Altbürgermeister und Stiftungsvorsitzender Lambert Lütkenhorst öffnet uns die Türen der Tisa Stiftung und verrät, dass der Ort mehr sein will als ein staubiges Archiv.

Dorsten. Als Kind des Ruhrgebiets kommt man nicht drum herum bewegt zu sein, wenn man altes Zechengelände betritt. Vor allem dann nicht, wenn die Zechenwahrzeichen so gut erhalten und nah erlebbar sind wie auf Fürst Leopold.

Auch für die Räumlichkeiten der Tisa Stiftung musste Bergbau Geschichte nicht weichen, die Stiftung fügte sich ihr an. Ein Raum von imposanter Schlichtheit ist entstanden, der viele Blickwinkel auf den Bergbau und seiner Geschichte ermöglicht. Von innen, wie von außen. Von Bergbau Geschichte zu sprechen ist  hier eigentlich auch falsch ausgedrückt, denn das Gebäude wird nach wie vor von der RAG betrieben und könnte in Zukunft von hoher Bedeutung sein. Dann, wenn das Grubenwasser ansteigt. Die Tisa Stiftung sitzt nun am Wasserhaltungsstandort auf Fürst Leopold.

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Die Tisa Stiftung sitzt nun am Wasserhaltungsstandort auf Fürst Leopold. ©Sabrina Czupiol

Ein wichtiger Wasserhaltungsstandort

Vor 13-14 Jahren habe die RAG-Stiftung hier einen Wasserhaltungsstandort errichtet, erklärt uns Lambert Lütkenhorst auf unserem Rundgang. Denn auch nach Schließung der Zeche muss das Abpumpen und Regulieren des Grubenwassers weiter gewährleistet sein. Mit dem Begriff „Grubenwasser“ wird Regenwasser bezeichnet, das in die ehemaligen Schächte des Bergbaus dringt und dort ansteigt, wenn es keinen natürlich Austritt in nahliegende Gewässer findet. Um das Grubenwasser abzupumpen, entstand hier eine Halle mit einer großen Fördermaschine, die über einen Seilzug mit dem Förderturm verbunden war.

Tisa Skulptur
2010 hing der Kohlebrocken noch am Platzt der deutschen Einheit. Heute ziert das Kunstwerk das Außengelände. ©Sabrina Czupiol

Mobile Pumpen

Soweit so gut. Die Grubenwasserhaltung schien damit erst einmal gesichert zu sein. Dann kam die Nachricht mit der Schließung der Zeche Auguste Victoria in Marl könnte das dortige Grubenwasser nach Dorsten gelangen. „Also gingen die roten Lampen an“, erinnert Lambert Lütkenhorst, ,,Wir müssen den Standort hier optimieren, hieß es.“ Die Idee wuchs mit der Wasserhaltung künftig flexibler zu werden. Die große Fördermaschine wurde aufgegeben und direkt gegenüber der Halle ein neuer Schacht auf 900m Tiefe gegraben, wo Pumpen jederzeit reingesetzt werden können.

Förderturm
Wo einst die Fördermaschine stand, ist nun eine helle Halle mit Blick auf den Förderturm entstanden. ©Sabrina Czupiol

Das Gebäude, in dem einst die Fördermaschine stand, blieb jedoch bestehen. Hier befindet sich weiterhin die benötigte Technik. Die große Befürchtung aber, das Grubenwasser aus Marl komme hierüber, habe nicht stattgefunden, so Lütkenhorst: „Das Wasser hatte sich einen anderen Weg gesucht. Es kam nicht in Dorsten an.“

Dennoch ist und bleibt die Wasserhaltung hier an diesem Standort von großer Bedeutung, was der grüne Hochsicherheitszaun und die vielen Kameras am Gebäude zusätzlich unterstreichen. Die Entnahme des Grubenwassers muss hier zu jeder Zeit gesichert sein. Doch was sollte nun mit Gebäude, das neben einer leeren Halle nur noch die bloße Technik beherbergt, weiter geschehen?

Lambert Lütkenhorst
Lambert Lütkenhorst freut sich über den alten Malkasten von Tisa von der Schulenburg, den die Tisa-Stiftung kürzlich für ihre Ausstellung überreich bekam. ©Sabrina Czupiol

Neue Nutzungsmöglichkeiten

Die zündende Idee kam dem RAG Stiftungsvorsitzenden Bernd Tönjes, der zugleich auch Kuratoriumsvorsitzender der Tisa Stiftung ist: „ Wir müssen was mit Tisa machen“, erinnert Lütkenhorst an Tönjes Worte, „Überall liegen Klamotten von ihr, bei der Ruhrkohle in Ibbenbüren, in Herne, beim Ruhrkohle Museum, bei den Nonnen im Keller, überall. Wir machen hier ein Archiv.“  

