Von der Kohleförderung zum Kreativquartier – Künstlergruppe „Breitengrad“ visualisieren den Wandel

„Was kommt nach der Kohle?“ fragten sich neunzehn Künstlerinnen und Künstler, die in der Kaue der Zeche Fürst Leopold ihre Werke ausstellen, und das machte auch die stellvertretende Bürgermeisterin von Dorsten Christel Briefs.

Sie  begrüßte die Künstler aus Europa anlässlich der Vernissage und erklärte den zahlreichen Besuchern, anschaulich die Geschichte der Stadt, und dass fast ein Jahrhundert lang diese vom Bergbau geprägt war.

„Heute ist es ein lebendiges Kreativquartier, und wir fragen uns manchmal, gehört Dorsten zum Münsterland oder zum Ruhrgebiet?“

Die Antwort kam von einem Besucher aus Gelsenkirchen: „Wat denn? Inne Kaue aufe Zeche, dat is Ruhrgebiet vom Feinsten. Kannze glauben.

Künsterlgruppe Breitendgrad in Dorsten

Die Künstlerin Margret Schiestel, im österreichischen Zillertal zu Hause, schwärmte denn auch: „Als ich Kind war, kamen immer die Leute aus dem Ruhrgebiet zu uns in Urlaub, und jetzt bin ich hier und stelle aus. Ich kann es kaum fassen.“ Ihr mitgebrachtes Kunstwerk passt dazu. „White Nature ist ein Statement an die saubere Umwelt – für reine Luft und reine Böden.“

Christine Giesen, Spezialistin für spanische Museen in der Hauptstadt Madrid, führte durch die Ausstellung und erklärte fachmännisch und unterhaltsam die Kunstwerke.  Kein Wunder, dass sie in Madrid als geprüfte Gästeführerin interessierte Besucher durch die Kunstwelt der spanischen Hauptstadt führt.

Auch Vera Seedorf, das „Percussion-Wunderkind aus Holsterhausen“, trug mit ihrer Musik zur Atmosphäre der Ausstellung bei. Sie, die zahlreiche Instrumente perfekt beherrscht, schaffte eine Stimmung, die die ausgestellten Kunstwerke noch einmal extra glänzen ließ.

Extraschicht dorsten 2018

Ein Teppich aus weißen T-Shirts steht für die Natur, schwarze Aussparungen für Arbeitsplätze, die durch Zechenschließungen verloren gegangen sind. Eine wahrhaft künstlerische Symbolik. Professionell ist das, und der Betrachter erwartet das auch, denn sie und alle anderen Ausstellenden waren Schüler und Meisterschüler von Prof. Markus Lüpertz. Mit dem entsprechenden Akademiebrief steht ihnen nun die Welt offen.
Um es vorweg zu nehmen, alle Künstler erfüllten die Erwartungen, die man an berufliche Künstler stellen kann.

Die Ausstellung glänzt durch Vielfalt, Einfallsreichtum und Können. Es ist unmöglich, einzelne Exponate herauszustellen, ob es nun mehrere Arbeiten über das Wasser von Martina Hamberger sind, die Collagen über alternative Energiequellen von Anja Struck, das Tryptichon von Herta Bannasch, den Wertewandel darstellend, oder die Montable von Karin Huth, die „Energiegewinnung durch die Elemente Erde, Feuer und Wasser darstellend.

Künstlergruppe Breitengrad Dorsten

Drei Tonfiguren von Ute Herrmann sind ebenso interessant wie das Exponat von Christiane Meier, in dem das Auge suchen kann und immer wieder etwas Neues entdeckt. „Zeitreise“ heißen die beiden Bilder von Brigitte Körber. Sie möchte auf schwarz und weiß grundierten Flächen den Wandel der alten zur neuen, digitalen, Technik zeigen. Es ist wirklich bemerkenswert, wie ihr das gelungen ist.

Künstlergruppe Breitengrad Dorsten

Annette Werndl zeigt zwei Arbeiten „The other end of time“ zum Thema regenerative Natur. Sie demonstriert, wie kreativ Künstlerinnen eine Idee sichtbar machen können. Eine Bodeninstallation fügt Johanna Schreiner zum Thema bei. Sie arbeitet mit Kohlesäcken und möchte damit „von der braunen kaputten Erde zurückkommen ins Leben“, was ihr ohne Zweifel gelungen ist.

Künstlergruppe Breitengrad Dorsten

Wolgang Erls (Lupo) „Rad der Zeit“ ist ein echter Hingucker, es soll eine Verbindung zwischen Erde und Universum symbolisieren: „Hier Kohle, dort leuchtende Gestirne, dazwischen drehen sich die Räder der Zeit.“ Eine Einladung zum Innehalten sind die Elemente von Marlies Daniels, stehend für die Bewusstwerdung der Teilhabe am Weltganzen.

Große Stoffballen, die an den Ketten der Kaue hängen, erinnern an die Geschichte der Zeche. „Rise and Fall“ nennt Astrid Pazelt ihre Installation, die von der Gründung im Jahr 1913 bis zur Schließung 2001 reicht. Eine in leuchtend grüner Farbe leuchtende Montable mit dem Titel „Rekultivierung – Wald – Kohle – Wald“ , in ihrer leuchtenden Symbolik sehr auffallend, steuert Tanjy Schmidt Osterkamp zur Ausstellung bei.

Künstlergruppe Breitengrad Vernissage Dorsten

Das, was nach der Kohle kommt, beschäftigt auch Mara Stamenkovic. Sie ließ sich von der Sonne inspirieren, von der alle Energie auf Erden kommt. Zwei Große bemalte Jutetücher sollen das zeigen. Eine Würdigung von William Thomas Mulvany ist das Projekt von Mary Tritschler „Unter einem Himmel.“

Künstlergruppe Breitengrad Christiane Schuhmacher

Der Vater von sieben Kindern ist der Gründer des Kohlebergbaus in Deutschland. Ihre Bilder zeigen die „Weiten der irischen Küsten im Gegensatz zur Wucht des industriellen Ruhrgebiets.“
Christa Geiger zeigt Holzarbeiten, die den „Wandel der Erde“ symbolisieren. Der Werkstoff Holz steht für Zerfall, aber auch für neues Werden.

Und dann bewundern wir noch die Skulptur der Barbara von Regina Schumachers, das Dorstener Mitglied der Gruppe. Die heilige Barbara ist die Schutzheilige der Bergleute, für die Kumpel eminent wichtig und jedes Jahr mit der Barbarafeier geehrt.

Bei Regina Schumachers ist die Figur 200 kg schwer. Sie ist geheimnisvoll in ihrer Entrücktheit, eindringlich in ihrer schweigenden Massigkeit, und lässt doch den Blick ins Innere zu. So wird die Seele der Barbara greifbar genauso wie die Präsenz ihres wehrhaften Ganzes. Eine wahrhaft gelungene Darstellung einer Heiligen und Bewahrerin, die auch im Inneren des Berges den Bergleuten bei ihren mannigfaltigen Gefahren.

Christine Giesen, Spezialistin für spanische Museen in der Hauptstadt Madrid, führte durch die Ausstellung und erklärte fachmännisch und unterhaltsam die Kunstwerke. Kein Wunder, dass sie in Madrid als geprüfte Gästeführerin interessierte Besucher durch die Kunstwelt der spanischen Hauptstadt führt.

von: Heike Wenig

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