Das Seidemann’sche Haus an der Kappusstiege 19 / Ostwall 21 ist ein Wahrzeichen Dorstens. Errichtet um 1660, mit einem Gewölbekeller, der vermutlich 600 Jahre alt ist, hat das Fachwerk- und Ziegelhaus Kriege, Wiederaufbau und Strukturwandel überstanden. Jahrzehntelang beherbergte es das Geschäft „Lebensmittel – Feinkost Ludwig Seidemann“, das dem Gebäude seinen Namen gab. Nach einer Phase des Leerstands weht nun frischer Wind durch die alten Mauern: Sanierung, Gastronomie, neues Leben.
Der Dorstener Unternehmer Dominik Königshausen hat das Baudenkmal erworben und saniert es in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde. „Unser Ziel ist es, die Geschichte des Hauses zu bewahren und sie zugleich mit neuem Leben zu füllen. Der Charme und die Geschichten, die dieses Haus erzählt, sollen auch künftig erlebbar bleiben,“ betont Königshausen.

Unterstützt wird das Projekt durch das Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren“. Zwei Jahre lang gibt es einen Mietzuschuss, um die Startphase abzusichern. Christoph Uphaus von der Wirtschaftsförderung Dorsten sagt: „Das Seidemann’sche Haus ist ein Stück Dorstener Identität. Es ist schön zu sehen, dass privates Engagement und städtische Förderung hier Hand in Hand gehen, um Geschichte zu bewahren und Zukunft zu gestalten.“
Tapas im Fachwerk – das „Feinwerk“-Konzept
In die denkmalgeschützten Mauern zieht bald Gastronom Daniel Strauch mit seinem Partner ein. Unter dem Namen „Fein Werk Weinbar“ wollen sie regionale Küche mit modernen Ideen verbinden. Strauch erklärt: „Wir wollen bodenständig sein, authentisch. Keine Sternegastronomie, sondern ein geselliges Genusserlebnis. Unsere Karte wird klein, frisch und saisonal. Sharing ist Caring – man soll sich die Gerichte teilen können.“

Statt großer Portionen setzt das „Fein Werk“ auf regionale Tapas: Gerichte zwischen Vor- und Hauptspeise, die zum gemeinsamen Probieren einladen. Ergänzt wird das Angebot durch eine Weinbar und einen kleinen Feinkostladen, in dem ausgesuchte Produkte aus Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich erhältlich sein werden. „Mein Hobby ist seit Jahrzehnten der Wein. Diese Leidenschaft möchte ich mit den Dorstenern teilen“, erzählt Strauch im Seidemann’sche Haus.

Junge Küche mit viel Erfahrung im Seidemann’sche Haus
Für die Küche konnte Strauch den 28-jährigen Koch Joelle Anojulu gewinnen, der seine Ausbildung in einer Sterneküche absolviert hat. „Joelle war ein Wunschkandidat. Er bringt Kreativität, Erfahrung und die richtige Energie mit,“ sagt Strauch. Anojulu ergänzt: „Ich freue mich darauf, hier etwas Neues aufzubauen – mit regionalen Produkten und viel Leidenschaft.“

Ein Ort zum Genießen und Verweilen
Das restaurierte Seidemann’sche Haus soll nicht nur Restaurant, sondern Erlebnisort werden. Geplant sind Weinabende mit Winzern, eine behutsam gestaltete Außengastronomie sowie ein Weinkeller im historischen Gewölbe, den die Gäste durch eine Glasfläche im Boden bestaunen können.
„Wir freuen uns, dass Seidemann’sche Haus wieder mit Leben zu füllen und den besonderen Charakter des Gebäudes für unsere Gäste spürbar zu machen,“ sagt Strauch.
Das Ziel ist klar: Das älteste Haus Dorstens soll nicht nur ein Stück Vergangenheit erzählen, sondern auch Zukunft gestalten – als lebendiger Treffpunkt mitten in der Altstadt.





























