Ein nachhaltiger Umgang mit Regenwasser ist essenziell, um Städte auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Vor einem Jahrzehnt haben sich Kommunen und die Emschergenossenschaft zur Zukunftsinitiative Klima.Werk zusammengeschlossen, um den Übergang zur Schwamm-Region zu fördern. Als Vorsorge gegen Starkregen, Dürre und Hitze wurden seitdem rund 500 Projekte umgesetzt. 488 Hektar Fläche sind nun von der Kanalisation abgekoppelt. Seit 2024 ist auch Dorsten Teil dieser Initiative.
Wo fließt das Regenwasser von Dächern hin? Was passiert mit dem Niederschlag auf versiegelten Flächen in der Stadt? Oft gelangt es noch immer in die Kanalisation, wo es mit Abwasser vermischt und in der Kläranlage aufwändig gereinigt wird. Diesem Regenwasser fehlt dann in der Stadt, wo es beispielsweise zur Bewässerung von Bäumen und Grünflächen oder zur Speisung künstlicher und natürlicher Gewässer genutzt werden könnte. Bäume und verdunstendes Wasser tragen zur Kühlung und Frischluft in der Stadt bei.
Nachhaltiger Umgang mit Regenwasser
„Ein nachhaltiger Umgang mit Regenwasser und die Stärkung des natürlichen Wasserkreislaufs sind entscheidend für eine klimarobuste und lebenswertere Stadtentwicklung“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft und des Lippeverbands. „Die Verbindung von Wasserwirtschaft – also Gewässerunterhaltung, Abwasserreinigung und Hochwasserschutz – mit Stadt- und Raumentwicklung war vor zehn Jahren der Anstoß für die Zukunftsinitiative.“
Am 15. Mai 2014 unterzeichneten Vertreter der 16 Emscher-Kommunen und der Emschergenossenschaft im Bottroper Berne Park eine gemeinsame Absichtserklärung für die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“, unterstützt vom Land Nordrhein-Westfalen. Diese Kooperation baute auf der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ auf. Diese wurde 2005 zwischen den Kommunen und der Emschergenossenschaft mit dem Land NRW geschlossen.
Von der Absichtserklärung zum starken Netzwerk
In den letzten zehn Jahren ist aus der Absichtserklärung ein starkes Netzwerk entstanden, das den Umbau zur Schwammstadt vorantreibt. Fachleute aus verschiedenen städtischen Bereichen wie Umwelt, Stadtentwässerung, Stadtplanung und Tiefbau arbeiten zusammen mit Kolleginnen und Kollegen der Emschergenossenschaft/Lippeverband an einer klimaresilienten Region. Regelmäßige interkommunale Treffen in Expertennetzwerken sind ein Ausdruck dieser Zusammenarbeit. Das Ziel ist, städtische und private Infrastrukturen so zu gestalten, dass sie Regenwasser aufnehmen, speichern und zurückhalten können. Dies hat positive Effekte für Kühlung und Begrünung und entlastet bei Starkregen die Kanalisation, wodurch Überflutungen verringert werden.

60 Millionen Euro Förderung für Projekte
Zur Abkopplung des Regenwassers von der Kanalisation gibt es verschiedene Maßnahmen: Flächen entsiegeln, um Versickerung zu ermöglichen, Versickerungsmulden bauen, Zisternen, Rigolen und Gründächer zur Speicherung von Regenwasser nutzen oder Niederschlag in Gewässer statt in die Kanalisation leiten. Seit 2008 wurden nach diesem Prinzip rund 500 Projekte in den Städten der Zukunftsinitiative umgesetzt. Das bedeutet eine Abkopplung von etwa 5 Millionen Quadratmetern oder 488 Hektar Fläche. Dafür stellte die Emschergenossenschaft rund 60 Millionen Euro aus dem ZVR-Fördertopf bereit.

Die nächsten Schritte
Die Kooperation heißt seit 2021 Zukunftsinitiative Klima.Werk, um den Fokus stärker auf Klimaanpassung zu legen. Seit 2020 gibt es bei der Emschergenossenschaft eine eigene Abteilung für den Umbau zur Schwammstadt. Das Netzwerk wächst in das Gebiet des Lippeverbands hinein, mit Dorsten als erstem Mitglied seit 2024 und weiteren Kommunen, die folgen werden. Unter dem Dach des Klima.Werks wird auch das Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt. An diesem beteiligen sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region.
Dieses Projekt umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden) und sieht Investitionen von rund 250 Millionen Euro bis 2030 vor. In ausgewiesenen Gebieten wollen die Verantwortlichen 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppeln und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte steigern. Die Kommunen identifizieren derzeit Gebiete für Schwammstadt-Maßnahmen oder haben dies bereits getan.
In den vergangenen Jahren hat die Zukunftsinitiative auch verstärkt Bürger und Unternehmen eingebunden, da die Umgestaltung privater Flächen für einen klimarobusten Umbau unverzichtbar ist. Weitere Informationen, auch zu Förderprogrammen, gibt es unter www.klima-werk.de.




























