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Lebensfest im artpark: Abschied, Aufbruch und die Kathedrale der Namenlosen

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Gedenken an Bernd Caspar Dietrich an der Kathedrale der Namenlosen. Foto: Alexander Fichtner

Das Sommerfestival im artpark Hoher Berg wurde nach dem Tod seines Mitbegründers Bernd Caspar Dietrich zu einem bewegenden Lebensfest. Freunde, Kunstschaffende und Weggefährten nahmen Abschied und machten zugleich deutlich: Seine Vision wird weiterleben.

Langsam setzte sich die Gruppe in Bewegung. Künstlerinnen und Künstler, Freunde, Weggefährten und Besucher gingen gemeinsam über das Gelände des artparks Hoher Berg. Ihr Ziel war die Kathedrale der Namenlosen, jene große Installation, deren Gerüst sich inzwischen sichtbar in den Himmel erhebt.

Die Prozession war Trauerzug und Lebensbejahung zugleich. Sie führte an einen Ort, auf den Bernd Caspar Dietrich noch in seinen letzten Tagen geblickt hatte. Sein Krankenbett war so ausgerichtet worden, dass er die entstehende Kathedrale sehen konnte. Erst als das Gerüst stand und für ihn erkennbar wurde, dass seine Vision Wirklichkeit werden würde, habe er sich verabschiedet, berichteten seine engsten Vertrauten.

In diesem Moment verdichtete sich die Bedeutung des Sommerfestivals. Aus einem Fest der Kunst war ein Lebensfest geworden. Eines, das den Tod nicht verschwieg, ihm aber die Kraft gemeinsamer Erinnerung entgegensetzte.

Ein Fest zwischen Alpha und Omega

Vom 16. bis 21. Juni 2026 hatte der artpark zu Film, Kunst, Musik, Workshops und Begegnungen eingeladen. Bernd Caspar Dietrich hatte das Programm noch gemeinsam mit seiner Frau Hella Sinnhuber vorbereitet. Am 2. Juni starb der Künstler, Ausstellungsmacher und Mitbegründer des artparks im Alter von 68 Jahren. Das Festival fand dennoch statt. Nicht trotz seines Todes, sondern auch als Zeichen seines Wirkens.

Fotos von Bernd Caspar Dietrich waren im gesamten Artpark zu finden. Foto: Alexander Fichtner

„Es soll ein Lebensfest werden“, hatte Hella Sinnhuber angekündigt. Am vergangenen Wochenende wurde dieser Gedanke spürbar. Das Fest markierte ein Ende und zugleich einen Anfang. Alpha und Omega. Abschied von einem Menschen, der diesen Ort geprägt hatte, und Aufbruch in eine Zukunft, in der seine Ideen weitergetragen werden sollen.

Kunst, Natur, Musik und Gespräch verbanden sich dabei zu jener offenen Form der Begegnung, die Dietrich gemeinsam mit Hella Sinnhuber über Jahre entwickelt hatte.

Persönliche Erinnerungen an Bernd Caspar Dietrich

Besonders still wurde es, als Hella Sinnhuber und die Filmemacherin Fitore Muzaqi über Bernd Caspar Dietrich sprachen. Muzaqi ist die Regisseurin der Dokumentation „Hella&Bernd“, mit der das Festival eröffnet worden war. Zwischen ihr und dem Künstlerpaar war während der Arbeit an dem Film eine enge, beinahe familiäre Freundschaft entstanden.

Fitore Muzaqi und Hella Sinnhuber. Foto: Alexander Fichtner

Als Dietrichs Zustand sich verschlechterte, reiste Muzaqi aus Cannes zurück, um seine letzten Tage am Palliativbett mitzuerleben. Ihre Erinnerungen zeichneten das Bild eines Menschen, der selbst angesichts der schweren Erkrankung nicht aufgeben oder klagen wollte.

