Mit dem Verkehrsunfallbericht 2020 gibt die Polizei Recklinghausen einen detaillierten Einblick in Daten und Hintergründe der Verkehrssicherheitslage auf den Straßen des Kreises Recklinghausen
„Wir möchten, dass die Bürgerinnen und Bürger sicher unterwegs sind. Unser Ziel ist es, dass weniger Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt oder gar getötet werden. Dieses Ziel wurde im vergangenen Jahr erreicht“, sagt Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen.
Verzeichnet wurden die geringsten Unfallzahlen im Fünf-Jahres-Vergleich. Die Zahl der Verunglückten ist 2020 deutlich gesunken und es gab deutlich weniger Verkehrstote.
In Lockdown-Zeiten herrschte über Monate erheblich weniger Berufs- und Schulwegverkehr.
„Bei unserer Verkehrssicherheitsarbeit geht es nicht nur darum, Fehlverhalten zu sanktionieren. Wir wollen das Bewusstsein für ein verantwortungsvolles Handeln schärfen. Nicht angepasste Geschwindigkeit, Unaufmerksamkeit und Ablenkung durchs Handy sind mit die häufigsten Unfallursachen. Wenn sich alle an die Regeln halten würden, wäre viel erreicht“, sagt Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen.
Geschwindigkeitsüberwachung und die Ahndung von Smartphone-Verstößen bleiben daher weiter im Fokus der Polizei.
Die Behördenleiterin appelliert an alle Verkehrsteilnehmer: „Tragen Sie dazu bei, unsere Straßen sicherer zu machen. Verhalten Sie sich verantwortungsbewusst. Nehmen Sie Rücksicht gerade auf schwächere Verkehrsteilnehmer. Gemeinsam können wir es schaffen, für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Denn jeder Unfall ist einer zu viel.“
Die Verkehrsunfallentwicklung im Jahr 2020 im Detail
Unfallzahlen deutlich gesunken – niedrigster Wert im Fünf-Jahres-Vergleich
Im Jahr 2020 sind beim Polizeipräsidium Recklinghausen 19.701 Verkehrsunfälle aufgenommen worden. Das waren 2.725 weniger als im Vorjahr (2019 = 22.426) und der niedrigste Wert im Vergleich der vergangenen fünf Jahre.
Weniger Verletzte – weniger Verkehrstote
Die Polizei wurde im Jahr 2020 zu 1.838 Unfällen auf Straßen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen gerufen, bei denen Personen verletzt oder getötet wurden, 189 weniger als 2019 (2027).
- Im Jahr 2018 verloren 18 Verkehrsteilnehmer bei Unfällen ihr Leben (2019 waren es 11.)
- 477 Personen erlitten im Jahr 2020 bei Unfällen schwere Verletzungen (2019: 561)
- 1.747 Verkehrsteilnehmer verletzten sich leicht (2019: 2.030)
- Die Zahl der Verunglückten sank von 2.602 (2019) auf 2.229 im Jahr 2020 (-373).
Weniger verunglückte Kinder – weniger Schulwegunfälle
168 Kinder sind im Jahr 2020 bei Unfällen auf Straßen im Kreis Recklinghausen. Der niedrigste Wert im Fünf-Jahres-Vergleich. Die niedrige Zahl ist in erster Linie auf die Pandemie bedingten Einschränkungen zurückzuführen.
- Es wurden weniger Rad fahrende Kinder verletzt (61, -42) als im Jahr zuvor,
- weniger Kinder verunglückten, als sie zu Fuß unterwegs waren (46, -27).
- Als Mitfahrer wurden 61 Kinder verletzt, 10 weniger als im Jahr zuvor.
- Im Jahr 2020 zogen sich auf dem Schulweg 23 Kinder Verletzungen zu, 36 weniger als 2019.
