Am Pfingstmontag rückte in Rhade ein besonderes Stück Heimatgeschichte in den Mittelpunkt. Der Heimatverein Rhade hatte zur Besichtigung der Rhader Wassermühle an der Lembecker Straße eingeladen und beteiligte sich damit am Deutschen Mühlentag, dem bundesweiten Aktionstag der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung.
Von 11 bis 18 Uhr konnten Besucher dazu die historische Mühle erleben, ihre Technik kennenlernen und einen Ort besuchen, an dem sich Handwerk, Dorfgeschichte und ehrenamtliches Engagement miteinander verbinden.

Bundesweiter Aktionstag für ein altes Kulturgut
Traditionell öffnen am Pfingstmontag dazu bundesweit rund 650 historische Mühlen ihre Türen. Auch gestern wurden vielerorts Windmühlen, Wassermühlen, Dampf und Motormühlen für Gäste zugänglich gemacht. Betreiberinnen und Betreiber setzten Mahlgänge in Bewegung, ließen Flügel oder Wasserräder laufen und gaben Einblicke in ein Handwerk, das über Jahrhunderte die Versorgung der Bevölkerung geprägt hatte.

Der Deutsche Mühlentag wurde 1994 erstmals bundesweit ausgerichtet. Entstanden war er dabei aus regionalen Mühlenveranstaltungen, die Anfang der 1990er Jahre immer mehr Zuspruch gefunden hatten. Heute ist der Aktionstag ein fester Termin für Mühlenfreunde, Familien und alle, die historische Technik nicht nur aus Büchern kennen möchten.
Grill, Kuchen und Kindertanzgruppe
Auch an der Rhader Wassermühle war der Tag nicht nur informativ, sondern gesellig. Der Heimatverein Rhade startete am Vormittag klassisch mit kalten Getränken, unter anderem Bier vom Fass. Zur Mittagszeit wurden Grillwürstchen und Nackensteaks angeboten, am Nachmittag standen Kaffee und Kuchen bereit.
Zum Programm gehörte außerdem ein Auftritt der Kindertanzgruppe. Damit verband das Fest historische Technik mit dörflichem Leben und einem Angebot für verschiedene Generationen.

Erlös floss in den Erhalt der Wassermühle
Der Erlös des Tages kam wie in den Vorjahren dabei der Erhaltung der Rhader Wassermühle zugute. Das war mehr als ein symbolischer Beitrag. Historische Mühlen benötigen kontinuierliche Pflege, fachkundige Wartung und Menschen, die sich für ihren Erhalt verantwortlich fühlen.

Gerade bei einer Wassermühle zeigt sich, wie eng Bauwerk, Wasserführung, Mechanik und Gelände zusammenhängen. Jede Restaurierung, jede Reparatur und jede Führung dient deshalb nicht nur dem Gebäude, sondern dem Erhalt eines ganzen technischen Kulturdenkmals.
Ein Blick ins Innere der alten Technik
Wer die Rhader Wassermühle besuchte, bekam also nicht nur eine schöne Kulisse zu sehen. Im Inneren wurde deutlich, wie ausgeklügelt die alte Mühlentechnik ist. Korn wurde über Vorrichtungen in den Mahlgang geführt, dosiert und zwischen den Mühlsteinen verarbeitet. Über Spalten, Rüttelvorrichtungen und Siebe ließ sich beeinflussen, wie fein das Mahlgut wurde.
Auch die Geschichte der Anlage reicht weit zurück. Nach Angaben aus der Mühlenführung ist die Mühle nachweislich seit der Zeit um 1600 belegt. Ältere Hinweise und Überlieferungen deuten sogar auf frühere Ursprünge hin. Zudem wurde die Anlage im 18. Jahrhundert technisch verändert. Aus mehreren unterschlächtigen Wasserrädern wurde später ein oberschlägiges System, verbunden mit dem angelegten Mühlteich.
Von der Dorfversorgung zur Denkmalpflege
Die Rhader Wassermühle stand damit exemplarisch für viele historische Mühlen in Deutschland. Was früher demzufolge ein notwendiger Teil der Versorgung war, ist heute Denkmal, Lernort und Treffpunkt. Das alte Müllerhandwerk erzählt von regionaler Landwirtschaft, von Wasser als Energiequelle und von einer Zeit, in der Produktion noch unmittelbar vor Ort sichtbar war.
Dass die Mühle am Deutschen Mühlentag geöffnet werden konnte, war vor allem dem Einsatz des Heimatvereins Rhade zu verdanken. Ohne ehrenamtliche Arbeit wären viele solcher Orte längst stumm geworden.
Alte Mühle, neue Fragen
Zum Abschluss bekam die Rhader Wassermühle in der Gegenwart noch eine besondere Aktualität. In Zeiten, in denen viel über Sicherheit, Versorgung und kritische Infrastruktur gesprochen wird, wirkte eine funktionsfähige historische Mühle plötzlich nicht mehr nur nostalgisch. Sie erinnerte daran, dass regionale Technik und dezentrale Produktionsmöglichkeiten einmal selbstverständlich waren.

Dazu ist die Überlegung bemerkenswert: In einer Krise könnte eine Mühle wie die Rhader Wassermühle grundsätzlich wieder zeigen, wofür sie gebaut wurde, nämlich Getreide zu mahlen und daraus Mehl zu gewinnen. Auch wenn der reguläre Betrieb heute vor allem der Vorführung und dem Erhalt dient, machte dieser Gedanke deutlich, welchen Wert solche technischen Denkmäler haben. Sie bewahren nicht nur Geschichte. Sie bewahren Wissen, handwerkliche Fähigkeiten und ein Stück Unabhängigkeit.




























