StartFreizeitKulturLukas Passion in St Barbara: Ein nordisches Klangritual in Wulfen Barkenberg

Lukas Passion in St Barbara: Ein nordisches Klangritual in Wulfen Barkenberg

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Die Lukas Passion in der St Barbara Kirche. Foto: Alexander Fichtner

Um 17 Uhr begann in der Barbara Kirche in Wulfen Barkenberg ein Konzert, das für Dorsten eine rare Erfahrung war: die Lukas Passion von Rolf Martinsson. Statt vertrauter Passionsbahnen entfaltete sich ein zeitgenössischer Abend von großer Intensität, zugleich ergreifend und überraschend neu, mit einer düsteren, fast mystischen Grundfarbe, die wie selbstverständlich zur nordischen Herkunft des Komponisten passte.

Rolf Martinssons Lukas Passion nimmt den Passionsstoff nach dem Evangelisten Lukas auf, erzählt ihn jedoch nicht im Gewand historischer Stilkopien. Die Musik sucht den existenziellen Kern. Sie arbeitet mit Kontrasten, mit kühlen Verdichtungen und plötzlichen Aufhellungen, mit scharf gezeichneten Linien und großen Klangflächen. So entsteht eine Passion, die weniger inszeniert als beschwört und die im Kirchenraum eine eigene Gegenwart gewinnt.

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Pfarrer Jan-Philipp Hellmers eröffnet den Chor Abend. Foto: Alexander Fichtner

Solistisches Zentrum: Sopran und Bariton als dramatische Achse

Besondere Stimmung in der Kirche. Foto: Alexander Fichtner

Besonders eindrücklich war Theresa Klose bei der Lukas Passion. Ihr Sopran füllte den Raum mühelos und blieb dabei beweglich und präzise. Die Stimme wirkte ergreifend, weil sie nicht nur laut tragen konnte, sondern auch in den ruhigeren Momenten eine konzentrierte Spannung hielt, als würde sie den Atem des gesamten Raumes bündeln.

Foto: Alexander Fichtner

Harald Martini stellte dem eine geerdete Baritonlinie entgegen. Sein Klang gab der Lukas Passion Gewicht, führte durch dramatische Passagen und verband sich mit dem Sopran zu einem Dialog, der die emotionale Architektur des Werkes sichtbar machte: oben Licht und Dringlichkeit, darunter Wärme, Widerstand und Haltung.

Die Spannung lag im gesamten Raum. Foto: Alexander Fichtner

Chöre, Lektorat und Instrumente: Der Raum wird zur Bühne

Die vokale Kraft kam aus mehreren Richtungen. Mitwirkende waren die evangelische Kantorei Hervest Wulfen, der Kirchenchor St Barbara sowie ein Projektchor. Die Leitung lag bei Stephan Hillnhütter und Lukas Czarnuch, die Chor und Ensemble zu einer geschlossenen, dabei lebendigen Gesamtform führten.

Theresa Klose beim Solo. Foto: Alexander Fichtner

Die Textteile der Lukas Passion wurden von Beate Borgmann, Jutta Pawellek und Franz Hermann Lürken als LektorInnen getragen und schufen die Brücke zwischen Erzählung und Musik. Instrumental wirkten mit Svenja Kips an der Flöte, Petra Straeten an der Oboe, Aiki Mori am Cello, Gunnar Polansky am Kontrabass und Friedhelm Schmahl am Schlagwerk. An der Orgel gestalteten Thomas Harnath und Felicia Meyerratken den tragenden Untergrund und die farbigen Schichtungen, die in dieser Passion so wesentlich sind.

Theresa Klose und Harald Martini Foto: Alexander Fichtner

Die Lukas Passion erfrischend neuer Ton für Dorsten

Am Ende blieb das Gefühl, etwas Ungewohntes und gerade deshalb Notwendiges erlebt zu haben. Martinssons Lukas Passion führte Dorsten nicht in die Komfortzone, sondern in einen Klangraum voller Schatten, Klarheit und leiser Bedrohung, zugleich von großer Schönheit. Ein Konzert, das berührte und nachhallte, weil es sich dem schnellen Trost verweigerte und stattdessen Tiefe zuließ.

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