„Frühlings Erwachen“

Standing Ovation gab es nach knapp zwei Stunden Theater in der Aula des Gymnasium Petrinum – und das mit absoluten Recht:

(Dorsten). Was die jungen Darsteller unter der Leitung des Theater-Pädagogen Anton Richard auf die Beine gestellt und inszeniert haben, übertraf Anspruch- und Erwartungshalten der zahlreichen Zuschauer, die das Stück an beiden Veranstaltungstagen gesehen haben.

Sowohl beim Auftakt des Schultheater VESTivals im Theater Marl, als auch beim Heimdebüt in der Petrinum Aula, überzeugten die 15 Darsteller aus den Klassen 8-10 durch starke schauspielerische Leistung und offensichtlicher Spielfreude bei einem wirklich nicht leicht umzusetzenden Stück.

Und weil es so gut ankam und es zahlreiche Nachfragen gab, wurde auch kurzerhand ein Zusatztermin anberaumt: Am Mittwoch, 10.07.19 um 19:00 Uhr wird es eine weitere Vorstellung geben.

„Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie“ erschien im Jahre 1891(!) und erzählt die Geschichte einiger Jugendlicher, die im Zuge ihrer Pubertät mit typischen Problemen konfrontiert sind: Sexuelle Neugier, Unverständnis seitens der Eltern, Desinteresse der Lehrer und das alles in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche in keinster Weise aufgeklärt wurden.

Auf der Suche nach Antworten

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der 14jährige Melchior Gabor (Felix Brömmelhaus), sein 15 jähriger Freund Moritz Stiefel (Amin Eftekharzahdeh) und die ebenfalls 14 jährige Wendla Bergmann (Lina Kempchen), die letztendlich vergeblich versuchen, auf all ihre drängenden Fragen eine Antwort zu bekommen.

Frank Wedekind brach manches Tabu, als er mit diesem Stück die bornierten Moralvorstellungen des 19. Jahrhunderts anprangerte und seine eigenen Erfahrungen mit den ihm verhassten Lehrern einfließen ließ.

Einfühlungsvermögen und Empathie

Ein solches Stück mit einer teils veralteten Sprache von einer Gruppe 14-16jähriger Schüler einzustudieren, erfordert eine Menge Mut und vor allem Einfühlungsvermögen und Empathie – Eigenschaften, die Anton Richard als Leiter der Theater-AG ausmachen. Ihm gelang es ebenfalls, genügend Hintergrundwissen zu vermitteln, die für die Deutung des Textes von Nöten sind.

Die Hänschen-Rilow-Szene schrieb er auf zu einem Dialog zwischen Model Ilse (Johanna Elter) und Schülerin Martha (Jana Kötters) um, die Anspielungen auf den „Faust“ übernahm er hier sehr gekonnt.

Gänsehaut pur

Auch die letzte Szene wurde brillant geändert. Wo im Original ein vermummter Herr das Ende zum Guten wendet, lässt Anton Richard das Ende offen: Sein Vermummter erinnert an Mephisto und rezitiert gar Sätze aus Klaus Kinskis „Erlöser“

Gänsehaut pur: die drei absolut überzeugenden Hauptdarsteller und ein Vermummter Herr – das Finale des Stückes elektrisierte die Zuschauer, zog sie tief in den Bann der Tragödie und setzte dem durchweg sehr gut gespieltem Stück die Krone auf.

Das Bühnenbild wurde unter der Leitung von Frau Timmermann gestaltet und überzeugte durch seine einfache und schlichte Gestaltung. Licht und Ton inszenierte Justin Wofram aus Gladbeck und rundete damit die ganze Aufführung perfekt ab.

Wer sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen möchte, sollte sich den 10.07.19 vormerken und die letzte Aufführung dieses Stückes besuchen.

In weiteren Rollen. Hilal Sahintürk, Dilara Olgac, Melina Oswald, Lisa Möllmann, Dominik Wasczyk, Svenja Busch, Tom Kötters, Merve Görken und Sadije Takova

Text und Foto: Melanie Brömmelhaus

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