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Stadt Dorsten trauert um Rolf Abrahamsohn

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Bürgermeister Stockhoff: „Er hat aus seinem Leben ein Vermächtnis gemacht“. Flaggen werden am 29.12.2021 auf Halbmast gesetzt

Totengeläut der Stadtpfarrkirche St. Agatha als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung

Dorsten (pd). Gemeinsam mit Angehörigen, Freunden und der Jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen trauern Bürgerschaft, Rat und Verwaltung der Stadt Dorsten um Rolf Abrahamsohn, der am Donnerstag, dem Tag vor Heiligabend, im Alter von 96 Jahren gestorben ist.

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Rolf Abrahamsohn und Bürgermeister Tobias Stockhoff im Februar 2016 beim 90. Geburtstag von Schwester Johanna. Foto: Elisabeth Cosanne-Schulte-Huxel

Abrahamsohn, Kind einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Marl, überlebte in der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten mehrere Vernichtungslager. Nach dem Krieg kehrte er zurück nach Marl, setzte sich in der Region unermüdlich ein gegen das Vergessen und zugleich für Versöhnung. Dafür wurden ihm unter anderem der Titel „Vestischer Ehrenbürger“ des Kreises Recklinghausen und der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen.

Jüdischen Museum

Sein Weg führte ihn oft nach Dorsten: Intensiv begleitete er die Gründung und das Werden des Jüdischen Museums. Mit dessen langjähriger Leiterin und Dorstener Ehrenbürgerin Schwester Johanna Eichmann – vor zwei Jahren wie Abrahamsohn am Tag vor Heiligabend verstorben – verband ihn eine tiefe Freundschaft. Oft hat er auch hier in der Stadt als Zeitzeuge über sein Leben erzählt.

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Rolf Abrahamsohn und Schwester Johanna Eichmann. Foto: Elisabeth Cosanne-Schulte-Huxel

Bürgermeister Tobias Stockhoff ist betroffen von dem Verlust: „Rolf Abrahamsohn wird uns fehlen. Er hat aus seinem Leben ein Vermächtnis und einen Auftrag an die Nachgeborenen gemacht. Als Zeitzeuge hat er die Erinnerung an die Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur wachgehalten. Es war ihm besonders wichtig, jungen Menschen davon zu erzählen, welche Gräuel er selbst erlebt hat – auch wenn es ihm persönlich schwerfiel, darüber zu sprechen. Der notwendige Blick in die Vergangenheit war bei ihm aber vor allem auch ein Blick in die Zukunft. Eine Zukunft ohne Krieg, Antisemitismus, Ausgrenzung. Für diese Botschaften hat er gelebt. Wir werden ihn in ehrender Erinnerung behalten als herausragende Persönlichkeit und wir werden sein Lebenswerk fortsetzen.“

Rolf Abrahamsohn wird am Mittwoch, 29. Dezember, auf dem Jüdischen Friedhof in Recklinghausen beigesetzt. An diesem Tag werden die Fahnen am Dorstener Rathaus und der Hauptfeuer- und Rettungswachse auf Halbmast gesetzt und die Stadtpfarrkirche St. Agatha wird um 11.30 Uhr die Toten- und Auferstehungsglocke als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung läuten.

Dechant Dr. Stephan Rüdiger: „Rolf Abrahamsohn hat sich nicht allein im politischen Sinne für Erinnerung und Versöhnung eingesetzt, sondern auch als zutiefst gläubiger Mensch. Er hat die Jüdische Kultusgemeinde Recklinghausen mit aufgebaut, hat sie viele Jahre als Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender geprägt. Auch im Vorstand der Jüdischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit war er engagiert und hat Austausch, Dialog und Verständnis zwischen den Religionen und Kulturen gefördert.“

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