Die Stadt Dorsten hat das traditionsreiche Franziskanerkloster in der Altstadt erworben. Damit bleibt nicht nur ein städtebaulich prägendes Gebäude in kommunaler Hand, sondern auch die jahrhundertealte Präsenz des Franziskanerordens in Dorsten langfristig gesichert. Der Stadtrat beschloss den Kauf bereits am 23. Oktober in einer Sondersitzung – mit großer Mehrheit und nur einer Gegenstimme.
Bürgermeister Tobias Stockhoff bezeichnete den Ankauf als „wichtige Zukunftsentscheidung für Dorsten“. Das Kloster, das seit 1488 ununterbrochen von Franziskanern bewohnt wird, gilt als das älteste durchgehend bestehende Franziskanerkloster Deutschlands. „Viele Ratsmitglieder haben betont, dass ein so wichtiger Ort nicht in fremde Hände fallen darf“, so Stockhoff. Die Stadt sichere damit ein Stück Geschichte, das seit Jahrhunderten eng mit der sozialen, kulturellen und religiösen Identität Dorstens verbunden sei.

Auch für die Zukunft bleibe das Kloster ein Ort des Miteinanders: Die Brüder werden weiterhin dort leben und seelsorgerisch wirken. „Die Franziskaner bleiben Dorsten erhalten und müssen die Stadt nicht verlassen“, betonte der Bürgermeister.
Vom Caritasverband zurück an die Stadt
Das Gebäudeensemble aus Kloster, Kirche St. Anna und der Klosterpassage mit drei Ladenlokalen gehörte bislang dem Caritasverband Dorsten. Caritas-Geschäftsführerin Beate Jussen erinnerte daran, dass der Orden bereits 1998 über eine mögliche Aufgabe des Standorts nachgedacht habe. Unter ihrem Vorgänger Klaus Schrudde hatte die Caritas das Kloster 2020 übernommen. Ursprünglich gab es die Idee, dort Räume für Kinder- und Jugendarbeit zu schaffen.

Da die Franziskaner sich später für einen dauerhaften Verbleib entschieden, bot die Caritas die Immobilie erneut zum Verkauf an – diesmal direkt der Stadt. „Das ist keine beliebige Immobilie“, sagte Technischer Beigeordneter Holger Lohse. „Die Franziskaner haben über Jahrhunderte ihren Fußabdruck in Dorsten hinterlassen.“
Architektonisches Erbe und gutes bauliches Fundament
Das Kloster wurde Ende der 1970er Jahre nach Plänen des Dorstener Architekten Manfred Ludes errichtet und steht seit 2020 unter Denkmalschutz. Lohse lobte die „spannende Architektursprache“ und den gelungenen Umgang mit dem Stadtraum. Besonders angetan zeigte er sich vom Granatapfelbrunnen des Berliner Künstlers Paul Brandenburg. Dieser ist auch heute noch als Skulptur vor dem Kloster erhalten geblieben.

Der Bauzustand gilt als sehr gut. „Nicht immer bin ich mit so viel Herzblut in eine Debatte gegangen“, gestand Lohse, „aber bei diesem Projekt brenne ich wirklich dafür.“
Nutzungsperspektiven für soziale und kulturelle Zwecke
Das Kloster soll auch künftig sozial, kulturell und gemeinschaftlich genutzt werden. Geplant sind etwa Beratungsräume, Tagungs- und Vereinszimmer sowie Depots für das Stadtarchiv. Auch kleinere Verwaltungseinheiten könnten dort bürgernah untergebracht werden.

Das leerstehende Ladenlokal in der Klosterpassage könnte künftig soziale Aufgaben übernehmen – etwa als Kleiderkammer oder Erweiterung des Kunst- und Kulturzentrums „franz“. Die anderen Mieter, darunter der Modellbahnladen, bleiben erhalten. Insgesamt verfügt das Ensemble über 384 Quadratmeter Gewerbefläche und 663 Quadratmeter Wohnfläche, darunter die Räume der acht Franziskanerbrüder.

Für erste Umbauten hat der Rat 100.000 Euro bewilligt. Bereits zuvor hatte die Caritas einen sechsstelligen Betrag in Modernisierungen investiert.
„Der Herrgott erfreut sich an allen schönen Dingen“
Pater Heribert, einer der acht in Dorsten lebenden Franziskaner, blickte bei der Pressekonferenz im Alten Rathaus dankbar in die Zukunft. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Stadt und auf neues Leben im Kloster.“ Weltliche Veranstaltungen in der Klosterkirche sieht er gelassen: „Der Herrgott erfreut sich an allen schönen Dingen.“

Er erinnerte daran, dass die Franziskaner einst als Friedensstifter nach Dorsten geholt wurden und 1642 das Gymnasium Petrinum gründeten. Der heutige Klosterbau aus den 1970er Jahren sei für die älteren Brüder ein idealer Lebensort: „Ein Ort der Ruhe, aber auch der Offenheit.“

Symbolträchtiger Ankauf
Der Kaufpreis bleibt vertraulich, doch Bürgermeister Stockhoff machte deutlich, wie sehr der Erwerb über das Finanzielle hinausgeht: „Raesfeld hat sein Schloss gekauft, Oberhausen verhandelt über ein Rotlichtviertel – da steht Dorsten mit seinem Kloster auch gut da.“
Mit dem Ankauf, so sind sich alle Beteiligten einig, hat Dorsten nicht nur ein Baudenkmal gesichert, sondern auch ein Stück lebendige Stadtgeschichte bewahrt – und der Zukunft des Franziskanerordens vor Ort eine stabile Heimat gegeben.




























