Am ersten Schultag nach den Ferien erzählen viele Kinder von der Nordsee, vom Campingplatz, vom Flug in den Süden oder von Oma und Opa irgendwo auf dem Land. Andere sitzen daneben und haben nichts davon erlebt. Kein Meer, keine Berge, keine Reise. Nicht, weil sie keine Lust gehabt hätten, sondern weil es zu Hause finanziell eng ist.
Für viele Familien ist Urlaub längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Laut Statistischem Bundesamt lebten im Jahr 2025 rund 21 Prozent der Menschen in Deutschland in Haushalten, die sich nach eigener Einschätzung keine einwöchige Urlaubsreise leisten konnten. Das waren rund 17,3 Millionen Menschen.
Auch in Dorsten kennen viele Familien diese Lage. Die gestiegenen Preise für Benzin, Lebensmittel und den Alltag insgesamt machen sich bemerkbar. „Viele Familien haben es derzeit nicht einfach“, sagt Swantje Bärenfänger, Leiterin von Das LEO. Umso wichtiger seien Orte, an denen Kinder und Jugendliche auch ohne große Reise etwas erleben können.
Feriengefühl direkt vor der Haustür
Dass die Sommerferien nicht nur aus Kofferpacken bestehen müssen, zeigt ein Blick auf die Angebote in Dorsten. Jugendhäuser, Vereine, freie Träger, Kirchengemeinden, die Stadtbibliothek, der Kulturrucksack und die Jugendförderung der Stadt stellen auch in diesem Jahr wieder Programme auf die Beine.
Luca Sörries von der Jugendförderung sieht Dorsten dabei gut aufgestellt. „In Dorsten haben wir viele ehrenamtliche Organisationen und Träger, die sich in der Jugendförderung engagieren“, sagt er. Die Angebote würden auch gut genutzt. Die Ferienübersicht der Stadt soll Familien helfen, einen Einstieg zu finden und passende Ansprechpartner zu finden. Die Stadt weist zugleich darauf hin, dass diese Übersicht keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Genau deshalb rät Sörries, nicht nur auf eine zentrale Liste zu schauen. „Es lohnt sich auch, bei den Vereinen in der Umgebung nachzufragen.“ Viele Vereine böten in den Ferien eigene kleine Aktionen an, mal für einen Nachmittag, mal für mehrere Tage, manchmal auch ohne große öffentliche Werbung.

Offene Türen im LEO und im Treffpunkt Altstadt
Eine besondere Rolle spielen in den Ferien die offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen. Das LEO und der Treffpunkt Altstadt bleiben nicht nur für feste Kurse oder einzelne Veranstaltungen geöffnet. „Im LEO und im Treffpunkt Altstadt gibt es immer ein offenes Angebot“, sagt Swantje Bärenfänger. Die Mitarbeiter und die Häuser stünden während der ganzen Ferien zur Verfügung.
Für viele Kinder ist das nicht neu. Sie kommen bereits während der Schulzeit regelmäßig vorbei. In den Ferien aber wächst der Bedarf noch einmal. Dann fallen Schule, Klassenverband, Pausenhof, AGs und die gewohnte Tagesstruktur weg. Ein offenes Haus kann dann zum wichtigen Treffpunkt werden: zum Spielen, Reden, Kreativsein oder einfach, um nicht allein zu Hause zu sitzen.
Das ersetzt keinen Familienurlaub. Aber es schafft Erinnerungen. Und manchmal ist genau das entscheidend: ein Ort, an dem Kinder willkommen sind und merken, dass auch ihr Sommer etwas Besonderes sein kann.
Premiere für die Kreativwoche im LEO
Ein Beispiel ist die Kreativwoche „Deine Industriestadt Dorsten“ im LEO. „Die Kreativwoche findet zum ersten Mal statt“, sagt Swantje Bärenfänger. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren.

Vom 10. bis 14. August beschäftigen sich die Teilnehmer kreativ mit Dorsten, seiner Industriegeschichte und der Ruhrpottkultur. Die Stadt beschreibt das Projekt als Möglichkeit, Dorsten aus einer kreativen Perspektive zu sehen und eigene Ideen gestalterisch umzusetzen. Am Ende der Woche soll es eine kleine Präsentation geben. „Am Freitag gibt es eine Vernissage und Waffeln im LEO“, sagt Bärenfänger.
