Schildkröten sind mittlerweile zu lebender Wegwerfware geworden. Massenzüchtungen und falsche Tierhaltung sorgt für volles Haus in der Schildkrötenauffangstation bei Barbara Klobusch in Dorsten.
Die Interessengemeinschaft Schildkrötenschutz und Nachzucht e. V. und die Schildkrötenauffangstation Dorsten e. V. veranstalteten in diesem Jahr zum zweiten Mal gemeinsam ein NRW – Schildkrötenwochenende.

Dorsten/Schermbeck. Einblicke, Vorträge und viele Informationen rund um die letzten Dinosaurier unserer Zeit, die Schildkröte, gab es für alle schildkrötenbegeisterten Besucher am Samstag am Brückenweg in Schermbeck und in Dorsten.
37 freiwillige Helferinnen und Helfer waren im Einsatz und sorgten für das Wohl der zahlreichen Besucher aus ganz Deutschland.
Schildkröten boomen
Auf die Frage, ob es viele Menschen gibt, die sich für diese Tiere interessieren antwortet Barbara Klobusch (49 J.) von der Schildkrötenauffangstation Dorsten: „Ich habe in der Hauptsaison von März bis Oktober rund zehn bis 20 Anfragen, ob ich Tiere aufnehmen kann, sowie Fragen über Haltung und ausgesetzte Tiere. Es werden von Jahr zu Jahr mehr Menschen, die sich so ein Tier als Haustier kaufen“.

Schildkröten boomen und sind der Renner. „Es wird mit dem Tier etwas Schönes verbunden. Im Gegensatz zu Schlangen und Spinnen“, weiß Thorsten Steckelbeck, 2. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schildkrötenschutz und Nachzucht e.V. Bottrop, zu berichten.
Auf Tiermärkten verkauft
Fakt ist aber auch, dass in der Tierhaltung viele Fehler gemacht werden. Wie zum Beispiel nach einem Schnellkauf in Baumärkten von Wasserschildkröten, die aus Zuchtfarmen der USA stammen, oder Landschildkröten aus Slowenien und Tschechien. „Diese Tiere werden in Massen ausgebrütet und auf Tiermärkten, wie in Lembeck, für fünf Euro verkauft. Teilweise mit viel zu kleinen Aquarien. Fakt ist aber, dass Schildkröten wachsen, anfangen an zu stinken und die Aquarien zu klein sind“, so Barbara Klobusch.
Ausgesetzte Tiere in Teichen
Sie ist dann die Person, die anschließend die Tiere in ihrer Auffangstation vor die Tür gestellt bekommt. Dies findet die Barbara Klobusch sehr traurig, denn: „Diese Tiere gehören heute zu lebendiger Wegwerfware“. Ausgesetzte Tiere in Teichen und Seen haben laut Tierarzt Ingo Diegel aus Schwelm, kaum eine Überlebenschance. „Schildkröten brauchen hohe Umgebungstemperaturen, Sonne und Wärme, im Winter kühle Temperaturen. Dies gilt nicht für Tiere aus den Tropen, denn das wäre der sichere Tod“.

Die letzten Dinosauerier
Ausgesetzt werden hauptsächlich Wasserschildkröten und europäische Landschildkröten. Rund 120 Tiere hat die Dorstenerin in ihrer Station. Es könnten 500 bis 600 pro Jahr sein, dafür aber reiche einfach nicht die Kapazität in der Station im Dorstener Auffanglager. Europäische Schildkröten erreichen in der Regel ein Durchschnittsalter von 80 bis 90 Jahre. „Die Faszination ist, dass diese Tiere Ruhe ausstrahlen und den Halter näher an die Natur führen“, so Stackelbeck.

Begeistert von diesen Tieren ist auch Gunda Meyer Rojas aus Bad Nenndorf. Sie ist Buchautorin und hat ihre Schildkröte mit zwölf Jahren bekommen. „Das Tollste an diesen Tieren ist, dass sie einen ein Leben lang begleiten. Mittlerweile ist meine Schildkröte 40 Jahre alt, mehrfache Mutter und Großmutter, und ich auch“, so Meyer-Rojas lachend.
Weitere Informationen rund um die Schildkröte gibt es auf der Homepage der Interessengemeinschaft Schildkrötenschutz und Nachzucht e. V. unter:
www.ig-schildkroetenschutz.de
Petra Bosse




























