Symbolischer Akt: Bergmann übergibt das letzte Stück Kohle in Bottrop
200 Jahre aktiver Steinkohlenbergbau in Deutschland fanden am Freitag ihren endgültigen Abschluss.
Land NRW (pd). Auf der Schachtanlage Franz Haniel in Bottrop wurde das letzte Stück Kohle zu Tage gefördert. Acht Bergleute hatten es aus der letzten in Deutschland noch fördernden Steinkohlenzeche nach oben gebracht.

Historische Zäsur
Über 500 Gäste und Ehrengäste – darunter Ministerpräsident Armin Laschet, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission – nahmen gemeinsam Abschied von einer Branche, die Deutschland wie kaum ein anderer Industriezweig geprägt hat. Für das Ruhrgebiet bedeutet der Abschied von der Steinkohle eine historische Zäsur.
Ministerpräsident Armin Laschet sprach über Gemeinschaft und Zusammenhalt. Er stellte die Leistungen der Bergleute heraus und wies auf die Bedeutung des Steinkohlenbergbaus für die Entwicklung des Industrielandes Nordrhein-Westfalen hin.
Fähigkeit des Ruhrgebiets
Außerdem stellte er die enorme Fähigkeit des Ruhrgebiets zum Wandel heraus – einst durch und durch von Montanindustrie geprägt habe es sich zur Wissenschafts- und Innovationsregion von europäischem Rang weiterentwickelt.
Laschet unterstrich, dass die Landesregierung gemeinsam mit den Akteuren vor Ort und mit Unterstützung durch Bund und EU diesen Weg fortsetzen und durch die Ruhr-Konferenz Impulse für weiteres wirtschaftliches Wachstum und neue Perspektiven geben will.

Die Steinkohle hat unser Land geprägt
Der Ministerpräsident betonte: „Die Steinkohle hat unser Land geprägt. Sie ist ein Teil unserer Identität In Dankbarkeit, in Anerkennung, in Respekt verbeugen wir uns heute vor denen, die unser Land groß gemacht haben: vor den Bergleuten und ihren Familien. Das Steigerlied wird nicht verstummen. Wir werden es bei offiziellen Anlässen des Landes Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft spielen. Das verspreche ich heute im Namen aller Menschen in ganz Nordrhein-Westfalen.“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier thematisierte in seiner Festrede die Relevanz des Steinkohlenbergbaus aus nationaler Perspektive. Dass auch die Industrialisierung Europas unweigerlich mit dem Abbau der Steinkohle als Energieträger verbunden ist, bestätigte Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission.
Zudem hob er die Bedeutung der Kohle für Europas Frieden und Wohlstand hervor.
Kohle und Wohlstand sind untrennbar
Die 1952 entstandene Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) war die erste supranationale Organisation in Europa und gilt als Gründungsgemeinschaft der heutigen Europäischen Union.
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hob die europäische Dimension des Bergbaus hervor mit der Montanunion. Ohne Kohle und Stahl hätte es den Aufbruch zur europäischen Einigung nicht gegeben, sagte Juncker in Bottrop. „Kohle und Wohlstand sind untrennbar“, betonte der EU-Kommissionspräsident.