StartStadtteileAltstadtStele von Tisa von der Schulenburg am Geschwister Scholl Platz eingeweit

Stele von Tisa von der Schulenburg am Geschwister Scholl Platz eingeweit

Veröffentlicht am

Lambert Lütkenhorst Bundestagsabgeordneter Nicklas Kappe, Landrat Bodo Klimpel,Bürgermeister Tobias Stockhoff, Gastredner Hermann Vinke, Oberin Sr. Benedicta Kimmeyer, Vorsitzender der Tisa Stiftung Lambert Lütkenhorst, Ehrenratsmitglieder mit der Stadt Dorsten, Dr. Josef Ulfkotte und Technischer Beigeordneter Holger Lohse. Foto: Alexander Fichtner

Ein Kunstwerk, das lange an einer Schule an das Rückgrat des Widerstands erinnerte, bekommt nun einen Ort mitten im Herzen der Stadt. Die Dorstener Ehrenbürgerin, Künstlerin, Ordensschwester und Zeitzeugin Tisa von der Schulenburg, die im Ursulinenkonvent als Schwester Paula lebte, schuf in ihrem umfangreichen Werk eine Stele zur Erinnerung an die Widerstandsgruppe Weiße Rose. Früher stand sie an der Geschwister Scholl Schule, zunächst am alten Standort am Nonnenkamp, zuletzt auch an der Marler Straße. Mit der Benennung des Geschwister Scholl Platzes findet die Stele nun am Treffpunkt Altstadt eine neue Heimat.

Am Sonntag, 22. Februar 2026, wurde das Mahnmal dort um 13 Uhr feierlich eingeweiht. Aufgrund des anhaltenden Regens fand die Eröffnung im Treffpunkt Altstadt statt. Der Termin ist bewusst gewählt, denn der 22. Februar ist ein Datum von besonderer Wucht: Am 22. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl in München hingerichtet. Ihr Vergehen aus Sicht der Diktatur war Zivilcourage. Sie gehörten zur Weißen Rose und verteilten Flugblätter gegen das nationalsozialistische Regime. 83 Jahre später setzt Dorsten mit der Einweihung ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen.

Anzeige
Anzeige zum Freizeitspezial 2026 auf Dorsten-Online
Der Vorsitzende der Tisa Stiftung, Lambert Lütkenhorst, eröffnet den Nachmittag. Foto: Alexander Fichtner

Eine Künstlerin, die Haltung in Formen fasste

Tisa von der Schulenburg lebte seit 1950 bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 als Schwester Paula im Dorstener Ursulinenkonvent. Ihr künstlerisches Werk gilt als Ausdruck von Kreativität und kritischem Geist. Dass ausgerechnet eine Ordensschwester eine Stele für die Weiße Rose schuf, wirkt dabei weniger wie ein Gegensatz als wie eine folgerichtige Entscheidung: Kunst als Gewissen der Stadt, Spiritualität als Stütze der Verantwortung, Erinnerung als Auftrag an die Gegenwart.

Mit dem Umzug in die Altstadt gewinnt die Stele eine neue Öffentlichkeit. Wo früher vor allem der Schulalltag den Rahmen setzte, wird künftig der städtische Raum selbst zur Bühne der Erinnerung. Ein Platz, der den Namen der Geschwister Scholl trägt, ist damit nicht nur Adresse, sondern Aussage.

Programm der Feierstunde

Musikalische Untermalung vom Duo Corretto. Foto: Alexander Fichtner

Die Einweihung war als Festveranstaltung mit Wort und Musik gestaltet. Der Ablauf:

  • Musikalische Einleitung: Duo Corretto
  • Begrüßung und Moderation: Lambert Lütkenhorst
  • Gastredner: Hermann Vinke
    Die Weiße Rose, Herausforderungen an die Gegenwart
  • Grußworte:
    Tobias Stockhoff, Bürgermeister
    Sr. Benedicta Kimmeyer OSU, Ursulinenkloster
  • Musikalisches Zwischenspiel: Duo Corretto
  • Einweihung der Stele
Autor und Journalist Hermann Vinke bei seiner Rede. Foto: Alexander Fichtner

Im Mittelpunkt steht die Rede von Hermann Vinke, der den Blick von der Geschichte in die Gegenwart lenkt. Der Untertitel des Vortrags, Herausforderungen an die Gegenwart, macht deutlich, worum es an diesem Nachmittag nicht nur geht: um die Frage, was aus Erinnerung folgt, wenn sie mehr sein will als Ritual.

