„Man kann dir den Weg weisen, aber gehen musst du ihn selbst“, lautet ein Zitat von Bruce Lee.

von Marie-Therese Gewert

Raesfeld. Beeinflusst durch die Filme des Schauspielers, wollte Peter Scholz einst selbst Steine und Bretter mit der Hand zerhauen. Seine Eltern waren nicht sehr begeistert von der Idee, doch sein Wunsch blieb und so ging er seinen Weg.

Kampfkunst Peter Scholz Dorsten

Was als Hobby begann, wurde seine Berufung. Heute ist er seit 22 Jahren Trainer beim Verein Bewegungskunst Raesfeld und bringt seinen Schülern Tai Chi Chuan, Shaolin Kempo, Kobudo und Chi-Ryu Aiki-Jitsu bei.

Um sich stets weiterzuentwickeln fährt er mindestens einmal im Jahr nach Okinawa, um dort von den Meistern zu lernen. Da er selbst kein Japanisch spricht, kommuniziert er häufig mit Händen und Füßen. Am Ende verstehen sich dann doch alle über die Sprachen hinweg.

Kampfkunst Peter Scholz Dorsten

Tai Chi Chuan ist eine sehr alte, meditative Kampfkunst aus China, die auch zur Selbstverteidigung dient.

„Tai Chi“ bedeutet so viel wie Erhabene, Letzte oder Höchste Unendlichkeit. „Chuan“ heißt übersetzt „Faust“. Der Verein ergänzt die Lerneinheiten vom Tai Chi mit Qi Gong (zu Deutsch: Arbeit an der Lebensenergie). Letzteres ist ein über 5000 Jahre altes System für Körper und Geist. Meist wird Tai Chi langsam praktiziert. Im Ernstfall können die Bewegungsabläufe zur Selbstverteidigung aber auch schnell ausgeführt werden.

Shaolin Kempo ist eine vielseitige Kampfkunst, die im chinesischen Shaolin-Kloster entstanden ist und verschiedene Einflüsse aus Japan und China miteinander verbindet: Der Begriff Kempo erinnert an die Einflüsse von Karate (Leere Hand), da Shaolin Kempo durch japanische Karate-Systeme beeinflusst wurde. Auch hier lässt sich eine enge Verwandtschaft zu einer anderen Kampfkunst entdecken:

Kung Fu, was übersetzt „Harte Arbeit über lange Zeit“ heißt. Im Endeffekt besteht Shaolin Kempo aus drei Bereichen:
1. Katas, feste Bewegungsabläufe, die einen Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner darstellen.
2. Kumites: Festgelegte Angriffstechniken für Abwehr und Konter. Hier wird mit einem Partner geübt.
3. Selbstverteidigung: Erlernt werden Befreiungstechniken gegen Angriffe.

Kobudo ist eine weitere Kampfkunst aus Okinawa, Japan. Im Kern lebt Kobudo vom Kampf und der Abwehr durch Bauernwaffen und ist um 1600 entstanden, als japanische Besatzer jede Art von Waffenbesitz verboten. So wurde der Wanderstab kurzerhand zur verteidigenden Waffe.

Zum Einsatz kommen beim Kobudo folgende Bauerngeräte: Kama (eine Sichel), Tonfa und Tunqua (Schlagstock), Bokken (eine Art Schwert aus Holz), sowie Bo (ein hölzerner Stab). Außerdem gibt es noch die Sai Gabel, einen metallenen Dreizack. So setzt das System, was in Raesfeld erlernt werden kann, auf die Formen klassischer Landwirtschaftsgeräte.

Chi-Ryu Aiki-Jitsu dreht sich im Kern um Energie in uns und anderen. Es ein Weg, die eigene Lebensenergie zu kultivieren und sie einzusetzen, ohne sich zu verausgaben. Der Fokus liegt hierbei auf einem schonenden Umgang mit sich und dem Partner, da diese Kampfkunst im Schwerpunkt auf Partnerarbeit liegt. Sie dient zur Angreiferverteidigung. So lassen sich die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen erweitern. Ziel des

Trainings von Chi-Ryu Aiki-Jitsu ist es, die eigenen Grenzen zu erkennen und sie durch das Training zu verschieben.
So kommen Energie, Harmonie und Technik zusammen. „Es ist folglich eine Art Energieschule, die mit Techniken versucht, Energie in Harmonie zu bringen“, erklärt Trainer Scholz. Das wiederum gelingt durch Hebeln und Greifen.

Gegenüber zu respektieren

Gegenüber respektieren

Gleich, welche Kampfsportart die Schüler vom Verein Bewegungskunst Raesfeld wählen: „In Trainingssituationen lernt man sich selbst besser kennen“, erklärt Peter Scholz.

Hier lernen sie, ihr Gegenüber zu respektieren und deeskalierend aufzutreten. Fest steht: „Bei jeder Kampfsportart ist es ein lebenslanger Lernprozess“, erklärt Scholz. „Mit dem schwarzen Gürtel, dem ersten Dan, glauben viele, alles geschafft zu haben“.

Doch erst jetzt seien die Grundlagen geschaffen, um mit dem echten Training zu beginnen. Einem lebenslangen Lernprozess, der die eigene Persönlichkeit weiterentwickelt und formt. Und zugleich den eigenen Selbstwert in dieser Welt stärkt, was mit der inneren Haltung beginnt.

Gegenüber zu respektieren

Regelmäßig gibt es Prüfungen für die Trainierenden: Neulich hat Thorben Stemann sich gleich zwei Prüfungen gestellt. Er wurde in den Kampfkünsten Shaolin Kempo und Okinawa Kobudo geprüft. Seine Trainingsvorbereitungen haben sich gelohnt. Er wurde mit dem Bestehen beider Prüfungen belohnt.

Im Shaolin Kempo und im Okinawa Kobudo trägt Thorben künftig den Orange-Gurt. Der Verein gratuliert ihm zur bestandenen Prüfung. Wer sich für die Kampfkünste interessiert, hat die Möglichkeit an Einsteigerkursen im Januar teilzunehmen.

Infos unter www.bewegungskunst.net.

QUELLEMarie-Therese Gewert
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Marie-Therese Gewert
Hallo, ich bin Marie. Schon während meines Studiums in Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule schlug mein Herz für die Geschichten der Menschen. Als freie Mitarbeiterin war ich während meines Studiums stets für die WAZ Dorsten unterwegs. Danach zog es mich nach Kassel zum Volontariat bei der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen, kurz HNA. Im Dezember 2017 wurde ich in einer Kommunikationsagentur in Düsseldorf tätig. Im Mai 2018 entschied ich mich für die Selbstständigkeit. Seither arbeite ich für verschiedene Auftraggeber, journalistisch und beratend. Ich schreibe für dorsten-online.de, weil die Plattform von Menschen aus der Heimat für Menschen aus der Heimat gemacht wird. Ich freue mich, Sie mit Beiträgen und Informationen aus der Region versorgen zu dürfen. Anregungen, Fragen und Hinweise nehme ich gerne entgegen. Marie-Therese Gewert

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