StartDorstenGeschäftsweltFrischmarkt Holsterhausen: Ehemaliger Elli-Markt unter neuer Leitung

Frischmarkt Holsterhausen: Ehemaliger Elli-Markt unter neuer Leitung

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Sivaguru Sivagaran ist der neue Inhaber des Frischmarkt Holsterhausen an der Hauptstraße im Dorf. Foto: Borgwardt

„Wenn man fleißig ist, kann man viel erreichen“, das ist das Motto von Sivaguru Sivagaran. Der 47-jährige Geschäftsmann ist neuer Inhaber des Frischmarktes an der Hauptstraße 36A im Dorf Holsterhausen. Mit gewohnter Qualität und neuen Ideen möchte er die wichtige Nahversorgung in Holsterhausen in die Zukunft führen.

Seit vielen Jahrzehnten ist der Lebensmittelmarkt an der Hauptstraße ein wichtiger Eckpfeiler für die Versorgung im Dorf Holsterhausen. Für Rentner und Familien bedeutet er kurze Wege, und hier halten auch morgens viele Pendler für ein Brötchen und einen Kaffee, bevor es auf die Autobahn geht. Entsprechend sensibel reagieren viele Holsterhausener, wenn die Zukunft des Marktes gefährdet zu sein scheint. Im vergangenen Jahr musste die bisherige Inhaberin Anja Jansen ihre Kunden beruhigen, weil es Gerüchte über eine bevorstehende Schließung gab.

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Frischmarkt Holsterhausen ist gerettet

Doch zur Wahrheit gehörte auch, dass Corona- und Energiekrise dem Markt nicht gut getan hatten. Würde Holsterhausen-Dorf also bald ohne einen gut erreichbaren Nahversorger auskommen müssen? Und was würde mit den sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschehen? Nun gibt es für die Anwohner und das Team ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk: Der Frischmarkt Holsterhausen ist gerettet und unter neuer Führung.

Großes Vertrauen habe auf beiden Seiten geherrscht, erzählt Sivaguru Sivagaran. Das bewährte Team vom Frischmarkt ist auch weiterhin an Bord. „Ich bin glücklich, dass wir alle Mitarbeiter von Frau Jansen auch weiterhin für uns gewinnen konnten“, erklärt der Unternehmer aus Unna gut gelaunt.

Sivaguru Sivagaran bringt Anpackermentalität mit

Sivagaran weiß selbst, wie es ist, sich Sorgen um die Zukunft machen zu müssen. Als Jugendlicher musste er zusammen mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka fliehen. „Als ich dann mit 17 in Deutschland ankam, wollte ich unbedingt weiter zur Schule gehen. Aber das Ausländeramt war dagegen“, erinnert er sich. Er seit dafür zu alt, habe es geheißen, und zu einem Studium wollte man ihn ohne deutschen Schulabschluss nicht zulassen. „Ich wollte aber nicht einfach nur zuhause sitzen und von fremden Geld leben. Das ist nichts für mich.“ Kurzerhand sei er deshalb zum nächsten Supermarkt marschiert und hatte seine Arbeitskraft angeboten. „Ich hatte gefragt, ob sie mir eine Chance geben würden“, so Sivaguru Sivagaran.

Er packt an, arbeitet hart und wird daher schnell vom normalen Lager in den Tiefkühlbereich versetzt. Doch die stundenlange Arbeit in der frostigen Kälte macht sein Körper nicht mit und er wird krank. „Das hat mein Bruder natürlich mitbekommen, und er hat mich gefragt, ob ich bei ihm arbeiten will.“ Sein jüngerer Bruder, der bei Mc Donald’s arbeitet, legt ein gutes Wort für ihn ein. Mit Erfolg: Die beiden Brüder arbeiten nun in der gleichen Filiale. Schnell fallen sie durch Fleiß und Zuverlässigkeit auf.

„Ihr habt ein Jahr Zeit dafür“

Es dauert nur ein paar Monate, da werden sie ins Büro gerufen. „Unser Chef hat uns folgendes gesagt: Ich mache euch zu Schichtleitern, wenn ihr die Prüfung schafft. Dazu müsst ihr aber noch besser Deutsch lernen.“ Ein Jahr Zeit hätten sie dafür. „Da standen wir natürlich vor einem Problem. Es gab damals noch keine Sprachkurse an der VHS, in denen auf tamilisch deutsch unterrichtet wurde.“ Und allein die Schrift war eine Barriere. „Tamilisch ist eine der ältesten Sprachen der Welt, und wir haben 247 Buchstaben“, erklärt Sivagaran lachend. „Das ist schon eine Hürde.“

