Die Verbraucherzentrale Dorsten blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Mit insgesamt 3126 bearbeiteten Anliegen war das Beratungsteam rund um Leiterin Ruth Pettenpohl und Beraterin Sonja Lichtenberg stark gefordert.
Besonders die Nachwirkungen der Energiepreiskrise, irreführende Vertragsmaschen sowie Fragen rund um den Glasfaserausbau beschäftigten viele Dorstener.
Energiepreise: Verträge prüfen, Rechte durchsetzen
Rund 57 Prozent aller Anfragen betrafen die gestiegenen Energiepreise infolge des Ukrainekriegs. Zwar habe sich die Lage 2025 beruhigt, so Pettenpohl, doch im Jahr 2024 sei die Unsicherheit groß gewesen. Viele Anbieter erhöhten ihre Preise teils ohne rechtliche Grundlage – was zu erheblichen Belastungen führte.
Ein besonders drastisches Beispiel: Eine Dorstenerin, die anonym bleiben möchte, erhielt von ihrem Versorger E.VITA eine Schlussrechnung über fast 5000 Euro – trotz Kündigung. Der tatsächliche Verbrauch war weit geringer, wie ein Nachbar mit täglich dokumentierten Zählerständen belegen konnte. Doch weder E.VITA noch der Netzbetreiber WestNetz reagierten. Erst nach mehreren Schreiben und dem Gang zur Energieschlichtungsstelle NRW bekam die Frau recht: E.VITA musste 1193,36 Euro erstatten.
„Für viele war es wichtig, dass sie hier vor Ort eine Anlaufstelle hatten, die ihnen zuhört und hilft“, sagt Sonja Lichtenberg. „Wir haben Verträge geprüft, juristische Formulierungen erklärt und im Notfall auch Musterbriefe aufgesetzt.“
Täuschung statt Tarifwechsel: Die Masche der 1N Telecom
Auch Schreiben der Firma 1N Telecom sorgten für Ärger. Viele hielten die Briefe zunächst für echte Angebote der Deutschen Telekom. Tatsächlich wurden die Empfänger aufgefordert, ihren bisherigen Anschluss zu kündigen und einen neuen bei 1N Telecom zu beauftragen. Wer nicht reagierte, bekam wenig später Mahnungen und angebliche Schadensersatzforderungen. In der Beratungsstelle erhielten Betroffene Unterstützung – unter anderem mit Musterschreiben, um sich gegen die Forderungen zu wehren. Die Verbraucherzentrale NRW reichte Klage gegen das Unternehmen ein.
Erfolg für Mieter: Nebenkostenprivileg abgeschafft
Ein großer Erfolg für die Verbraucherschützer war die Abschaffung des sogenannten Nebenkostenprivilegs. Seit Juli 2024 dürfen Vermieter die Kosten für den Kabel-TV-Anschluss nicht mehr pauschal über die Nebenkosten abrechnen. „Jetzt zahlen Mieter nur noch für das, was sie auch wirklich nutzen“, so Pettenpohl. Zuvor war es gängige Praxis, dass Mieter für TV-Anschlüsse zahlten, auch wenn sie diese gar nicht verwendeten.
Glasfaser-Ausbau: Viele Fragen, wenig Klarheit
Auch der schleppende Glasfaserausbau in Dorsten führte zu zahlreichen Anfragen. Wer muss sich anschließen lassen? Was passiert bei einem Anbieterwechsel? Und was kostet das Ganze eigentlich? Die Verbraucherzentrale organisierte Gespräche mit Netzbetreibern und informierte zu Rechten, Kosten und möglichen Vertragsfallen. „Wichtig ist: keinen Vertrag an der Haustür unterschreiben. Man sollte sich immer schriftliche Angebote geben lassen“, rät Pettenpohl.
Neben der persönlichen Beratung bietet die Verbraucherzentrale auch digitale Hilfe an: Auf der Internetseite finden sich unter anderem Selbstkurse zur elektronischen Patientenakte, zur Einschätzung des Pflegegrads sowie ein Fake-Shop-Finder.
Typische Probleme 2024
Im Jahresbericht 2024 werden weitere Problemfelder aufgeführt:
Falschlieferungen im Onlinehandel: Statt des bestellten Smartphones lag plötzlich ein Gurkenglas im Paket. Der Rat der Verbraucherzentrale: Alles dokumentieren, Anzeige erstatten und auf Rückerstattung bestehen.
FTI-Insolvenz: Nach der Pleite des Reiseveranstalters war unklar, wer Anspruch auf Rückzahlung hat – vor allem bei individuell gebuchten Einzelleistungen.
Zeitschriftenabos: Viele Verbraucher erhielten Rechnungen für angeblich kostenlose Probeabos, die sie nie aktiv abgeschlossen hatten.
Babboe-Lastenräder: Wegen Sicherheitsmängeln wurde der Verkauf gestoppt. Die Beratungsstelle informierte über Gewährleistung und rechtliche Möglichkeiten.
Sparverträge mit falschen Zinsklauseln: Viele ältere Verträge enthielten unzulässige Klauseln. Die Zentrale half, Nachberechnungen durchzusetzen.
Fazit: Nah am Alltag der Menschen
Die Verbraucherzentrale Dorsten bleibt ein verlässlicher Partner in schwierigen Zeiten. Mit viel Engagement und rechtlicher Expertise steht das Team den Bürgern zur Seite – egal, ob es um fragwürdige Energieverträge, betrügerische Anbieter oder neue Gesetze geht. „Wir setzen uns dafür ein, dass niemand mit seinen Problemen allein bleibt“, betont Ruth Pettenpohl.




























