Mit einer Mischung aus feierlicher Tradition und politischem Aufbruch ist am Mittwochabend, 5. November, der neu gewählte Rat der Stadt Dorsten zu seiner konstituierenden Sitzung im Großen Sitzungssaal des Rathauses zusammengekommen. Bürgermeister Tobias Stockhoff, der nach seiner Wiederwahl erneut die Amtsgeschäfte übernimmt, führte – leicht erkältet, aber gut gelaunt – durch den Abend.
Amtseinführung des Bürgermeisters
Den offiziellen Teil der Amtseinführung übernahm das dienstälteste Ratsmitglied Achim Schrecklein (SPD). Er verlas die Bekanntmachung über die Wiederwahl Stockhoffs und würdigte ihn mit persönlichen Worten. Es sei „eine besondere Ehre“, ihn erneut in das Amt einführen zu dürfen. Stockhoff bringe „Leidenschaft und Engagement“ mit. Seine neue Amtszeit möge dabei „von Offenheit und Dialog geprägt sein“. Unter Applaus der Ratsmitglieder sprach Stockhoff dann den Amtseid und dankte für die freundlichen Worte und die guten Wünsche.

Verpflichtung der Ratsmitglieder
Auch die neuen und wiedergewählten Ratsmitglieder wurden offiziell verpflichtet – wie Stockhoff betonte, „so wie es in Dorsten guter Brauch ist“ – stehend und gemeinsam sprechend.


Wahl der stellvertretenden Bürgermeister
Ein erster wichtiger Beschluss des Abends war die Wahl der ehrenamtlichen Stellvertreter des Bürgermeisters. Nach der langjährigen Amtszeit von Christel Briefs (26 Jahre) und Achim Schrecklein (5 Jahre) wurden traditionell wieder zwei Stellvertreter gewählt. CDU und SPD schlugen gemeinsam Jan Heppner und Julian Fragemann vor, während die AfD Jürgen Chmielecki nominierte.

In der geheimen Abstimmung votierten 34 Ratsmitglieder für die gemeinsame Liste von Heppner und Fragemann, sieben für Chmielecki. Es gab zudem zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.
Beide Gewählten sprachen ihren dann Verpflichtungstext laut nacheinander und erhielten Blumensträuße. Bürgermeister Stockhoff gratulierte herzlich und blickte auf eine „gute Zusammenarbeit in den kommenden Jahren“ voraus.

Ehrungen für langjährige Ratsmitglieder
Vor den weiteren Tagesordnungspunkten nahm die Sitzung eine festliche Wendung. In einem vorgezogenen Programmpunkt wurden Christel Briefs und Achim Schrecklein aus ihren Ämtern verabschiedet.

Staatssekretär Josef Hovenjürgen würdigte in einer Laudatio zudem drei neu ernannte Ehrenmitglieder des Rates – Bernd Schwane, Christel Briefs und Friedhelm Fragemann – die zusammen auf über 100 Jahre kommunalpolitische Erfahrung zurückblicken.

Hovenjürgen betonte: „Ratsarbeit ist und war immer zeitaufwändig und verlangt Rückgrat“. Er lobte die Geehrten für ihre „beeindruckende politische Lebensleistung“ und ihren Beitrag, „Brücken zu bauen statt Gräben zu vertiefen“. Über Briefs sagte er: „Sie war eine stille Autorität, die Türen öffnet und Dorsten würdig repräsentiert hat.“ Schwane habe „Orientierung gegeben und Brücken gebaut“. Fragemann besitze einen „klaren Kompass und Verantwortungsbewusstsein“.
Auch Bürgermeister Stockhoff fand persönliche Worte. Er erinnerte daran, dass er selbst einst Schüler Fragemanns im Politikunterricht war und dass alle drei Geehrten „sein Leben und seine politische Laufbahn geprägt“ hätten. Zum Abschluss trugen sich die drei Ehrenmitglieder dann in das Goldene Buch der Stadt ein.

Dank und mahnende Worte im Rat
In kurzen Dankesreden blickten die Geehrten auf ihre lange Ratsarbeit zurück.
Christel Briefs, eine der bislang wenigen Frauen auf dem Stellvertreterposten, sagte: „Alles hat seine Zeit. Ich bin stolz und dankbar für diese Jahre und wünsche meinen Nachfolgern Erfolg“.
Friedhelm Fragemann zitierte Fontane: „Courage ist gut, Ausdauer ist besser“. Er fügte augenzwinkernd hinzu: „Macht nicht zu viel Blödsinn, sonst muss ich in fünf Jahren wiederkommen“.
Bernd Schwane schließlich erinnerte an den Wert von Fairness in der politischen Auseinandersetzung: „Wir haben uns oft gestritten, aber immer fair. Demokratie ist verletzlich und muss gepflegt werden. Die Verfassungsfeinde sind unter uns – es ist unsere Pflicht als Demokraten, ihnen Einhalt zu gebieten“. Für diese letzten Worte blieb der Applaus aus der AfD-Reihe aus.

Wachsame Demokratie
Tobias Stockhoff mahnte ebenfalls eine wachsame Demokratie an. Dorsten müsse eine Stadt bleiben, „in der Menschenwürde nicht verhandelbar ist, in der Demokratie gelebt wird, in der Respekt nicht nur ein Wort ist, sondern eine innere Haltung“.




























