufmerksamkeit wiederum durch gute Musik entsteht.

Die Lazy Lizzards als eingespieltes Gefüge
Die Lazy Lizzards wirkten als Ensemble geschlossen und zugleich spielfreudig. Karola F. führte mit einer wandlungsfähigen Stimme durch die Stile, mal clubnah und rauchig im Ton, mal klar und erzählerisch. Dieter Wilms gab an Gitarre und mit Vocals den Rahmen, setzte markante Akzente und ließ in Soli seine Blues Herkunft aufblitzen. Helmut Schafhausen hielt am Schlagzeug den Groove stabil und brachte jene Energie, die die Stücke antreibt, ohne sie zu überrollen. Eckhard Cramer verankerte am Bass das Fundament, auf dem sich die Nummern sicher bewegen konnten. Judith Dunisch sorgte am Saxophon für Farbe und Druck, Gregor Lelgemann an den Keyboards für harmonische Tiefe und Übersicht.

Ein gutes Zeichen für Dorsten
Am Ende blieb vor allem der Eindruck, dass dieser Abend mehr war als ein gelungenes Konzert der Lazy Lizzards. Es war gut und schön zu sehen, dass sich Dorsten an einem Sonntagabend eine so qualitativ hochwertige Band musikalisch angenommen hatte. Selbst unter winterlichen Bedingungen. Die volle Kirche zeigte nicht nur Interesse, sondern auch Vertrauen. Der Weg lohnt, wenn auf der Bühne mit Können, Haltung und Freude gespielt wird.





