Die Molkereiabteilung hat nun ein größeres Sortiment. Foto: Borgwardt

Doch die beiden Brüder geben nicht auf. Sie kaufen sich einen einfachen Langenscheidt-Sprachführer und büffeln zusammen in ihrer knappen Freizeit. Mit Erfolg: Nach nur zehn Monaten melden sie sich für die Prüfung an und bestehen. Nun geht es immer weiter auf der Leiter. 2002 später wird Sivagaran stellvertretender Filialleiter, 2003 übernimmt er seine erste eigene Filiale. Dann kommt eine zweite hinzu, und schließlich unterstehen ihm 60 Mitarbeiter. Er wechselt die Firma und leitet wieder ein Restaurant. „Das war gut, aber ich hatte Lust, mein eigenes Projekt zu starten“, erinnert er sich. „Also habe ich 2015 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.“

Schritt in die Selbstständigkeit

Die Anfänge wirken bescheiden: „Es war nur ein kleiner Lottoladen und ein Kiosk in Dortmund“, sagt der Geschäftsmann lächelnd, „aber es war ein guter Anfang.“ Es sei eine Zeit der Erfahrungen und des Ausprobierens gewesen, sagt Sivaguru Sivagaran heute. Aber es habe funktioniert. Nach nur einem Jahr war der Umsatz um 50 Prozent gewachsen, und der nächste Laden folgt. Es sind die Ursprünge seiner jetzigen Firma, der Ruhrexpress 24 GmbH mit Sitz in Recklinghausen. Diese führt er mit seiner Frau Rameswary Sivagaran zusammen, und auch die drei Kinder packen in den Ferien gerne mit an.

Strauchelnde Lebensmitteläden zu neuem Glanz bringen

Das Ehepaar hat inzwischen viel Erfahrung mit Lebensmittelläden und Frischmärkten gesammelt. „Der Frischmarkt Holsterhausen ist unser 14. Markt“, erzählt Sivagaran. „Wir haben erfolgreiche Läden etwa in Kevelaer, Lippstadt, Gummersbach oder Gelsenkirchen“. Das Konzept: Die Firma übernimmt Nahversorger, deren Inhaber die Geschäfte aus Altersgründen oder wegen finanziellen Schwierigkeiten abgeben möchten.

Fast immer sind es Läden, deren Kundschaft ihnen seit vielen Jahren treu verbunden sind und die in ihrer Nachbarschaft einen wichtigen Anlaufpunkt darstellen. „Das möchten wir erhalten und gleichzeitig das Angebot modernisieren und attraktiver machen“, so Sivagaran. Mit den Jahren habe er einen geschärften Blick dafür entwickelt, verstecktes Potential und mögliche Probleme zu finden. „Wir haben vor acht Jahren einen ganz ähnlichen Laden übernommen. Eine ähnliche Verkehrslage und Nachbarschaft, und auch 300 Quadratmeter Ladenfläche. Inzwischen konnten wir den Umsatz um gut 80 Prozent entwickeln.“

Sivaguru Sivagaran freut sich, dass die neue Fleisch- und Wurstabteilung fertig sein wird. Foto: Borgwardt

Öffnungszeiten, Angebot: Was ändert sich, was bleibt gleich?

So ist es nicht verwunderlich, dass im „Frischmarkt Holsterhausen“ gerade tüchtig für die Zukunft gearbeitet wird. Zusammen mit seinem Lieferanten, der Max Lüning GmbH, hat Sivagaran das Angebot etwa im Bereich der Molkereiprodukte nun schon deutlich erweitert. Bald wird auch die neue Fleisch- und Wurstabteilung eröffnet, die eine große Bandbreite an gekühlten Produkten für Küche und Grill anbieten soll. Die Regale wurden etwas umgestellt und mit den gängigen Waren aus dem Edeka-Sortiment aufgefüllt.

Dazu gibt es an der Kasse ein neues Tabakregal und optimierte Öffnungszeiten. „Wir haben uns die Öffnungszeiten angesehen und sie etwas geändert“, erklärt der neue Inhaber. „Wir öffnen nun schon eine Stunde früher, nämlich um 6 Uhr“. Dadurch hätten Pendler die Möglichkeit, sich vor der Schicht schon mit Kleinigkeiten und Frühstück einzudecken. „Die berühmte Kippe und das Brötchen“, schmunzelt Sivagaran, so sei das eben im Ruhrgebiet. Für das Brötchen zeichnet wie gewohnt die Bäckerei Imping verantwortlich, mit denen der Marktbetreiber weiterhin zusammenarbeitet. Am Abend schließt der Laden nun schon um 19 Uhr statt um 19.30 Uhr. Die letzte halbe Stunde habe kaum noch Umsatz gebracht, und dafür seien die Mitarbeiter nun früher zuhause, sagt Sivagaran. Samstags schließt der Frischmarkt Holsterhausen um 16 Uhr.

Nicht verändert haben sich die Preise und auch die ganzen liebgewonnenen Dinge, die die Kunden schon seit langem schätzen: Frisches regionales Obst und Gemüse, kurze Wege und gute Erreichbarkeit. „Wir freuen uns auf unsere Kunden und sind schon gespannt auf ihr Feedback“, sagt Sivaguru Sivagaran.

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