Daneben nennt sie weitere Angebote wie einen Holzworkshop für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren vom 20. bis 24. Juli, die bereits ausgebuchte Zirkuswoche, das Red Balloon Festival und „Hervester Kids on Tour“.
Nicht jedes Kind sucht dasselbe
Gerade diese Mischung ist wichtig. Manche Kinder wollen Fußball spielen, andere malen, basteln, bauen, auftreten oder einfach Zeit mit Gleichaltrigen verbringen. Einige Familien suchen ein festes Wochenprogramm, andere eher ein offenes Angebot ohne große Hürde.
Deshalb ist das Ferienangebot in Dorsten kein einzelner großer Kalender, der alle Fragen beantwortet. Es ist eher ein Netz aus vielen kleinen und größeren Möglichkeiten. Dazu gehören Sportvereine, Jugendhäuser, mobile Angebote, Kulturprojekte, Bibliotheksaktionen und Ferienfreizeiten mit Übernachtung.
Ein großes Beispiel ist die Sportplatzolympiade des SV Dorsten-Hardt. Vom 18. bis 24. Juli findet sie im Hermann-Grefer-Sportpark statt. Für ältere Jugendliche kann die Veranstaltung ebenfalls interessant sein. Luca Sörries weist darauf hin, dass Jugendliche ab 14 Jahren dort auch als Helfer mitmachen können. So wird aus einem Ferienangebot zugleich eine Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen und Teil eines großen Gemeinschaftsprojekts zu werden.
Wenn die Angebote zu den Kindern kommen
Nicht jedes Kind wird zu einem Kurs gefahren. Nicht jede Familie kann flexibel planen. Deshalb sind mobile Angebote besonders wichtig. Luca Sörries nennt unter anderem die „Rote Tonne“ und das DoKiMo, das Dorstener Kinder-Mobil, das am Friedensplatz Halt macht.
Solche Angebote warten nicht darauf, dass Kinder den Weg zu ihnen finden. Sie kommen in den Stadtteil, auf Plätze und an Orte, an denen Kinder ohnehin unterwegs sind. Für Familien kann das eine Entlastung sein. Für Kinder kann es den Unterschied machen zwischen einem langen Ferientag ohne Plan und einem Nachmittag, von dem sie später erzählen.
Sommer ist auch eine Frage der Teilhabe
Wenn Familien nicht verreisen können, geht es nicht nur um fehlende Urlaubsbilder. Für Kinder und Jugendliche bedeuten Ferien auch Gesprächsthemen, Gemeinschaft und das Gefühl, etwas erlebt zu haben. Wer nach sechs Wochen zurück in die Schule kommt, möchte ebenfalls erzählen können: Ich war dabei. Ich habe etwas gemacht. Mein Sommer war nicht leer.
Dorsten kann den Urlaub am Meer nicht ersetzen. Aber die Stadt kann gemeinsam mit Vereinen, Trägern und Jugendhäusern Räume öffnen, in denen Kinder und Jugendliche ihre Ferien aktiv erleben. Das ist keine kleine Sache. Es geht um Teilhabe, um Begegnung und manchmal auch um einen sicheren Ort in einer Zeit, die für Familien ohnehin anstrengend genug ist.
Die wichtigste Botschaft lautet deshalb: Selbst nachfragen lohnt sich. Die Ferienübersicht der Jugendförderung ist ein guter Anfang. Darüber hinaus können Familien bei Jugendhäusern, Vereinen, Kirchengemeinden, der Stadtbibliothek, dem Kulturrucksack, Sportvereinen oder Einrichtungen im eigenen Stadtteil nach passenden Angeboten suchen.
Nicht alles ist noch frei. Nicht alles passt zu jedem Kind. Aber wer sich auf die Suche macht, findet in Dorsten oft mehr Möglichkeiten, als auf den ersten Blick sichtbar sind.
Denn Ferien müssen nicht weit weg stattfinden, damit Kinder etwas erleben. Manchmal reicht ein offenes Haus, ein Sportplatz, ein Workshop, ein Spielmobil oder ein Verein um die Ecke. Entscheidend ist, dass es Menschen gibt, die Kindern zeigen: Auch hier kann Sommer sein.




























