Rhade ist voll SCHA(R)F! Die ersten Osterlämmer sind geboren
Zog man heute durch die Rhader Wiesen, konnte ein Mann mit blökender Gefolgschaft kaum übersehen werden: Schäfer Erwin Biedermann mit seinen zwei Unterstützern Paula und Blacky und einer großen Herde Schafe, die sich genüsslich das saftige Grün schmecken ließ.

Erwin Biedermann hat derzeit mit seiner Schafherde in Dorsten-Rhade Quartier bezogen. Anja Selzner ist begeistert von den kleinen Lämmern, die derzeit geboren werden.
Rasenmäher Schaf frisst etwa 10 kg Gras
„Heute Morgen standen wir noch auf der Weide hinter Honsel und machten uns dann durch das Dorf, vorbei an der Kirche, auf den Weg zu unserer heutigen Weide“, erzählt Anja Selzner, eine langjährige Freundin des Schäfers, die ihn schon immer gerne unterstützt, sobald es ihre Zeit zulässt. „Etwa 10 kg Gras frisst ein ausgewachsenes Schaf am Tag. Wir versuchen immer abzuschätzen, ob die gerade genutzte Fläche das noch hergibt und mussten schon so manches Mal umdisponieren und die nächste Weidestelle anlaufen.“

Paula und Blacky
Frische Gras und frische Luft
Darauf legt Erwin Biedermann besonders großen Wert, dass seine 280 Mutterschafe mit ihren Lämmern nur bestes Gras, immer frische Luft und ausreichend Bewegungsmöglichkeiten zur Verfügung haben.
Die Lämmer habe er bislang noch nicht gezählt, da die letzten erst heute das Licht der Welt erblickt haben. Lässt man seinen Blick über die Herde schweifen, erblickt man überall diese kleinen, staksigen Jungschafe, die umhertollen, immer im sichern Umfeld des Muttertiers.
Voll abgeleckt
„Direkt nach der Geburt wird das Lamm von der Mutter abgeleckt und hat so seinen ganz individuellen Duft, so dass sich beide auch im größten Getümmel sofort wiederfinden.“ erklärt der Schäfer, der diesen Beruf schon seit über 50 Jahren ausführt und seine erste Herde vom Großvater übernahm.

Drillingsgeburten sind selten
Normalerweise wird ein Jungtier, ab und an auch schon mal zwei Lämmer geboren, doch jüngst gesellte sich ein drittes Schäfchen zu seinen Geschwistern. „Drillingsgeburten sind sehr selten und so müssen wir beobachten, ob die Mutter überhaupt ausreichend Milch für alle drei Lämmchen hat.“
Weiter erzählt Anja Selzner mit ein wenig Strahlen in den Augen, dass dann eines von Hand mit der Flasche großgezogen werden muss, woraus natürlich eine ganz besondere Bindung zu dem Tier entsteht.

Nicht jedes Schaf hat einen Namen
Nicht jedes Schaf trägt in der Herde einen Namen, doch stechen einige durch ihren ganz eigenen Charakter so sehr hervor, dass die Namensgebung unausweichlich ist.
So war z.B. „Knubbel“ ein ganz kleines, zartes Lämmchen, das von Hand aufgepäppelt werden musste und sich zu einem recht knubbeligen Bock entwickelte und „Anja“ diejenige ist, die immer an erster Stelle stehen muss (auch hier scheint der Name nicht zufällig gewählt). Weiter gibt es noch „Angelika“, „Ruth“, „Waltraud“ und etliche andere Damen, die sich auf Zuruf gerne ihr Brot bei Erwin und Anja abholen.

Der Beruf Schäfer verlangt vieles ab
Doch wird Biedermann der letzte Schäfer seiner Linie sein. Einen Nachkommen der seine Herde übernehmen wollte, gibt es nicht. Der Beruf verlangt einiges ab. Bei jedem Wetter arbeitet man im Freien, Urlaub und Wochenenden kennt er nicht. Auch entspricht der Verdienst nicht mehr den heuten Ansprüchen. „Schafswolle zu verkaufen lohnt sich heutzutage nicht mehr.“, erzählt er.

Ein Schaf habe ca. 3 kg Wolle und der Verkauf deckte nicht einmal die Kosten für die professionellen Scherer, die einmal jährlich aus Neuseeland kommend durch Deutschland ziehen und Herden im Akkord scheren.
Kein Tier wird geschlachtet
Mit dem Blick auf die kleinen Lämmer geht der Gedanke unweigerlich zum bevorstehenden Osterfest und einhergehend zum Osterlamm. „Nein, bei mir wird kein Tier geschlachtet, das unter einem Jahr ist. Die Kleinen können noch ganz lange springen und toben“.

Ein Satz, mit dem ich mich gerne von Schäfer Erwin, seiner tatkräftigen, helfenden Hand Anja Selzner, den perfekten Beschützern Blacky und Paula mit Dank für den außergewöhnlichen Einblick gerne verabschieden möchte.
von Denise Müller
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