Drei Jahre Bauzeit später erinnert nichts mehr an einer Werkhalle. Und es ist nicht nur bei der Eingangsidee „Archiv“ geblieben. Aus dem einstigen Technikgebäude mit Fördermaschine ist ein Veranstaltungssaal geworden mit einer kleinen Galerie, Konferenz- und Ausstellungsräumen, Werkstatt, Büro der Tisa von der Schulenburg Stiftung und dem Tisa Archiv. ,,Aber es bleibt ein Wasserhaltungsstandort für den Fall des Falles“, betont Lütkenhorst. Die Tisa Stiftung habe nur die Erlaubnis den Wasserhaltungsstandort mit zu nutzen und die RAG sage sich: Das steht hier nicht alles alleine rum, da ist immer jemand.

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In den neuen Räumlichkeiten der Stiftung befindet sich auch eine kleine Tisa-Galerie. ©Sabrina Czupiol

Bergbau im hellen Licht

Von innen hüllt sich das Gebäude in ganz viel Licht und dennoch bleibt der Zugang zum Bergbau erhalten. Der Blick auf den Fördertum und den Hallen auf der anderen Seite der Straße bleibt an den entscheidenden Seiten gewährt.  Du spürst jeder Zeit, dass du mitten auf dem Zechengelände stehst. 

Dort wo die Fördermaschine stand, ist  jetzt ein heller Raum für Kultur Veranstaltungen geworden. Theater, Lesungen, Verleihungen – es gibt zahlreiche Ideen, die hier umgesetzt werden können. Eine kleine Galerie schließt sich der Halle an. Dahinter ein Tagungs- oder Schulungsraum mit Konferenztisch und Fensterfront mit Blick auf die gegenüberliegenden Zechenhallen. Auch eine Werkstatt ist vorhanden. Davor zwei große Container die geöffnet und ebenfalls zum Werken o.ä.  genutzt  werden können.

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Die Räume der Tisa Stiftung bieten vielseitige Nutzungsmöglichkeiten. ©Sabrina Czupiol

Nutzungskonzept wird weiterentwickelt

Als erstes hat die Tisa Stiftung das Archiv bekleidet. Nun geht die Stiftung die Planung an, wie die weiteren Räumlichkeiten künftig genutzt werden können. Lambert Lütkenhorst: „Wir sind dabei zu gucken, wie wir jetzt Leben hierein kriegen. Welche Ausstellungen können wir machen, welche Veranstaltungen, welche kreativen Ideen gibt es noch?“ Ein paar Nutzungskonzepte hat die Stiftung bereits konkretisiert: 

Im kommenden Herbst wird die deutsche Lebra Stiftung eine Ausstellung über Tisa geben, die in den Lebra Gebieten gewesen ist und dort gezeichnet hat.

Malkasten von Tisa Zeche Dorsten
Mit diesem alten Hammer und Meissel soll Tisa in London aufgefordert worden sein, sich wieder der Bildhauerei zu widmen. ©Sabrina Czupiol

In Kooperation mit dem LEO und Schulen wird eine Kreativ Werkstatt für Metall oder Holzarbeiten eingerichtet. Zudem ist in Zusammenarbeit mit dem LEO ein Kreativ Workshop Graffiti angedacht. Unter dem Motto: „Tisa von der Schulenburg: Was heißt „Respekt, Toleranz und Menschenwürde“ heute? „Es muss nicht immer um die alte Frau gehen“, bemerkt Lütkenhorst.

Im Frühjahr 2022 wird der Tisa Preis verliehen. Der Preis wird alle drei Jahre an Künstler*innen vergeben, die sich im weitesten Sinne mit der Arbeitswelt befassen. Die Preisträger*innen werden von einer Fachjury ermittelt.

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Die Stiftung plant regelmäßige Themenausstellung mit Exponaten von Tisa. ©Sabrina Czupiol

Die Stiftung plant künftig feste Öffnungszeiten anzubieten, an denen die Räumlichkeiten besucht werden können. Zudem sind Themenausstellungen angedacht, an denen Filme vorgeführt und Werke von Tisa ausgelegt werden sollen.

Ideengeber sind herzlich willkommen

Das Konzept für die weitere Nutzung der Räumlichkeiten ist noch nicht bis ins letzte Detail ausgefeilt. Die Tisa Stiftung stehe hier noch am Anfang und freut sich über jede*n, die*der mit Ideen zur weiteren Nutzung auf sie zukommen möchte, so Lütkenhorst. Gerne öffnet die Stiftung ihre Türen für eine Vorstellung der Räume.

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Mehr über die Tisa Stiftung auf dorsten-online: Sparkasse Vest unterstützt Tisa von der Schulenburg-Stiftung – Dorsten Online (dorsten-online.de)

Zur Website der Stiftung: www.tisa-von-der-schulenburg.de/stiftung.php

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