Glosse von Anke: Der Alltag ist schon ernst genug. Deswegen serviert die Dorstenerin Anke Klapsing-Reich zum Wochenende eine Portion Heiterkeit. Vergnügliche Episoden aus dem Berufs- und Familienleben. Denn mit einem Lächeln geht gleich alles leichter.
Oh Schreck – der Rucksack weg!
Adrenalin durchströmt den Körper, Panik greift mit eiskalten Krallen nach dem Herzen, die Gedanken rasen, der Mund trocknet aus, während sich auf der Stirn kleine Schweißperlen der Verzweiflung bilden – diese Symptome kennt jeder, der schon einmal seine Handtasche verloren hat. Neulich ereilte auch mich dieses Unglück.
Eis genießen – Rucksack vergessen
Wir hatten bei der letzten Etappe unserer sonntäglichen Fahrradtour noch eine Rast in Kirchhellen eingelegt und uns ein Eis im Hörnchen gegönnt, das wir genüsslich auf einer Bank vor der Eisdiele schleckten. Unglücklicherweise ließ ich meinen Rucksack auf der Sitzbank zurück, was mir erst auffiel, als ich 30 Minuten später in Dorsten vor meiner Haustür den Schlüssel daraus hervorkramen wollte. Die Erkenntnis sprang mich schockgleich an: Der Rucksack ist weg!
Alles, was mich als Mensch legitimiert, steckte in dieser Tasche: Handy, Schlüssel, Ausweise, Bankkarte, Kreditkarte, Führerschein … Meine sofort eingeleitete Fahndung war niederschmetternd: „Hier wurde kein Rucksack abgegeben“, bedauerte die Eisverkäuferin in Kirchhellen, und auch die schnell zusammengestellte Familien-SOKO „Finde Ankes Rucksack“ fand das verlorene Stück weder auf, unter, neben besagter Sitzbank noch in den durchstöberten umliegenden Mülleimern.
„Am besten, Sie lassen Ihre Karten sperren, versuchen Ihr Handy zu orten und fragen morgen noch mal im Fundbüro nach“, riet mir der hilfsbereite Polizeibeamte der Dorstener Wache. Was blieb mir anderes übrig? Mental stellte ich mich schon auf aufwändig-nervige Marathon-Behördengänge ein, um die verlorenen Dokumente wiederzubeschaffen, als ich einem spontanen Geistesblitz nachgab: Ich wählte mein eigenes Handy an, das empfangsbereit in dem verlustigen Rucksack ruhte.
Pizza, Bier und ein Happy End
Und – Bingo: „Hallo“, meldete sich eine unbekannte Frauenstimme, „wer ist da?“ Sie habe gerade dieses Handy auf einer Parkbank in Kirchhellen neben leeren Pizzaschachteln und zerknüllten Bierdosen entdeckt, „da hat es plötzlich gesummt und ich bin dran gegangen.“ Gottseidank! Vor Glück hätte ich sie küssen können. Nachdem ich ihr mein Unglück erklärt hatte, stöberte sie noch in dem Mülleimer neben der Bank, in dem sie tatsächlich auch den Rucksack mit allen beschriebenen Inhalt-Einzelteilen entdeckte. Alles noch da – nur das Bargeld aus dem Portemonnaie war futsch und offensichtlich gleich in Pizza und Bier investiert worden.
Ich war überglücklich und meine Welt wieder heil. Am Abend fand die Übergabe mit der ehrlichen Finderin statt. Sie lehnte den angebotenen Finderlohn und die Pralinen ab. „Lassen Sie mal stecken“, reichte sie mir meinen Rucksack zurück, „ich weiß, wie es sich anfühlt, so etwas zu verlieren.“
Danke, Ihr lieben Finderinnen und Finder in der Welt für Eure Ehrlichkeit, Verantwortung und Nächstenliebe. Am „Lost and Found Day“, der jährlich am zweiten Freitag im Dezember an Finder- und Finderinnen, Verlorengeglaubtes und Unerwartetwiedergefundenes erinnert, werde ich ein Kerzlein für Euch entzünden.




