Zahl der verunglückten Radfahrer auf Vorjahresniveau – deutlich mehr Pedelecfahrer verunglückt – mehr verletzte Motorradfahrer
Im Jahr 2020 verunglückten 651 Radfahrer im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen – eine Zahl auf Vorjahresniveau.
- Es gab sechs verunglückte Radler mehr, als im Jahr 2019 (645).
- 162 der Verunglückten waren auf Pedelecs unterwegs. Das waren 48 mehr als im Jahr 2019 – ein deutlicher Anstieg um 42%.
- Hinzu kamen zwei verletzte E-Bike-Fahrer (ebenso viele wie 2019).
Die Zahl der verunglückten motorisierten Zweiradfahrer ist 2020 gegenüber dem Vorjahr auf 283 (-40) gesunken. Nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2019 (-32) ist die Zahl verletzter Kradfahrer, also Nutzern leistungsstarker Motorräder, dagegen 2020 wieder angestiegen – von 113 auf 125 (+12).
Fehler beim Abbiegen und Wenden sind die häufigste Unfallursache
- Fehler beim Abbiegen und Wenden sind mit einem Anteil von 47 % die häufigste Hauptunfallursache.
- Bei 17 % der Unfälle waren Vorfahrtsverstöße und Missachtungen des Vorranges ausschlaggebend.
- Zu geringer Abstand war in mehr als 14 % Hauptunfallursache.
- Weitere Unfallursachen: Alkohol/Drogen (7,9 %) sowie Geschwindigkeit (3,5 %).
Weniger Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss
Die Zahlen von Unfällen unter Alkohol- und Drogeneinfluss sind im zweiten Jahr in Folge gesunken – auf 180. Das waren 159 weniger als 2019. 2020 gab es einen Rückgang um 97 alkoholbedingte Unfälle sowie 62 drogenbedingte Unfälle. Einen Rückgang um fast 10 % gab es auch bei den Unfällen unter Alkohol- und Drogeneinfluss unter Beteiligung von jungen Erwachsenen.
Weniger Verkehrsunfallfluchten
Nach einem stetigen Anstieg in den vergangenen Jahren gab es 2020 weniger Verkehrsunfallfluchten.
Erfasst wurden insgesamt 4.633 Unfallfluchten, 650 weniger als im Jahr 2019. Die Zahl der Unfallfluchten mit verletzten Personen ist leicht gesunken – auf 197 (-5). Bei 4.436 Unfallfluchten war Sachschaden entstanden (-645 gegenüber 2019). Die Aufklärungsquote bei den Verkehrsunfallfluchten liegt nach wie vor bei rund 40 %, bei den Unfallfluchten mit Verletzten bei über 61 %.
Geschwindigkeitsüberwachung bleibt wichtige Aufgabe der Polizei
Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen, bei denen zu hohe Geschwindigkeit als Hauptunfallursache ermittelt wurde, ist im Jahr 2020 deutlich auf 81 zurückgegangen – 178 weniger, als im Jahr zuvor (2019: 259).
Smartphone-Verstöße bleiben weiterhin im Fokus der Polizei
Ablenkung durch Smartphones bleibt ein großes Problem im Straßenverkehr.
2020 wurden 2.586 Autofahrerinnen und Autofahrer dabei erwischt, wie sie sich während der Fahrt mit ihrem Handy beschäftigten.
Bei 4 Unfällen im Jahr 2020 wurde Handynutzung am Steuer als Unfallursache ermittelt.
Zum Vergleich: 2019 waren 3.102 Handyverstöße geahndet worden und in 14 Fällen war Handynutzung Ursache eines Unfalls. „Es gilt weiterhin, das Bewusstsein von Autofahrerinnen und Autofahrern dafür zu schärfen, wie gefährlich es ist, während der Fahrt aufs Smartphone zu schauen, Kurznachrichten zu schreiben oder ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren. Smartphone-Verstöße bleiben daher im Fokus unserer Verkehrssicherheitsarbeit“, so Kirchner.




