„Niemals sich beklagen“, sei seine Haltung gewesen. Im Krankenhaus habe er vor allem einen Wunsch geäußert: Er wollte nach Hause. Zu seiner Hella und in den artpark.

Dieser Ort war für ihn dazu nicht nur Arbeitsstätte oder Ausstellungsfläche. Er war Lebensraum, Denkraum und gesellschaftliches Experiment. Hier sollten Menschen einander begegnen, unabhängig von Herkunft, Status oder künstlerischer Disziplin. Hier durfte Widerspruch entstehen. Hier sollte Kultur frei sein.

Die Kathedrale als letzte große Vision

Die Kathedrale der Namenlosen erhielt während des Lebensfestes eine besondere Symbolkraft. Das noch offene Gerüst steht nicht für ein abgeschlossenes Denkmal. Es wirkt vielmehr wie ein Versprechen, das sich erst nach und nach erfüllt.

Kathedrale der Namenlosen. Foto: Alexander Fichtner

Dietrich erlebte noch, dass mit der Realisierung begonnen wurde. Von seinem Bett aus konnte er verfolgen, wie die Konstruktion Gestalt annahm. Für seine Freunde und Weggefährten war dies mehr als ein baulicher Fortschritt. Es war die sichtbare Gewissheit, dass sein Denken über den Tod hinaus Bestand haben würde.

Die gemeinsame Prozession zur Kathedrale wurde so zum emotionalen Mittelpunkt des Festes. Niemand musste zwischen Trauer und Freude wählen. Beides durfte nebeneinanderstehen. Das Gedenken an Bernd Caspar Dietrich blieb präsent, während Musik erklang, Menschen miteinander sprachen und das Leben gefeiert wurde.

„Schermbeck verliert einen internationalen Kulturbotschafter“

Auch Schermbecks Bürgermeister Mike Rexforth nahm am Lebensfest teil. Er würdigte dementsprechend Dietrich als Künstler, Netzwerker und kulturellen Impulsgeber weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

„Schermbeck verliert einen internationalen Kulturbotschafter“, sagte Rexforth.

Während des Konzertes von Mrs. Pope. Schermbecks Bürgermeister Mike Rexforth mit Hella Sinnhuber. Foto: Alexander Fichtner

Zugleich richtete er dazu seinen Dank an Hella Sinnhuber, die den artpark und die gemeinsame Vision nun weiterführt. Bernd Caspar Dietrich und Hella Sinnhuber hätten einen Ort der Kunst, der Kultur und des Austausches geschaffen, der auch in Zukunft erhalten bleiben solle.

Mit dieser Würdigung wurde deutlich, welche Bedeutung der artpark inzwischen für die Region besitzt. Das Gelände am Hohen Berg ist kein gewöhnlicher Ausstellungsort. Es ist ein Kulturlabor, ein Treffpunkt und ein Raum, in dem Kunst unmittelbar erlebt und mitgestaltet werden kann.

Ein Netzwerker, der Menschen Mut machte

Zu den Gästen gehörte ebenfalls auch Denis Dougban vom Kreativzentrum Art.62 in Herten. Dietrich habe ihm immer wieder Mut gemacht und seinem Projekt neuen Lebenssinn gegeben, berichtete Dougban.

„Dass ich heute hier bin, ist das Mindeste. Bernd hätte es so gewollt“, sagte er.

Dietrich sei ein Mensch gewesen, der Netzwerke miteinander und nicht gegeneinander aufgebaut habe. Genau das habe den Austausch mit ihm so wertvoll gemacht.

„Das hat ihn menschlich bereichert und mich ebenfalls“, erklärte Dougban.

Seine Worte beschrieben eine Seite Dietrichs, die während des gesamten Wochenendes immer wieder zur Sprache kam. Er war nicht nur ein Künstler mit einer unverwechselbaren Materialästhetik. Er war auch genauso ein Ermöglicher. Einer, der Verbindungen herstellte, Ideen ernst nahm und anderen das Gefühl vermittelte, mit ihrer Arbeit nicht allein zu sein.