Hermann Vinke im Treffpunkt Altstadt. Foto: Alexander Fichtner

Rundgang auf den Spuren der Schwester Paula

Sr. Benedicta Kimmeyer bei der Einweihung der Stele. Foto: Alexander Fichtner

Im Anschluss an die Einweihung wurde die Erinnerung noch einmal einen anderen Ton anschlagen: persönlicher, stadtnäher, entlang von Wegen und Fassaden. Die Gästeführerin Petra Eißing bietet einen Rundgang durch die Altstadt an, bei dem sich Spuren der Künstlerin Tisa von der Schulenburg entdecken lassen. Damit verbindet sich das Mahnmal mit dem Stadtbild, und die Biografie der Künstlerin mit konkreten Orten, an denen Dorsten sie bis heute sehen kann.

Bürgermeister Tobias Stockhoff bedankt sich persönlich bei Hermann Vinke. Foto: Alexander Fichtner

Ein Platz, der Verantwortung trägt

Die Ehrenratsmitglieder. Foto: Alexander Fichtner

Die Verlegung der Stele ist mehr als eine Standortentscheidung. Es ist eine Verschiebung von Erinnerung aus einem schulischen Kontext in die Mitte des öffentlichen Lebens. Wer künftig am Geschwister Scholl Platz vorbeikommt, begegnet nicht nur einem Kunstwerk, sondern einer Frage, die Hans und Sophie Scholl mit ihrem Leben beantwortet haben: Was ist ein Mensch bereit zu tun, wenn Unrecht zur Normalität wird.

Besucher beim Betrachten der Stele. Foto: Alexander Fichtner

Dorsten gibt darauf am 22. Februar eine eigene Antwort. Mit Musik, mit Worten, mit einem Werk, das bleibt. Und mit einem Platz, der seinen Namen ernst nimmt.

Die neue Geschichtstafel am Geschwister Scholl Platz findet erstes Interesse. Foto: Alexander Fichtner

Neuer WhatsApp-Kanal

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal unter https://bit.ly/dorstenonline für aktuelle Infos. Wir bieten lokale Nachrichten, Event-Infos, Polizeimeldungen und mehr.

NEUSTE ARTIKEL

Rot-gelber Jubel in Dorsten: Spanische Fans feiern den WM-Titel

Es wurde gezittert, mitgefiebert und schließlich ausgelassen gefeiert: Die spanischen Fans in Dorsten haben das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft gemeinsam verfolgt. Nach Spaniens 1:0-Erfolg gegen Titelverteidiger...

Premiere gelungen: Kunst trifft Oldtimer bei „Coffee in Sunday“ in der Kaue auf Leopold

Zum ersten Mal verband die Veranstaltungsreihe „Coffee in Sunday“ in der Kaue auf Leopold eine Kunstausstellung mit einem Oldtimertreffen. Die Premiere erwies sich als voller...

Vorparade stimmt auf das Schützenfest Rhade 2026 ein

Eine Woche vor dem Schützenfest Rhade 2026 ist der Ort bereits in Feststimmung: Am Sonntagnachmittag trat der Bürgerschützenverein zur traditionellen Vorparade an. Zahlreiche Zuschauer verfolgten...

Dorstener TC Jüntgen ist Deutscher Meister der Herren 30

Der Dorstener TC Jüntgen hat am Sonntag, 19. Juli 2026, den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte gefeiert. Die Herren 30 sicherten sich vor heimischem Publikum den...

Klick mich!