Eine Rotkehlchenfamilie bekommt ein neues Zuhause

Große Freude hatten wir neulich, als bei uns im Garten drei gesunde Rotkehlchen geschlüpft sind. Bis zuletzt waren wir uns unsicher, ob sie überhaupt zur Welt kommen.

Seit Langem schon stand die Erneuerung unseres Gartenschuppendaches an. Vor vier Wochen kündigte unser Vermieter die Handwerker dann recht kurzfristig an. Das war mir und meinem Lebensgefährten ganz recht.

Nest in Gefahr

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten – zwei Rotkehlchen hatten das Schuppendach als Heimat für ihr Nest erwählt. Ich hatte einmal ein Rotkehlchen mit vollem Schnabel dort hochfliegen sehen. Das machte mich stutzig. Noch während die Handwerker ihr Werkzeug holten, schnappte ich mir eine Leiter und schaute nach.

Tatsächlich: Ich fand ein Nest vor, mit vier Eiern darin. In einer Aktion des blinden Aktionismus zog ich Handschuhe an und sicherte das Nest mit den Eiern. Ich wollte sie nur retten. Vorsichtig legte ich das warme Nest an einem geschützten Platz in unserem Garten ab.

Rotkehlchen auf unermüdlicher Suche

Zwei Tage brauchten die Handwerker für ihre Arbeit. Zwei Tage, in denen die Rotkehlchen suchend den Garten durchflogen. Das Nest fanden sie nicht. Mit Fertigstellung der Arbeiten suchte die Mutter verzweifelt den Eingang ihres Heims, das dort nicht mehr zu finden war.

Was tun? Das Nest musste wieder an seinen alten Platz. Doch der war durch die fertigen Arbeiten nicht mehr erreichbar. Ich war traurig – holte sofort das Nest aus der geschützten Ecke hervor und bastelte mit meinem Lebensgefährten aus einem kaputten Tontopf und anderem „Schrott“, den wir fanden ein kleines Vogelheim. Dieses platzierten wir circa einen Meter unter dem ursprünglichen Ort. Vorsichtig legte ich das Nest in das neue Häuschen und hoffte auf ein Wunder.

Rotkehlchen brüten in neuem Heim

Und siehe da: Das Wunder geschah. Die Rotkehlchen fanden das Nest und nahmen es an. Sie brüteten. Etwas länger als zwei Wochen saß die Vogelmama auf ihren Eiern. Geduldig. Ab und zu skeptisch schauend. In der Zwischenzeit brachte der Papa Nahrung und achtete darauf, dass niemand dem Nest zu nahe kam. Wenn doch, gab er ein lautes zirpendes Geräusch von sich, um jeden Störenfried zu verjagen.

Rotkehlchen Rettung
"Essen auf Flügeln" - Für den Futternachschub sorgt der Vogelpapa.
Foto: Marie-Therese Gewert
„Essen auf Flügeln“ – Für den Futternachschub sorgt der Vogelpapa.
Foto: Marie-Therese Gewert

Nach zwei Wochen wurden wir langsam unruhig. Eigentlich hätten die Jugen schon geschlüpft sein sollen. Wir dachten schon, alles sei vergeblich gewesen. Aber die Vogelmama ließ sich nicht beirren, saß weiter unermüdlich auf ihren Eiern.

Die Natur geht ihren eigenen Weg

Eines Morgens wagte ich einen kurzen Blick in das Nest und siehe da: Die Eier waren zerbrochen. Stattdessen schauten wir auf ein nacktes Wirrwar von Schnäbeln und Krallen. Die kleinen Nestlinge waren wirklich geschlüpft. Fleißig fütterten die Eltern ihre Jungen abwechselnd. Manchmal huderte die Mutter sie, heißt, sie nahm sie noch einmal unter ihre Fittiche. Schenkte ihnen als liebende Mutter Wärme.

Wir hätten sie gern noch viel mehr beobachtet und am Familienleben der kleinen Vögelchen „teilgenommen“. Aber die Natur geht ihre eigenen Wege. Nach zwei Tagen Regenwetter schauten wir erstmals wieder nach „unseren“ Rotkehlchen und stellten fest, dass sie das Nest schon verlassen hatten.

Uns haben sie aber nicht ganz verlassen, denn wir sehen sie nach wie vor regelmäßig in unserem Garten umherfliegen.

Jetzt wünschen wir den Piepmätzen einen guten Start ins Leben. Ende gut. Anfang gut.

Rotkehlchen Rettung
Selbstgebauter Notbehelf: Den Rotkehlchen scheint es zu gefallen. Um sie nicht zu stören, bin ich mit der Kamera nicht zu nah ans Nest gegangen. 
Foto: Marie-Therese Gewert
Selbstgebauter Notbehelf: Den Rotkehlchen scheint es zu gefallen. Um sie nicht zu stören, bin ich mit der Kamera nicht zu nah ans Nest gegangen.
Foto: Marie-Therese Gewert
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Marie-Therese Gewert
Hallo, ich bin Marie. Schon während meines Studiums in Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule schlug mein Herz für die Geschichten der Menschen. Als freie Mitarbeiterin war ich während meines Studiums stets für die WAZ Dorsten unterwegs. Danach zog es mich nach Kassel zum Volontariat bei der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen, kurz HNA. Im Dezember 2017 wurde ich in einer Kommunikationsagentur in Düsseldorf tätig. Im Mai 2018 entschied ich mich für die Selbstständigkeit. Seither arbeite ich für verschiedene Auftraggeber, journalistisch und beratend. Ich schreibe für dorsten-online.de, weil die Plattform von Menschen aus der Heimat für Menschen aus der Heimat gemacht wird. Ich freue mich, Sie mit Beiträgen und Informationen aus der Region versorgen zu dürfen. Anregungen, Fragen und Hinweise nehme ich gerne entgegen. Marie-Therese Gewert

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