Kunst als Erinnerung und Verwandlung

Das Programm des Sommerfestivals spiegelte diese Offenheit wider. Die Dokumentation „Hella&Bernd“ eröffnete die Festwoche mit einem persönlichen Blick auf zwei miteinander verbundene Künstlerleben. Führungen durch das Kulturlabor und Workshops luden dazu ein, den artpark als Ort des Experiments kennenzulernen.

Bei der Ausstellung „Momente & Metamorphosen“ wurden Arbeiten von David Eicher, Karl Banski, Luca Bonfanti, Bernd Caspar Dietrich, Hella Sinnhuber und den Kegelrobben gezeigt. Der Titel wirkte im Zusammenhang mit Dietrichs Tod beinahe programmatisch. Momente blieben in Bildern, Materialien und Erinnerungen bewahrt. Zugleich hatte sich der Ort unwiderruflich verwandelt.

Dietrichs eigene Arbeiten kreisen um Sand, Beton, Gold, Licht und Oberfläche. In seinen Wheels, seinen kreisförmigen Bildräumen, verdichtete er persönliche Geschichten und gesellschaftliche Konflikte. Serien wie „BetonGold“ oder „Die Urbanisten“ verbanden folgerichtig ästhetische Erfahrung mit Fragen nach Macht, Verstädterung, Krieg und gesellschaftlicher Verantwortung.

Beim Lebensfest waren diese Themen nicht nur in den Werken gegenwärtig. Sie lebten auch in den Gesprächen und Begegnungen weiter.

Musik, Nähe und ein offener Raum

Zahlreiche Musikerinnen, Musiker und Kunstschaffende machten den Samstag zu einem persönlichen Fest. Nach Klang Qi Gong mit Anne Suchalla und Lu Brincks öffnete sich die Bühne für unterschiedliche musikalische und künstlerische Beiträge.

Chris Seidler und Carlos, Heike Gebhardt und Simon Schmucker, Anna Spohr und Remco Hooijkaas, Mrs. Pope, Zwakkelmann und Vicky Stachowiak, Christoph Clöser, Tycho Schottellius, Kikikustik sowie Thomas Machoczek und Freunde gestalteten das Programm.

Es war dazu kein distanziertes Gedenkkonzert. Viele Beiträge dabei wirkten unmittelbar und persönlich. Sie trugen jene Menschlichkeit und jenes Gefühl in sich, die Bernd Caspar Dietrich wichtig gewesen waren.

Mit Soul, Jazz und Blues von Practise Once klang das Festival am Sonntag aus. Doch ein eigentlicher Schlusspunkt war es nicht.

Die Vision wird weitergebaut

„Demokratie braucht Kultur und Kultur braucht Anarchie“, lautet dabei ein zentraler Gedanke des artparks. Er beschreibt Dietrichs Verständnis von Kunst als notwendige Unruhe innerhalb der Gesellschaft. Kunst sollte nicht bloß schmücken. Sie sollte Fragen stellen, verbinden, irritieren und neue Räume öffnen.

Hella Sinnhuber an der Kathedrale der Namenlosen. Foto: Alexander Fichtner

Nach seinem Tod liegt es nun an den Menschen, die ihm verbunden waren, genauso diese Haltung weiterzutragen. Allen voran Hella Sinnhuber, mit der er den artpark aufgebaut, gestaltet und immer wieder neu gedacht hat.

Das Lebensfest zeigte, dass die Grundlage dafür vorhanden ist. In den Künstlern, die kamen. In den Freunden, die Erinnerungen teilten. In den Besuchern, die sich dazu gemeinsam auf den Weg zur Kathedrale der Namenlosen machten.

Der artpark hat einen seiner beiden prägenden Menschen verloren. Doch er hat nicht seine Richtung verloren.

Die Kathedrale wächst weiter. Die Kunst bleibt. Und aus dem Ende entsteht ein neuer Anfang.

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