Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt oft besonders gut. Andererseits gibt es im Supermarkt meist eine größere Auswahl. Mit dem innovativen Konzept „Marktgarten“ versucht ein Dorstener Bauernhof nun, beide Vorzüge miteinander zu verbinden – und das ganz ökologisch.
Was wäre, wenn man jeden Tag frisches Gemüse auf den Tisch bekäme, das direkt aus der Nachbarschaft stammt? Dann könnte man sich lange Transportwege sparen und wüsste genau, woher sein Essen stammt. Diese Idee hat Schultes Hof in Rhade aufgegriffen und nun in einem neuen Konzept namens „Fairbeet“ in die Tat umgesetzt.
Marktgarten ist international erprobt
„In vielen Ländern kennt man das Prinzip als Market Gardening“, erklärt Landwirt Heiner Schulte. In seiner Zeit bei einer Genossenschaft konnte er dieses Konzept an vielen Orten in der Welt kennenlernen. So studierte er umweltfreundliche Anbaumethoden etwa in Chile, den Vereinigten Staaten, Argentinien oder der Ukraine. Einer der großen Vorteile sind die kurzen Transportwege und die direkte Vermarktung. Die Ernte aus dem Marktgarten muss nicht über viele Kilometer mit spritfressenden Lastwagen verbracht werden, sondern kann einfach vor Ort an den Verbraucher gelangen.

Doch die größten Vorteile ergeben sich durch die besondere Anbauweise. Auf den ersten Blick erinnern die Felder nämlich eher an zu groß geratene Hobbygärten, als an konventionelle Agrarflächen. Schmale Pfade zwischen den Pflanzreihen verraten, dass hier nicht mit mächtigen Maschinen, sondern mit Handwerkzeugen gearbeitet wird. „Wir können hier tatsächlich alle Arbeiten von Hand erledigen“, erklärt Heiner Schulte. Dabei ersetzen ungewöhnliche Werkzeuge wie etwa die Grelinette, eine Art mehrzinkige Grabegabel mit zwei langen Schäften, den Maschineneinsatz.

Durch den Verzicht auf Maschinen können die Pflanzen enger gesetzt werden, was auch Wasser einspart und den Flächenverbrauch in Grenzen hält. Und auch der Düngeaufwand ist geringer, wobei hier ohnehin nur Kompost und natürlicher Kalk zum Einsatz kommen sollen.
Ausgeklügelter Pflanzplan mit 60 Sorten
Doch auch ohne Motorkraft ist der Anbau alles andere als primitiv. Um während der gesamten Ackersaison eine möglichst optimale Bepflanzung zu erzielen, ist ein ausgeklügelter Plan nötig. Dafür hat sich der Hof Schulte vergangenes Jahr mit Anne Hülsen eine erfahrene Landwirtin ins Boot geholt. „Wir planen rund 60 verschiedene Kulturen, um 20 Wochen lang eine abwechslungsreiche Ernte zu erhalten“, erläutert Hülsen und zeigt einen hochkomplexen Pflanzplan. Hier finden sich Gemüseklassiker wie Zucchini oder Salat, aber auch historische Sorten wie etwa Pastinaken, Schwarzwurzeln oder seltene Hülsenfrüchte.

Die Artenvielfalt bringt einen weiteren Vorteil mit sich: Durch den Verzicht auf Monokulturen sind Schädlinge kein großes Problem. „Wir wollen auf Pestizide verzichten und natürliche Methoden benutzen“, so Anne Hülsen. Das sei nicht nur gesünder für den Boden, sondern auch für das Gemüse und am Ende für die Menschen, die die Ackerfrüchte verzehren.
Die gesunde und ökologische Anbauweise ist Heiner Schulte sehr wichtig. Schon 2016 hat er zusammen mit seiner Frau Andrea den Schritt vom konventionellen Landwirtschaftsbetrieb zum Biobauernhof gewagt. Und für die Zukunft ist auch bereits gesorgt: Sohn Theo wuselt mit seinen fünf Jahren auch schon kräftig mit über das Feld.
Gemüse-Abo sorgt für engen Kontakt
Der Rhader Bauernhof ist so überzeugt von dem Konzept, dass er schon jetzt eine Art Gemüse-Abo anbietet. Die Idee: Mit dem Beginn der Erntezeit im Sommer erhält jeder Kunde einmal in der Woche eine gut gefüllte Kiste mit verschiedenen Salaten, Kräutern und Gemüse. Dazu gibt es regelmäßig Rezeptideen.
Dadurch, dass die Kunden jede Woche zum Hof kommen und sich die Kiste wieder neu füllen lassen, entsteht ein naher Kontakt zu den Menschen. Die Landwirte bekommen so stetige Rückmeldung über die Qualität ihrer Lebensmittel, und die Kunden können sich vor Ort ansehen, wie ihr Gemüse produziert wird. „Und wer gerne einmal selbst im Marktgarten zur Hand gehen oder etwas ernten möchte, ist dazu auch herzlich eingeladen“, betont Landwirt Heiner Schulte.

Marktgarten als Konzept für die Zukunft
Das Team vom Hof Schulte ist überzeugt, dass der kleinteilige Gemüseanbau ein Zukunftsmodell ist. Und es sei bewährt: Im 19. Jahrhundert haben solche Anlagen sogar eine Großstadt wie Paris mit frischen Lebensmitteln versorgen können. „Unser Hof wurde 1493 erstmals urkundlich erwähnt“, erklärt Heiner Schulte. „Von diesen vielen hundert Jahren wurde er nur eine kurze Zeit so bewirtschaftet, was man heute konventionelle Landwirtschaft nennt. Jetzt gehen wir einfach nur einen Schritt zurück“, lächelt er. Und vielleicht ist das ja genau der richtige Schritt in die Zukunft.




























