Ob Strom, Erdgas, Heizöl oder Benzin – alle Energieträger sind in den vergangenen Monaten deutlich teurer geworden. Erhöhte Abschlagszahlungen, Belieferungsstopps durch einige Energieversorger und hohe Ersatz- und Grundversorgungstarife für Neukunden treffen auch die Menschen in Dorsten hart.
„Viele Betroffene kommen mit ihren Problemen zu uns“, erzählt Ruth Pettenpohl, Leiterin der Beratungsstelle Dorsten der Verbraucherzentrale NRW. „Die Menschen sind plötzlich mit sehr viel höheren Energiekosten konfrontiert und fühlen sich der Situation hilflos ausgeliefert.“
Sie berichtet von einer Dorstenerin, die trotz zweier Aushilfsjobs nun fast die Hälfte ihres kleinen Auskommens für Energiekosten aufbringen müsse und damit völlig überfordert sei. Und das sei nur ein Fall von vielen – die Dorstener Verbraucherzentrale wird derzeit von Anfragen überschwemmt. Oft sind es Kunden von „Energiediscountern“ aus dem Internet, die unter besonders ungünstigen Verträgen leiden. „Leider trägt die aktuelle Situation mit dem Ukrainekrieg nicht gerade zur Verbesserung dieser Krise bei“, erklärt Ruth Pettenpohl, Beratungsstellenleiterin in Dorsten.

Energie muss günstiger werden
Die Verbraucherzentrale fordert daher schnelle Abhilfe. Ruth Pettenpohl, Beratungsstellenleiterin in Dorsten: „Energiekosten müssen für private Haushalte dauerhaft bezahlbar sein und einkommensärmere Haushalte müssen kurzfristig durch gezielte Maßnahmen entlastet werden.“
Denn die Energiekostenbelastung betreffe alle Haushalte. Eine Familie müsse in einem Jahr aktuell durchschnittlich ca. 1.120 Euro mehr für Energie aufwenden als noch im Jahr 2021. Strom sei damit so teuer wie nie und muss wieder günstiger werden. Die Abschaffung der EEG-Umlage sollte aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW so schnell wie möglich umgesetzt werden. Ebenso sollten weitere Maßnahmen wie die Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß erfolgen. „Ein niedriger Strompreis trägt indirekt auch zur Energiewende bei, da er den Umstieg auf effiziente Heizungstechnologien wie die Wärmepumpe für Verbraucher wirtschaftlich attraktiver macht“, so Ruth Pettenpohl. Zudem sollten die Haushalte über ein so genanntes Klimageld einen Teil des über den CO2-Preis gezahlten Geldes zurückerstattet bekommen. Das Klimageld würde durch die pauschale Rückerstattung besonders einkommensärmere Haushalte entlasten.
Denn Haushalte mit weniger Einkommen trifft die Energiepreiskrise besonders hart. Strombudgets sollten deshalb absehbar in den Regelsätzen bei Leistungen im Rahmen von HartzIV angepasst werden. Erhöhte Heizkosten der Empfänger in Dorsten sollten bei Leistungen im Rahmen von HartzIV aus Sicht der Verbraucherschützer individuell und wohlwollender geprüft und bewilligt werden. Die Verhängung von Strom- und Gassperren bedarf zudem in der gegenwärtigen Situation einer besonders hohen Sensibilität. Versorger sollten zunächst mildere Maßnahmen prüfen und das Sozialamt Betroffene, die keine Sozialleistungen beziehen, in Notfällen verstärkt mit Darlehen oder Zuschüssen unterstützen, um Energiesperren zu vermeiden.
Beratungsseite und Online-Vorträge
In den Aktionswochen „Energiekosten steigen – Das ist jetzt zu tun!“ bietet die Verbraucherzentrale NRW praktische Hilfestellung und Informationen in Form von Online-Vorträgen zu den Themen „Vorzeitige Kündigung von Strom- und Gasverträgen inklusive Anbieterwechsel“, „Strom- und Heizkosten sparen“, „Heizungswechsel & energetische Dämmmaßnahmen“ an.
Die Vorträge im Einzelnen:
Di., 1. März 2022 um 12.30 Uhr: vorzeitige Kündigung, Neukundentarife in der Grundversorgung & Anbieterwechsel
Mi., 2. März um 18 Uhr: Heizungstausch und energetische Dämmmaßnahmen
Do., 3. März um 18 Uhr: Strom- und Heizkosten sparen
Weiterführende Informationen und die Möglichkeit, sich für die Online-Vorträge anzumelden bietet die Verbraucherzentrale NRW unter www.verbraucherzentrale.nrw/energiepreise




























