Moskauer Circus: Klares Statement gegen den Krieg

In der kommenden Woche kommt seit langer Zeit wieder ein Großzirkus nach Dorsten. Der Name Moskauer Circus hat dabei viele Bürger irritiert. Putins Krieg unterstützen die Artisten allerdings nicht – ganz im Gegenteil.

Seit über zwanzig Jahren trägt der Moskauer Circus seinen Namen. Er soll für große Zirkuskunst stehen, für osteuropäische Artistik, für herausragendes Talent aus den wichtigsten Zirkusschulen des Ostens. Einst verzauberte hier der große Clown Oleg Popow das Publikum. Doch jetzt ist der Name zu einer schweren Bürde geworden.

Der Krieg ist jeden Tag Thema

„Bei uns ist dieser schreckliche Krieg jeden Tag Thema“, erklärt Zirkusdirektor Gino Frank. Seine Frau Leyla Mak entstammt einer russisch-ukrainischen Zirkusdynastie mit Wurzeln in Moskau und Kiew. „Wir machen uns riesige Sorgen. Meine Schwiegermutter lebt immer noch in Kiew“, berichtet Frank. Auch viele seiner Artisten stammen aus der Ukraine und bangen um ihre Verwandten. „Wir haben Familie in der Ostukraine“, erzählt der Zirkusdirektor. „Da, wo es jetzt gerade ganz besonders schlimm wird.“

Der deutsch-ukrainische Artist Oleksandr Mak muss bei seiner Arbeit hochkonzentriert sein – das ist wegen des Krieges derzeit nicht einfacher geworden. Foto: Moskauer Circus

Nach zwei Jahren Zwangspause wegen Corona wollte die Zirkusfamilie jetzt eigentlich wieder richtig durchstarten. Die Verträge für 70 Künstler aus elf Nationen waren unterzeichnet, der Zirkus freute sich auf einen Neustart. „Und dann kam dieser fürchterliche Krieg von Putin“, sagt Gino Frank mit bitterer Stimme. Die Musiker seines Orchesters, alles Ukrainer, wurden an der Grenze aufgehalten und durften nicht ausreisen. „Sie hatten alle ein Visum, aber das hat nichts genützt“, so Frank.

„Wir stehen für gute Kunst, und nicht für den Krieg!“

Zirkusdirektor Gino Frank

Wie krass der Unterschied zwischen der Manege und der Weltbühne ist, kann man an der deutsch-russisch-ukrainischen Zirkusfamilie gut sehen. „Im Zirkus hält man zusammen, egal woher man kommt. Wir haben Menschen aus elf Nationen, die alle zusammenarbeiten“, erklärt der Zirkusdirektor Gino Frank. Man merkt, wie erschüttert und angewidert er von Putins verbrecherischem Feldzug ist. „Wir stehen für gute Kunst, und nicht für den Krieg.“

Name wurde zu einem Problem

Doch der Name „Moskauer Circus“ weckt nun schlimme Bilder in den Köpfen. „Am Anfang war es besonders spürbar“, so Frank. „Als der Krieg ausbrach, sind die Menschen auf Abstand gegangen.“ Inzwischen gehe es aber. „Die Menschen sind ja nicht dumm. Sie informieren sich und merken, dass wir gegen den Krieg sind. Genau, wie auch nicht alle Russen für Putin sind.“ Der Ukrainekrieg nehme sie sehr mit, aber sie wollten trotzdem das Beste für ihr Publikum leisten. So wie das russisch-ukrainische Ehepaar Ekaterina und Genadi, die als Clowns die Leute zum Lachen bringen wollen. Auch wenn es ihnen derzeit eher zum Weinen ist.

Der Moskauer Circus zeigt auch Tierdressuren, was nicht immer jedem Kritiker gefällt. Der Name hingegen war bisher kein Problem – bis zum Kriegsausbruch im Februar. Foto: Moskauer Circus

Zirkus umfasst Jahrzehnte harter Arbeit

Denn hinter dem Renommee des großen Zirkus stehen Jahrzehnte von harter Arbeit und mühevoller Ausbildung. „Unsere Artisten haben das Handwerk auf den großen Zirkusschulen gelernt. In Osteuropa ist das ein anerkannter Beruf, wie hier zum Beispiel der Bäcker“, erläutert Gino Frank. Erst in diesem Jahr war das neue Zelt in Betrieb genommen worden. Das mächtige Chapiteau, wie das Zirkuszelt in der Fachsprache heißt, bietet über 1400 Zuschauern Platz. Ab dem kommenden Dienstag wird es in Dorsten am Zechengelände Fürst Leopold aufgebaut. Wenn es steht, werden ukrainische Flaggen an den Spitzen wehen.

Auch während der Vorführungen will sich die Zirkusfamilie klar gegen den Krieg positionieren. „Unser Programm heißt schon seit einigen Jahren One World, also Eine Welt“, sagt Gino Frank. „Nie hat es besser gepasst, als heute.“