Die Pflegeausbildung in Deutschland hat in den letzten Jahren bedeutende Veränderungen erfahren. Durch das Pflegeberufegesetz wurden die Ausbildungen in der Gesundheits-, Kranken- und Kinderkrankenpflege sowie in der Altenpflege zusammengelegt.
Als einheitlichen Abschluss gibt es jetzt die Pflegefachfrau und den Pflegefachmann. Eine nachfolgende Spezialisierung ist allerdings weiterhin möglich. Diese Veränderungen sind nicht nur auf nationale Bestrebungen zurückzuführen, sondern auch auf den Wunsch, internationale Standards in der Pflegeausbildung umzusetzen.
Da mit diesen Änderungen zahlreiche Herausforderungen für die Verantwortlichen einhergehen, haben fünf Pflegeschulen aus der Region bereits 2019 einen Ausbildungsverbund ins Leben gerufen, um ihre Möglichkeiten zum Wohl der Auszubildenden zu bündeln.
Erfolgsmodell über die Stadtgrenzen hinaus
Bereits im Jahr 2018 gab es erste Überlegungen zu einer möglichen Kooperation. Ein Jahr später war es so weit. Seither setzen sich die Schulleiter des St. Elisabeth Bildungsinstituts Dorsten, Bernd Borgmann, des Stiftungsklinikums PROSELIS in Herten, Peter Kudritzki, des Caritas Bildungszentrums für Pflege und Gesundheit Dorsten, Florian Heintze, der KKRN Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe Marl, Antonius Vollmer, und des Caritas Bildungszentrums Oer-Erkenschwick, Dominik Schulz, regelmäßig mindestens einmal im Quartal in einer vertrauensvollen Umgebung zusammen.
Hauptziel ist es, insbesondere die mit der praktischen Ausbildung verbundenen Herausforderungen auf mehrere Schultern zu verteilen. Dazu wurde sogar eine eigene Koordinierungsstelle eingerichtet. Das Netz der Kooperationspartner wird kontinuierlich ausgebaut. Für die insgesamt rund 1.000 Auszubildenden ist das von unschätzbarem Vorteil. Woanders müssen sie oft selbst zum Telefon greifen, um zu versuchen, irgendwo einen Praktikumsplatz zu bekommen.
Aufgrund der Vielzahl an zur Verfügung stehenden Einsatzorten können in der Regel optimale Lösungen gefunden werden. Doch selbst bei den wenigen Ausnahmen, wo einmal nicht alles rund läuft, tauschen sich die Verbundpartner aus und suchen gemeinsam nach Alternativen. Auch gemeinsame digitale Angebote werden über den Verbund bereitgestellt, von digitalen Lehrbüchern bis zur Moodle-Lernplattform.
Entsprechend gut sind die Chancen nach der Ausbildung in der Pflege. Von den Auszubildenden erhalten fast alle nach ihrem Abschluss eine Stelle in ihren Trägerhäusern. Auf beiden Seiten herrscht große Zufriedenheit.
Durchschnittliche Arbeitsdauer in der Pflege liegt bei 22 Jahren
Große Zufriedenheit und Pflegeberufe? Wie passt denn das zusammen, wo das Berufsbild doch eher mit negativen Begriffen behaftet ist. Zu hören ist immer wieder von Pflegenotstand, schlechter Bezahlung, völliger Überlastung und hoher Fluktuation. Bei einem Blick hinter die Kulissen relativiert sich das Horrorszenario dann allerdings. Bei 1.200 € im ersten Lehrjahr und Gehältern, die nach dem erfolgreichen Abschluss bei etwa 3.500 € starten, muss man sich hinter anderen Berufsbildern nicht verstecken. Bewerbungsmappen muss man in der Regel auch nicht im Zehnerpack erwerben, weil in vielen Fällen schon die erste reicht.
Dass ein Einsatz in der Pflege anstrengend ist, lässt sich kaum bestreiten. Sowohl körperlich als auch psychisch. Doch zu einer überdurchschnittlich hohen Fluktuation führt das nicht. Tatsächlich ist der Beruf viel attraktiver als er dargestellt wird. Viele Menschen, die in dem Beruf arbeiten, scheinen die Anforderungen eher als erfüllend zu erleben. Anders ließe sich wohl kaum erklären, warum die durchschnittliche Arbeitsdauer in der Pflege in NRW nicht bei den oft zu hörenden sieben Jahren, sondern bei rund 22 Jahren liegt. Das scheint übrigens schon der Nachwuchs so zu empfinden. So weiß Bernd Borgmann von einem Prüfling zu berichten, der zum Abschluss seiner Ausbildung auf die Frage, wie es ihm dabei ergangen sei, wie aus der Pistole geschossen antwortete: „Super! Alle sagen, ich sei viel erwachsener geworden!“

Wie kam es zur Änderung des Pflegeberufegesetzes?
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat die Ausbildungsordnungen modernisiert, um sicherzustellen, dass Auszubildende berufsübergreifende Kompetenzen erwerben können. Seit dem 1. August 2021 enthalten alle Ausbildungsordnungen neue verbindliche Mindestanforderungen in den Bereichen Organisation, Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht, Sicherheit und Gesundheit, Umweltschutz und Digitalisierung.
Das Pflegeberufegesetz hat die bisher getrennten Pflegeausbildungen in einem neuen, generalistischen Modell zusammengeführt. Dies bedeutet, dass alle Auszubildenden in den ersten zwei Jahren eine gemeinsame Ausbildung absolvieren. Die Fachkommission nach dem Pflegeberufegesetz hat die Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne für die neuen Pflegeausbildungen erarbeitet. Diese Pläne bieten konkrete Vorschläge für die Ausgestaltung der neuen Ausbildungen und wurden vom BIBB veröffentlicht. Ergänzt wird das Pfelgeberufegesetz durch die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe (PflAPrV).




























