Wie geht es weiter in der Großen Heide? Bei der Wulfenkonferenz stießen die Vorträge des Entsorgungsbetriebes Bolz und der Logistikfirma GXO auf großes Interesse. Bei der befürchteten Belastung durch LKW-Verkehr konnten beide Firmen die Sorgen ein Stück entkräften.
Bolz Entsorgung sind die „Neuen“ in Wulfen. Seit einigen Wochen bereitet der Entsorgungsspezialist aus Recklinghausen sein Baufeld im Gewerbegebiet Große Heide vor. Auf 9,8 Hektar Fläche soll hier die neue Anlage des Betriebes entstehen. Der Stammbetrieb ist nach über 50 Jahren der Entwicklung zu klein geworden, und daher habe man schon länger nach einer passenden Fläche gesucht. In Wulfen sei man nun fündig geworden, betont Projektleiter Marcel Schonebeck, der selbst Wulfener ist. „Der Standort an der B58 hat sehr große Vorteile für unsere Logistik“, erklärt er. So könne man über die A43 und den Marler Damm die rund 5500 Anfahrstellen im Ruhrgebiet sehr gut erreichen. Zudem können praktisch alle der 145 Mitarbeiter zum nur 18 Kilometer entfernten neuen Standort übernommen werden.

Bolz verarbeitet organische Abfälle
Mit derzeit 46 LKW sammelt Bolz organische Abfälle wie Lebensmittelreste und Fette ein. Die Kunden sind dabei beispielsweise Küchenbetriebe und Kantinen, Fleischereien, Restaurants, Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen oder Hotels. Diese Betriebe werden ihre Abfälle bei Bolz los und bekommen hygienisch gereinigte Behälter zurück. Bei Bolz wird der Müll dann gesammelt und zunächst von Verpackungen, Glasresten oder ähnlichen Störmaterialien befreit. Aus dem organischen Rest entsteht dann eine leicht zu verarbeitende Masse, mit der Biogasanlagen betrieben werden können. Nach der Vergärung kann das Substrat dann als Düngemittel in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen.
Der Geruch ist dabei laut der Firma Bolz kein großes Problem. Ein leichter Unterdruck in den Anlagen und leistungsstarke Filter sollen dafür sorgen, dass keine Belästigungen auftreten.

Rund 60 Laster am Tag
Eine drängende Frage für die Wulfener war dabei die zu erwartende Verkehrsbelastung auf der B58. Bolz rechnet zunächst mit etwa 60 LKW-Bewegungen am Tag, die zum großen Teil in Richtung der A43 laufen werden und den Ortskern nicht durchqueren. Die Lastwagen werden später auf der eigenen Betriebsanlage gewaschen und gewartet.

„Zukünftig werden wir unsere Transporte weiter reduzieren können, da wir unser Produkt in einer eigenen Biogasanlage zu erneuerbarer Energie veredeln werden“, so Schonebeck. In der geplanten Anlage wird zunächst Biogas erzeugt, das im Wesentlichen eine Mischung aus Kohlendioxid und Methan ist. Das CO2 wird dann zusammen mit anderen Stoffen abgeschieden, so dass das fertige Biomethan in das reguläre Erdgasnetz eingespeist werden kann. „Bis das so weit ist, werden aber noch zwei bis drei Jahre ins Land gehen“, schätzt der Projektleiter.
GXO verwaltet das Levi’s Logistikzentrum
Für einige Verwirrung hatte in den vergangenen Wochen die Entscheidung von Levi’s gesorgt, den laufenden Betrieb noch vor der Eröffnung an die Logistikfirma GXO abzugeben. Die ursprünglich aus den USA stammende Firma gehört zu den weltweit größten Vertretern ihrer Branche und ist auch in Deutschland breit aufgestellt.

„Levi’s hatte sich aufgrund der derzeitigen Marktlage zu dem Schritt entschieden“, erklärt Oliver Kraftsik, Vice President GXO Germany. „In der Coronazeit haben viele Menschen ihren Kleiderschrank aufgefüllt, so dass nun die Nachfrage nach Modeartikeln etwas eingebrochen ist.“ Durch diese Sättigung könne Levi Strauss das Wulfener Logistikzentrum nicht wie geplant auslasten. GXO löst dieses Problem, indem die Firma zunächst die Warenlogistik für Levi’s übernimmt und die freien Kapazitäten anderen Kunden zur Verfügung stellt. „Einfach gesagt, ist es dem LKW ja egal, ob er neben Levi’s-Kleidung auch noch Pakete etwa von Gucci transportiert“, verdeutlicht Kraftsik. Am Ende stehe eine optimale Auslastung des Betriebes und der Transporter.

Auch für die bis zu 650 Mitarbeiter ändere sich nichts. „Bei mir hat sich durch den Wechsel nur der Briefkopf auf dem Lohnschreiben geändert“, erklärt Torsten Pennartz. Die Mitarbeiter haben die gleichen Konditionen erhalten wie zuvor. Derzeit arbeitet ein Team von rund 70 Personen im Gebäude, deren Zahl in den kommenden Monaten aufwachsen soll.

Auch den beiden GXO-Sprechern wurde natürlich in der Wulfen-Konferenz die Frage gestellt, welchen Lastverkehr das Dorf zu erwarten habe. „Stand jetzt rechnen wir mit etwa 40 LKW pro Tag“, so Kraftsik. Aber auch bei GXO soll der Frachtverkehr zum großen Teil in Richtung A43 abfahren, so dass die Laster gar nicht erst durch Wulfen fahren. Zudem sollen die LKW nachts und sonntags im Depot bleiben.




























