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Vom Schichtdienst auf die Kunstbühne der Welt: Soppi startet auf Fürst Leopold durch

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Noch vor zwei Jahren verkaufte Daniel Sopczak seine Fotografien auf kleinen Kunst- und Trödelmärkten in der Region. Inzwischen hat der Marler in Dubai und Miami ausgestellt, internationale Sammler begeistert und Werke für mehrere Tausend Euro verkauft. Nun eröffnet er auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Fürst Leopold seine eigene Galerie und zeigt seine erste große Einzelausstellung in Dorsten. Für die Vernissage verlost Dorsten-Online zweimal zwei VIP-Karten.

Daniel Sopczak, den alle nur Soppi nennen, sitzt entspannt in der Kaue des CreativQuartiers Fürst Leopold. Auf seinen Armen und im Gesicht leuchten zahlreiche kleine, farbenfrohe Kunstwerke. Sobald der 40-Jährige über seine Fotografien spricht, verändert sich seine Haltung. Seine Augen strahlen, jedes Bild hat eine Geschichte. Stolz ist dabei, vor allem aber Begeisterung.

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„Bei meiner Kunst bin ich sehr zielstrebig. Ich weiß genau, was ich möchte“, sagt Sopczak. Ansonsten sei er durchaus ein bequemer Mensch, fügt er mit einem Lächeln hinzu. Doch wenn es um seine Bilder geht, gibt es keine Kompromisse. Fotografien, Drucke und Rahmungen müssen perfekt zusammenspielen. Vieles lässt er eigens anfertigen.

Dass seine Werke heute mehrere Tausend Euro kosten und Käufer aus aller Welt finden, hätte er sich vor zwei Jahren selbst kaum vorstellen können.

Der Zusammenbruch wird zum Wendepunkt

Soppi ist gelernter Chemikant. Viele Jahre arbeitete er in wechselnden Schichten in unterschiedlichen Industriebetrieben. Der Beruf erfüllte ihn nicht. Schlafmangel, Unzufriedenheit und Depressionen bestimmten zunehmend seinen Alltag.

Den Moment, an dem es nicht mehr weiterging, kann er bis heute auf den Tag genau benennen.

„Am 31. Mai 2024 war es. Ich sollte zur Nachtschicht, hatte aber einen richtigen Zusammenbruch“, erzählt er. „Wenn ich gefahren wäre, wäre ich nicht mehr zurückgekommen.“

Er blieb zu Hause, kündigte und konzentrierte sich auf seine Genesung. Es folgte unter anderem eine Reha in Gelsenkirchen. In dieser schwierigen Zeit nahm er immer häufiger die Kamera mit.

Die Leidenschaft für die Fotografie hatte ihm bereits sein Vater mitgegeben. Wegen der Arbeit war sie jedoch lange in den Hintergrund geraten. Nun wurde sie zu einem wichtigen Teil seines Neuanfangs.

„In dieser Zeit habe ich ganz viele Fotos gemacht und gemerkt, wie sich mein ganzes Mindset verändert hat“, sagt Soppi. Dann wird seine Stimme ernst: „Die Fotografie hat mir das Leben gerettet.“

Foto: Borgwardt

Von Ückendorf nach Dubai

Seine ersten gerahmten Bilder verkaufte Soppi für 25 oder 30 Euro auf Märkten in Gelsenkirchen-Ückendorf und anderen Städten der Region. Häufig waren die Arbeiten schon am ersten Tag ausverkauft.

Auf einem dieser Märkte wurde Thomas Wirth, ein renommierter Düsseldorfer Künstler, auf ihn aufmerksam. Er lud Sopczak zu einer Ausstellung in den Medienhafen ein und stellte ihn dort in etablierten Kunstkreisen vor. Von diesem Moment an nahm seine Laufbahn rasant Fahrt auf.

Ausstellungen in München, Köln und Essen folgten. Dann erfüllte sich Sopczak einen Traum und präsentierte seine Arbeiten auf einer Kunstmesse in Dubai.

„Meine Eltern dachten: Jetzt hebt er ab“, erzählt er lachend.

Doch statt sich auf dem Erfolg auszuruhen, ging er das nächste Risiko ein. Für eine Ausstellung in Miami setzte Sopczak finanziell fast alles auf eine Karte.

