Wie gut sind die Betriebe in der Dorstener Innenstadt digital aufgestellt? Die IHK Nord Westfalen stellte nun ihren Bericht vor. Beim City-Monitor Dorsten wurde klar: Da ist noch Luft nach oben.
Das digitale Schaufenster wird auch für klassische Betriebe immer wichtiger. „Wir erleben die Verschiebung der Kaufkraft von der grünen Wiese auf die digitale Wiese“, beschreibt IHK-Referentin Lena Majnaric die Veränderungen in der lokalen Wirtschaftswelt.
Beschleunigt wurde der Wandel hin zum Digitalen ausgerechnet durch eine weltweite Krise. „Corona hat auf die Unternehmen enormen Druck ausgeübt“, erklärt Lena Majnaric. „Die Sichtbarkeit trotz geschlossener Ladentür wurde zur entscheidenden Frage für den wirtschaftlichen Erfolg“.
Da der Erfolg eines Unternehmens immer stärker auch von seinem Auftritt im Internet abhängt, hat die Industrie- und Handelskammer mit dem City-Monitor eine Studienreihe zur Digitalisierung in Auftrag gegeben. Nach vielen anderen Innenstädten ist mit Dorsten nun auch die erste Stadt im Kreis Recklinghausen untersucht worden.
Die Kernfrage: Wie gut sind Handel, Gewerbe, Handwerk und Gastronomie in der Dorstener Innenstadt für die moderne Zeit aufgestellt?

Um das herauszufinden, hatte die IHK beim City-Monitor die 223 Betriebe im Bereich der Altstadt von Juni bis August 2022 unter die Lupe genommen. Überregionale Spieler wie etwa große Ketten haben meist andere Möglichkeiten, sich digital aufzustellen. Besonders im Fokus waren daher die 153 Betriebe, die nicht national, sondern nur regional aktiv sind.
Zwei von drei Betrieben haben eigene Homepage
Das Ergebnis fällt dabei gemischt aus. Zwar lassen sich neun von zehn Betrieben in der Dorstener Innenstadt mit der Suchmaschine Google finden, aber längst nicht jeder Händler, Handwerker oder Gastronom besitzt auch eine eigene Homepage. „Zwei von drei regionalen Unternehmen in Dorsten haben eine eigene Internetseite“, berichtet Majnaric.
Diese seien dann aber so gut wie immer so programmiert, dass sie auch auf Smartphones oder Tablets gut zu bedienen seien. „Wir sprechen hier von sogenannten responsiven Seiten, was mittlerweile Standard ist“, so die IHK-Referentin. Inzwischen nutzten die meisten Menschen mobile Geräte, um nach örtlichen Betrieben zu suchen. Daher ist es wichtig, dass die Internetseiten nicht nur am Computerbildschirm gut aussehen.

Nur drei Unternehmen bieten eigene App an
Wenn es um eine eigene App geht, ist das Angebot in der Innenstadt sehr übersichtlich. Nur drei Betriebe bieten ein eigenes kleines Programm für Mobilgeräte an. „Allerdings ist eine solche App für viele Unternehmen auch nicht unbedingt nötig“, vermutet Lena Majnaric. Stärker in diesem Bereich sind die überregionalen Betriebe und Handelsketten in der Altstadt aufgestellt: 37 Apps zählte das IHK hier. Ein Sonderfall beim City-Monitor sind dabei die Gastrobetriebe, die oft Bestellungen mit einer etablierten externen App wie etwa Lieferando ermöglichen.
Soziale Medien sind noch ausbaufähig
Noch großes Verbesserungspotential hat die IHK bei der Nutzung der Sozialen Medien ausgemacht. Nur etwa 44 Prozent der regional tätigen Unternehmen können eine gepflegte Facebookseite vorweisen. Bei Instagram, das vor allem bei jüngeren Menschen weit verbreitet ist, sind es sogar nur 35 Prozent. „Dabei bieten diese Medien Unternehmen große Chancen, auch überregional sichtbar zu werden“, erklärt die IHK-Referentin. Gute Bespiele seien dabei einige Dorstener Betriebe aus kreativen Branchen wie Tattoostudios oder Einrichtungshäuser, die mit ihren gut gemachten Auftritten großen Erfolg hätten.
Gesamturteil der IHK: Dorsten liegt im guten Durchschnitt
Beim Gesamteindruck verhängt die IHK aber ein mildes Urteil. So sei die Dorstener Wirtschaftswelt in der Altstadt insgesamt durchschnittlich bis überdurchschnittlich gut aufgestellt, was die Nutzung der digitalen Möglichkeiten angeht. Nachholbedarf sieht die IHK-Referentin vor allem in den Sozialen Medien. „Die Kanäle werden zwar schon recht gut genutzt, aber gerade der Einzelhandel könnte sich bei Facebook noch deutlich verbessern“, so Lena Majnaric. Auch bei der Gastronomie bleibe die digitale Sichtbarkeit noch unter den Möglichkeiten, zumal ihre Rolle für die Altstadt zunehmend wichtiger wird.
Gute Noten im City-Monitor erhielten hingegen die Dienstleistungsbetriebe in der Dorstener Altstadt. Diese seien in den Sozialen Medien überdurchschnittlich aktiv. Auch die Handwerksbetriebe hätten das Potential etwa von Facebook schon erkannt, könnten aber in vielen Fällen noch eine bessere Homepage gebrauchen.

Windor und Bürgermeister: Innenstadt zukunftsfähig machen
Der Wandel in den Innenstädten und die Bedeutung der Digitalisierung sind auch im Rathaus und bei der Wirtschaftsförderung große Themen. Um der starken Konkurrenz aus dem Internet etwas entgegen zu setzen, müsse man aber nicht nur selbst digital besser werden. „Das große Wort heißt Transformation“, betont Markus Funk, Geschäftsführer der WINDOR. So müsse man den Menschen Anreize bieten, ihre Einkäufe nicht nur bei den großen Online-Warenhäusern zu erledigen, sondern auch in die Innenstadt zu kommen. „Eine große Bedeutung hat dabei die Aufenthaltsqualität“, erklärt Funk. Man versuche, Eigentümer, Einzelhändler und auch die Vereine gemeinsam ins Boot zu holen, um die Dorstener Altstadt attraktiv zu erhalten.

„Einen großen Schritt in diese Richtung haben wir bereits mit der Neugestaltung der Innenstadt gemacht“, ergänzt Bürgermeister Tobias Stockhoff. Viele kleine Maßnahmen sollen zudem die Frequenz in der Altstadt erhöhen. Als Beispiele nannte er die Ansiedlung von Discountern im Dorstener Campus und auf dem Gelände der ehemaligen Agathaschule. „Wer dort einkaufen ist, geht dann vielleicht noch die paar Schritte in die Innenstadt zum Markt oder um einen Kaffee zu trinken“, so Stockhoff. Auf diese Weise könne man „Synergien heben“, also Angebote miteinander verbinden. „Stadtfeste mit Herz“, die es nicht in jeder beliebigen Ortschaft gebe, könnten dazu beitragen, die Innenstadt lebendig zu halten.




























