Weihnachtsgurken und Spinnweben

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In einigen Familien gibt es eine strenge Arbeitsteilung, wer den Baum kauft und einstielt und wer ihn schmückt. In anderen Familien widmet sich dieser Aufgabe die ganze Familie. Während bei den einen die Äste und Kerzen mit einer Wasserwaage ausgerichtet werden, gehen andere nach dem Motto „Passt schon“ vor. Echte Kerzen oder Lichterketten? Lametta oder Engelshaar? Kugeln oder Strohsterne? Erlaubt ist, was gefällt. Aber woher kommt die Tradition des Baumschmückens und welche Bräuche gibt es in anderen Ländern?

Die Anfänge des Weihnachtsbaume

„Weihnachten“ setzt sich aus den beiden Wortteilen „Weih“ und „Nachten“ zusammen. Sie sind germanischen Ursprungs und bedeuten heilig (wiha) und Nächte. Die heiligen Nächte waren die zwölf Rauhnächte im Anschluss an den 24. Dezember und sollten Schutz vor der Finsternis geben. Der 24. Dezember ist nun ein Fest der Christen und so steht in mehr als jedem zweiten deutschen Haushalt um die Weihnachtszeit herum eine Tanne. Sie bleibt in den meisten Familien bis zum Dreikönigstag am 6. Januar, dem Ende der Weihnachtszeit, in voller Pracht stehen. In sehr religiösen Gegenden erhält sie einen Platz sogar bis zum 2. Februar, 40 Tage nach Weihnachten.

Der Christbaum ist für Deutsche Christen der Inbegriff der Weihnachtszeit, dabei wurde er gar nicht von ihnen erfunden. Die immergrüne Tanne stand bei den Germanen als Symbol für Fruchtbarkeit, Lebenskraft, Wachstum und ewiges Leben und wurde um die Jahreswende ins Haus geholt oder an Türen befestigt. Sie sollte Glück bringen und Hoffnung auf ein Wiedererwachen der Natur im kommenden Frühjahr schenken. Erst im 16. Jahrhundert wurde aus dem „Mittwinterbaum“ in Deutschland der „Sündenfallbaum“, an deren Zweigen Äpfel als Symbol für die erste Sünde befestigt wurden. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich das Aufstellen eines Weihnachtsbaumes über die ganze Welt. Das „unreligiöse Brauchtum“ wurde von der katholischen Kirche jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg anerkannt.

Die „Weihnachtsfarben“

Den Baum zu schmücken erinnert an die Geschenke, die die HeiligenDrei Könige dem Jesuskind überbrachten. Die Kerzen, die während der Adventszeit Woche für Woche heller werden, stehen für das Licht, das am Heiligen Abend die Nacht erhellte und auf die Erde kam. Zudem waren sie als Erkennungsmerkmal und als Einladung an andere Christen gedacht. Mehr als 20 Millionen Christbäume stehen jedes Jahr in deutschen Wohnzimmern und jeder von ihnen sieht anders aus. Waren die Bäume anfangs mit Nüssen, Backwaren, Süßigkeiten und Äpfeln geschmückt, so ist die Dekoration heutzutage bedeutend vielfältiger geworden. Geblieben sind aber dennoch die traditionellen Weihnachtsfarben Rot, Grün, Weiß und Gold. Rot ist die Farbe des Blutes, das Symbol des ewigen Lebens. Sie steht für das Leiden Christi, aber auch für Liebe. Diese Farbe erinnert an die Paradiesäpfel und findet sich im Mantel des Weihnachtsmannes, in den Kerzen auf dem Adventskranz oder der Nase des Rentieres Rudolph wieder.

In welchen Farben schmücken Sie Ihren Weihnachtsbaum?
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Grün ist ebenfalls die Farbe des ewigen Lebens, die Hoffnung auf das Ende des Winters. Die immergrüne Tanne steht im Christentum symbolisch für die Treue Gottes zu den Menschen. Sie ist so präsent und dominant, dass es kaum weitere grüne, bedeutende Symbole zu Weihnachten gibt. Für die Menschwerdung Gottes am Heiligen Abend steht die Farbe Weiß. Sie zeigt sich beispielsweise am Puderzucker des Christstollens. Er symbolisiert das in Windeln eingeschlagene Christuskind. Zudem steht diese Farbe sinnbildlich für den Winter, insbesondere silbernes Lametta für die Eiszapfen im Winter.

Gold oder auch das Gelb des Strohs in der Krippe stehen für den Weihnachtsstern, dem Stern von Bethlehem. Er stand bei der Christusgeburt am Himmel und steckt nun oft an der Baumspitze.

Traditionen rund um den Weihnachtsbaum

Aber nicht nur Farben, auch der Baumschmuck hat eine weitreichende religiöse Bedeutung. Rote Kugeln erinnern an die Geschenke der Heiligen Drei Könige. Sie symbolisieren durch ihre Form zudem das ewige Leben. Engel verkündigten als Wesen zwischen Himmel und Erde mit klingenden Glocken die Geburt Jesus. Andere Länder, andere Weihnachtssitten. Weihnachtsbäume in den USA sind bunt und vollbehangen. Neben Girlanden aus Popcorn, Fotos ihrer Familienangehörigen und allerlei Glitzerschmuck fällt es schwer, im Baum die Weihnachtsgurke zu finden. Dieser Brauch stammt angeblich aus Deutschland, nur hier kennt ihn fast niemand. Derjenige, der die Gurke findet, erhält das erste oder ein zusätzliches Geschenk.

Kein Geschenk, sondern Glück soll das Spinnennetz der Weihnachtsspinne bringen. Um dem Glück ein wenig auf die Sprünge zu helfen, hängen die Polen künstliche Spinnennetze in ihre Bäume. Die Dänen sind da etwas handfester und füllen Süßigkeiten und Nüsse in ihre selbst gebastelten kleinen Tüten, mit denen sie den Baum schmücken, Spanier bevorzugen die Heiligen Drei Könige aus Schokolade, die sie an den Baum hängen. Und wie könnte es anders sein, sind in Mexiko auch zu Weihnachten Piñatas zu entdecken. Ein alter Brauch in Ostdeutschland sowie Osteuropa noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war es, den Weihnachtsbaum verkehrt herum unter die Decke zu hängen. Familien mit Kleinkindern oder Hauskatzen wussten das zu schätzen und der Brauch findet in den USA seit einiger Zeit immer mehr Anhänger. Wie immer und wo auch immer ihr euren Christbaum schmückt, habt Spaß dran.