„Wenn das schiefgegangen wäre, wäre ich erledigt gewesen.“

Zunächst sah es tatsächlich danach aus. Wegen des amerikanischen Thanksgiving-Feiertages drohten seine Kunstwerke im Zoll hängen zu bleiben. Erst am Morgen des ersten Ausstellungstages kamen die Bilder am Veranstaltungsort an. Die Präsentation konnte stattfinden und wurde schließlich doch noch zu einem großen Erfolg.

Kein Photoshop und keine künstliche Intelligenz

Rund 90 Prozent seiner Werke entstehen auf klassischem 35-Millimeter-Film. Photoshop und künstliche Intelligenz lehnt Sopczak für seine Kunst ab. Seine Motive sollen ehrlich bleiben.

Trotzdem wirken viele Fotografien, als seien sie aufwendig komponiert worden. Leuchtende Farben, klare Linien, Spiegelungen und perfekt eingefangene Bewegungen verbinden sich zu Bildern, die teilweise an Gemälde erinnern.

Manchmal hilft der Zufall. Häufig braucht es vor allem Geduld.

Für ein Motiv des Eiffelturms fuhr Sopczak zwei Tage lang immer wieder mit der Pariser Métro. Erst nach mehreren Filmen passten Licht, Bewegung und Linienführung so zusammen, wie er es sich vorgestellt hatte.

Foto: Borgwardt

Auch bekannte Wahrzeichen tauchen in seinen Arbeiten auf. Der Eiffelturm, das London Eye, die HMS Belfast oder der Tower of London sind jedoch nie so zu sehen, wie man sie aus Reiseführern kennt. Sie erscheinen zwischen Straßenschluchten, Fenstern, Fahrzeugen, Menschen und überraschenden Lichtstimmungen.

Besondere Filme sorgen zusätzlich für Farbverschiebungen und ungewöhnliche Effekte. Manche Rollen sind bereits vorbelichtet. Andere reagieren ganz eigen auf Licht und Wetter. Dadurch entstehen kleine Details, die sich erst beim längeren Betrachten erschließen.

Straßenfotografie mit Wurzeln in der Hip-Hop-Kultur

Soppi liebt die Straßenfotografie. Seine Einflüsse kommen aus der Hip-Hop-Kultur, aus Graffiti, Musik und urbanem Leben. Sehenswürdigkeiten interessieren ihn weniger als die Szenen, die sich zufällig um sie herum entwickeln.

Er sucht nach Blicken, Bewegungen und Momenten, die oft nur den Bruchteil einer Sekunde existieren. Mal schwebt ein Linienflugzeug über einer Fast-Food-Filiale. Mal verwandelt ein Regenguss eine Straße in Tokio in ein Meer aus Neonfarben und Spiegelungen.

Gerade weil diese Augenblicke nicht geplant werden können, wirken die fertigen Bilder häufig so außergewöhnlich. Sopczak hält urbane Szenen fest, die real sind und trotzdem beinahe unwirklich erscheinen.

Das London Eye – aber ganz anders, als gewohnt. Foto: Borgwardt

Zurück zu den Wurzeln auf Fürst Leopold

Seine Galerie und sein Büro hat Soppi inzwischen im CreativQuartier Fürst Leopold eingerichtet. Die Wahl des Standortes war bewusst.

„Als Sohn eines Bergmanns war für mich klar: zurück zu den Wurzeln“, sagt er. Die alten Industriegebäude seien der ideale Rahmen für seine rohe und unverfälschte Fotokunst.

In Dorsten möchte er künftig nicht nur seine eigenen Arbeiten zeigen. Geplant sind weitere Ausstellungen, Veranstaltungen und soziale Projekte. Besonders wichtig ist ihm das Projekt „Kinderalltag im Fokus“. Dabei sollen Kinder ihr eigenes Leben fotografieren. Der Erlös aus den späteren Ausstellungen soll vollständig Projekten für benachteiligte Kinder zugutekommen.

Zunächst steht jedoch seine eigene große Ausstellung im Mittelpunkt. Am Samstag, 18. Juli, findet in der Kaue eine Vernissage für geladene Gäste statt. Am Sonntag, 19. Juli, ist die Ausstellung von 11 bis 15 Uhr für alle Interessierten geöffnet. Parallel feiert „CACO – Coffee on Sunday“ Premiere. Zwischen Young- und Oldtimern gibt es Kaffee, Kuchen, Speisen und Getränke.

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