Ein Baby verschluckt sich. Ein Kind stürzt vom Klettergerüst. Sekunden später zählt jede Entscheidung. In der Erlebnis Sport Welt in Raesfeld lernen Eltern, Großeltern und werdende Familien jetzt, wie sie in solchen Momenten ruhig bleiben und richtig handeln. Der neue Kurs „Erste Hilfe am Kind“ setzt dabei vor allem auf praktische Übungen, moderne Technik und echte Alltagssituationen.
Im Kursraum am Samstag herrscht konzentrierte Ruhe. Auf den Tischen liegen spezielle QCPR-Übungspuppen, daneben iPads. Mit ihnen trainieren die Teilnehmer unter anderem die Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Säuglingen und Kindern. Die Technik zeigt sofort an, ob tief genug gedrückt, richtig entlastet und korrekt beatmet wird. So lernen die Teilnehmer nicht nur theoretisch, sondern direkt praktisch, wie Erste Hilfe bei Kindern funktioniert.

Geschäftsführer György Czeglédy erklärt: „Wir benutzen nur QCPR-Puppen. Das heißt, die sind mit dem App und mit dem iPad verbunden und da können die Teilnehmer und auch wir als Ausbilder sehen, wie das Druckqualität ist, also ob die Teilnehmer tief genug drücken, hoch genug entlasten das Herz und wie die beatmen.“
Die Teilnehmer schauen immer wieder auf die Anzeigen der Tablets. Grün bedeutet, die Wiederbelebung sitzt. Rot zeigt Verbesserungsbedarf. Fehler dürfen hier passieren. Genau dafür ist der Kurs gedacht.

„Ruhe bewahren und nicht festfrieren“
Mit aufgebaut wurde der Kurs von Marcel Barten. Der 36-Jährige arbeitet als pädagogische Leitung und nichtärztliche medizinische Leitung. Seine Ausbildung reicht vom Rettungsassistenten bis zur Lehrkraft für Erste Hilfe.
„Ich unterrichte das mit György zusammen“, erzählt er. „Wir beide haben das zusammen aufgezogen, weil wir beide gemerkt haben, wir wollen nicht mehr für andere arbeiten, uns die Kurskonzepte von den anderen Firmen nicht mehr gefallen haben.“

Besonders wichtig sei den Ausbildern ein praxisnaher Ansatz. „Das Wichtigste beim Kindernotfall ist vor allem Ruhe bewahren, Ruhe bewahren und noch mehr Ruhe bewahren“, sagt Barten. Viele Situationen wirkten dramatischer, als sie tatsächlich seien.
„Die Situation kindgerecht erklären und das Kind nicht überladen, aber auch selber zu handeln und nicht festzufrieren. Das ist das Wichtigste in dem Ganzen.“

Übungen statt nur Theorie
Im Kurs werden typische Notfälle durchgespielt. Eltern lernen, wie sie einen Notruf absetzen, wie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung funktioniert oder wie sie bei Erstickungsanfällen reagieren.
Barten nennt ein Beispiel: „Ein Fieberkrampf gestaltet sich meistens vom Aussehen her viel, viel drastischer, als er ist.“ Gerade deshalb setze der Kurs bewusst auf praktische Übungen statt auf reine Onlineangebote. „Die können bei uns in Ruhe üben, die können mit Trainingsgeräten adäquat simulieren auch. Und das ist unser Hauptkonzept Handlungssicherheit durch praktisch.“

Maximal 15 Teilnehmer sollen an einem Kurs teilnehmen. An diesem Abend sind es zehn. Für die Verantwortlichen die ideale Größe.
„Wir wollten keine 20 Leute haben wie in einem normalen BG-Kurs“, erklärt Barten. „Damit das Lernerlebnis für die Teilnehmenden optimal gestaltet und damit wir auch individuell auf die Teilnehmenden eingehen können.“
Feuerwehrkameraden unterstützen das Projekt
Unter den Teilnehmern sitzt auch Janik Titel. Er kennt die Initiatoren bereits aus der Freiwilligen Feuerwehr Raesfeld. „Man merkt einfach, dass er das hier mit Herzblut macht, dass er das in der Feuerwehr mit Herzblut macht und einfach, dass er super gerne das alles macht, um den Menschen zu helfen“, sagt Titel.
Auch er selbst engagiert sich bei der Feuerwehr und fährt Einsätze mit. Der Kurs passe deshalb gut zu dem Gedanken, Menschen im Notfall helfen zu können.

Eltern und Großeltern wollen vorbereitet sein
Viele Teilnehmer kommen mit ganz persönlichen Gründen nach Raesfeld. Tim erwartet gemeinsam mit seiner Frau das erste Kind. „Ich finde das hier sehr umfangreich, informativ und bin bis jetzt sehr zufrieden hier“, sagt er.
Seine Frau Nadine beschäftigt vor allem eine Frage: Was tun, wenn ein Baby keine Luft mehr bekommt? „Wie man das Baby nachher hält“, sagt sie, sei für sie besonders wichtig.
Auch Marlies aus Erle sitzt aufmerksam im Kursraum. Ihre Tochter hat vor vier Monaten ein Baby bekommen. „Ich finde es einfach wichtig als Oma, dass die Eltern wissen in gefährden Situationen, wenn dem Baby was passiert, was man da macht“, erzählt sie. „Und auch als Oma, wenn ich da zufällig in der Nähe bin, dass ich da vielleicht auch mal was helfen könnte.“

Wenn der Spielplatz plötzlich zum Notfall wird
Eine Teilnehmerin berichtet von einem Erlebnis am Pröbstingsee. Dort sei ein Kind von einem Turm gestürzt.
„Dann denkst du dir, ach du meine Güte, was machst du in dieser Situation?“, erzählt sie. Genau deshalb wolle sie lernen, in solchen Momenten ruhig zu bleiben.
Im Kursraum wird derweil weiter geübt. Hände drücken auf kleine Brustkörbe. Die iPads zeigen den Rhythmus an. Draußen wird es langsam dunkel, drinnen wächst bei vielen Teilnehmern vor allem eines: das Gefühl, im Ernstfall nicht hilflos zu sein.
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