Wulfener Markt: Viele Ideen für den Neubau

Bei der ersten Bürgerwerkstatt zur Zukunft des Wulfener Marktes konnten die Organisatoren weniger Besucher begrüßen, als gedacht. Dem Zustrom an Ideen tat das aber keinen Abbruch.

„Ein Thema, das den Wulfenern hart unter den Nägeln brennt“, nannte Holger Lohse den fortschreitenden Verfall und die Zukunft der ehemaligen Einkaufspassage am Wulfener Markt. Der Technische Beigeordnete moderierte die erste Bürgerwerkstatt, mit denen die Einwohner Wulfens in die Neugestaltung des Quartiers einbezogen werden sollen.

Rund vierzig Personen hatten am Donnerstag den Weg ins Wulfener Gemeinschaftshaus gefunden. Das waren weniger, als die Organisatoren erwartet hatten. Die geringe Zahl machten die Anwesenden aber durch ihre Motivation wieder wett. Alle wollten sie helfen, die Leitgedanken bei der Schließung der „städtebaulichen Wunde“ (Lohse) zu formulieren.

Denn schließlich soll es der Bürgerwille sein, der vor der Ausschreibung an mögliche Investoren Gehör finden soll. Dass der alte Markt nicht mehr funktioniert hatte, lag nach Ansicht der anwesenden Experten auch daran, dass seine grundsätzliche Planung mittlerweile nicht mehr den Bedürfnissen unserer Zeit entsprochen habe.

Der Dorstener Architekt Hans-Georg Schmidt-Domogalla gab einen Überblick über die bauliche Situation und mögliche Lösungen für eine Neugestaltung. Foto: Borgwardt

Zu groß, zu dunkel, zu uneinheitlich

„Der Markt war in Erwartung einer viel größeren Bevölkerungszahl gebaut worden und ist für Wulfen völlig überdimensioniert“, erläutert der Dorstener Architekt Hans-Georg Schmidt-Domogalla in einem kurzen Vortrag über die Geschichte der Ladenzeile. Schon während der Bauphase war dies von Zeitgenossen kritisiert worden, und tatsächlich sind einige geplante Flügel dann auch gar nicht mehr gebaut worden. Schlecht isolierte Wände, viel zu dunkle Räume und unattraktiv bemessene Ladenlokale hätten die Ladenzeile nach der ersten Blütephase schnell für große Probleme gestellt.

Diese Probleme und der zunehmende Verfall hatten einen Erhalt des Gebäudes daher auch nicht sinnvoll gemacht, führte Schmidt-Domugalla aus. Gleichzeitig gebe es aber auch einige stilbildende Elemente, etwa die markanten Eingangsbögen, die man durchaus in eine Neugestaltung einbeziehen könnte. Man merkte dem Architekten an, dass ihm der Erhalt zumindest einiger der historischen Bauelemente aus der Epoche des „Rationalismus“ gefallen würde.

Die Bürger hatten viele Ideen mitgebracht, die an den Thementischen gesammelt wurden. Foto: Borgwardt

Viele Ideen an den Thementischen

Solche architektonischen Vorlieben standen für die anwesenden Bürger hingegen nicht an vorderster Stelle. Als es an die Thementische ging, um die Wünsche und Vorlieben zu formulieren, standen dort viele moderne Ideen. Barrierefreiheit und ökologische Aufwertung wurden etwa genannt, auch Ladesäulen für Elektrofahrzeuge oder öffentliches WLAN. So mancher wünschte sich auch wieder eine Eisdiele vor Ort, Spielmöglichkeiten oder viel öffentliches Grün.

Holger Lohse und das Team des Stadtplanungsbüros wollen die Vorschläge nun sichten und einordnen. Ingenieurin Stefanie Lesnigg (links) versprach, dass man mit den Bürgern zusammen die beste Lösung finden wolle. Foto: Borgwardt

Das Team des Darmstädter Stadtplaners Gregor Bäumle soll diese Wünsche in die Rahmenplanung für mögliche Investoren einfließen lassen und dann eine passende Ausschreibung formulieren. „Wir wollen unabhängig vom Preis die beste Lösung erreichen“, betonte Diplom-Ingenieurin Stefanie Lesnigg. Ein Preisgericht soll später über die eingereichten Vorschläge beraten und dann den Investor mit dem besten Vorschlag mit der Umsetzung beauftragen.

Der Technische Beigeordnete machte sich schon bei der Arbeit an den Thementischen Gedanken über die Umsetzung einiger Wünsche. Foto: Borgwardt

Einige Vorschläge könne man aber auch unabhängig vom Neubau des Wulfener Marktes erreichen, betonte Holger Lohse. Als Beispiel nannte er die Reparatur der in den See führenden Wassertreppe. „Da finden wir bestimmt auch noch eine sinnvolle Lösung“, erklärte er.

Nun sollen die Vorschläge erst einmal gesichtet und eingeordnet werden, bevor es mit den nächsten Schritten weitergeht. Auch an diesen sollen die Bürger eng beteiligt werden.